80 Jahre Reichspogromnacht: Die Erinnerungskultur wach halten

80 Jahre Reichspogromnacht : Die Erinnerungskultur wach halten

Zum 80. Mal jährt sich am Freitag, 9. November, ein sehr dunkles Kapitel der deutschen Geschichte: die sogenannte Reichspogromnacht.

Gemeinsam werden die evangelische Kirche, die katholische Kirche und die Zivilgemeinschaft Würselens, vertreten durch den Arbeitskreis „Kein Vergessen“ und die Stadt Würselen, dieser dunklen Nacht in einer gemeinsamen Veranstaltung mit verbindendem Mahngang gedenken.

Gemeinsam auf dem Weg

Der Stadt Würselen und den an der Veranstaltungen beteiligten Partner ist das so wichtig, dass sie extra zum Pressegespräch im Vorfeld bitten und ausdrücklich die Bürgerschaft einladen, sich etwas Zeit zu nehmen und an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen. „In bis dahin nie dagewesener Form wurde seinerzeit gegen Andersdenkende vorgegangen. In sieben Jahrzehnten danach hat sich eine Menge zum Guten gewandelt, aber wir dürfen nicht nachlassen und ständig daran erinnern“, verweist Bürgermeister Arno Nelles auf wachsenden Antisemitismus in letzter Zeit. „Wir müssen zeigen, dass eine Gesellschaft auch anders kann.“

 Um 17.30 Uhr beginnt die Gedenkveranstaltung mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Martin-Luther-Kirche in der Bahnhofstraße. Zusätzlich wurde vereinbart, dass der Imam der türkisch-islamischen Gemeinde in der Schweilbacher Straße im ökumenischen Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche ein Gedenkgebet für Verstorbene - wie auch die anderen beiden Geistlichen - sprechen soll, wie Jürgen Hohlfeld von Arbeitskreis „Kein Vergessen“ mitteilte..

Von dort aus ziehen die Teilnehmer zum Lindenplatz, wo vor der ehemaligen Synagoge um 18.30 Uhr die weltliche Gedenkveranstaltung stattfinden wird. Würselens erster stellvertretender Bürgermeister Winfried Hahn und Jürgen Hohlfeld werden die Teilnehmer begrüßen. Würselens ehemaliger Bürgermeister, Bundestagsabgeordneter Martin Schulz, hält eine Ansprache; Angela Ortmanns-Dohrmann trägt das Gedicht „Todesfuge“ von Paul Celan sowie Jürgen Hohlfeld die Gedanken des Jesuiten Martin Löwenstein „Warum wir heute hier stehen“ vor. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung durch die Gruppe „Vertont anders“. Anschließend ziehen die Teilnehmer vom Lindenplatz aus zum Markt in die katholische Pfarrkirche Sankt Sebastian, wo um 19.30 Uhr das jüdische Totengebet Kaddisch gebetet wird.

Zu der Gedenkveranstaltung an den einzelnen Orten sowie zum Mahngang ist ausdrücklich jedermann eingeladen. Besucher werden gebeten, eigene Erinnerungskerzen oder -laternen mitzubringen.

„In Würselen gibt es eine lange Tradition der Erinnerungskultur, sei es zum 8. Mai mit der Befreiung vom Nationalsozialismus, eben dem 9. November und dem 27. Januar, dem Tag der Befreiung des KZ Auschwitz“, sagte Hohlfeld.

Dorothea-Elisabeth Alders, Pfarrerin in Würselen-Broichweiden, verweis darauf, dass bei den Feierlichkeiten Jugendliche involviert sind und dies besonders wichtig ist, um den Gedanken in Zukunft zu erhalten, gerade vor dem Hintergrund des jüngsten furchtbaren Anschlags auf Besucher einer Synagoge in den USA. Kollege Pfarrer Harry Haller verwies auf Saulus, der zum Paulus wurde und zitiert aus aus einem Römerbrief 11,18: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“ Oft werde vergesse, dass Jesus Jude war.

Der katholische Pfarrer Rainer Gattys betont, hob die Bedeutung der Stolpersteine hervor, die jeweils an die Menschen jüdischen Glaubens erinnern, die Opfer der Verfolgung im Nationalsozialismus waren und vor Ort für die Erinnerungskultur wichtig seien.

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