Nordkreis: DGB: Betriebsratswahlen ernst nehmen und Vorschriften einhalten

Nordkreis: DGB: Betriebsratswahlen ernst nehmen und Vorschriften einhalten

„Mit den Betriebsratswahlen haben Arbeitnehmer die Chance, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen“, sagt Ralf Woelk, Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Und damit will er die Menschen in den Betrieben dazu aufrufen, an den noch bis einschließlich 31. Mai laufenden Betriebsratswahlen auch in unserer Region teilzunehmen.

„Wir haben in unserer Region knapp 100 Betriebe, die teilnehmen“, sagt Franz-Peter Beckers von der IG Metall beispielhaft dazu. Er kennt die Routine bei den Wahlen, freut sich aber, dass — beispielsweise bei der immer weiter sinkenden Wahlbeteiligung auf kommunalpolitischer Ebene — die Wahlbeteiligung bei den Betriebsratswahlen mit Werten zwischen 80 und 90 Prozent überaus gut ist.

„Generell wissen die Mitarbeiter, was sie von der Arbeit der Betriebsräte haben“, so Beckers weiter, „aber es gibt auch Branchen, in denen es Beschäftigten schwierig gemacht wird“. Hier rücken insbesondere die Leiharbeitsfirmen in den Fokus der Gewerkschafter. Einen Erfolg sah er bei der Firma „Meteor Personaldienstleistungen“ in der Niederlassung Aachen. Holger Faßmann, neuer stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, weiß, wie es gerade in der Leiharbeitsbranche aussehen kann. „Bundesweit gibt es nur eine Handvoll Firmen, die einen Betriebsrat haben“, sagt er.

So sei bei Meteor ein zweijähriger Prozess nötig gewesen, um den Betriebsrat durchsetzen zu können. „Das Problem für die Kollegen ist, in die Öffentlichkeit zu gehen und sich als Betriebsrat aufstellen zu lassen“, weiß Faßmann. In manchen Betrieben sei der Druck so groß, dass viele Kollegen darauf verzichteten. „Dabei sind Betriebsräte in allen Betrieben ab einer Größe von fünf Mitarbeitern möglich“, unterstreicht Ralf Woelk. Drei Vertreter bilden dann den Betriebsrat, der sich für weitreichende Mitbestimmungsrechte einsetzt, die im Betriebsverfassungsgesetz verankert sind.

Allerdings macht den Gewerkschaften gerade in Sachen Betriebsgröße ein anderer Unternehmenstrend zu schaffen. „Outsourcing und Aufsplitten der einzelnen Betriebsbereiche in eigene Firmen macht es Beschäftigten zunehmend schwieriger, Betriebsräte zu gründen“, so Woelk. So komme es auch dazu, dass in unserer Region nur 48,5 Prozent aller Betriebe mit einem Betriebsrat ausgestattet seien, eine Zahl, die noch ein wenig unter dem Prozentsatz der Vorjahre liegt.„Dennoch stellen wir fest, dass beispielsweise auch in der IT-Branche viele Spin-Offs der Hochschule sich in der Region ansiedeln und auch dort formieren sich viele Betriebsräte“, so Woelk abschließend.

Wird gewählt, so legt Franz-Peter Beckers größten Wert darauf, dass die Wahlen auch ordnungsgemäß stattfinden. „Denn die Unternehmer fühlen sich als ‚Herr im Haus’ und können bei nicht genau eingehaltenen Wahlvorschriften auch nachträglich alle Entscheidungen eines längst im Amt befindlichen Betriebsrates aushebeln“, warnt Beckers.

Darum sei es ratsam, das Thema Betriebsrat nicht ohne Gewerkschaft abzuwickeln, um die Wahlen wasserdicht zu machen. „Denn ein Betriebsrat hat auch eine wichtige soziale Funktion, die von vielen Unternehmen noch nicht so angesehen wird“, schließt Beckers. Dazu gehört, das tägliche Miteinander am Arbeitsplatz zu regeln, Sorgen und Nöte mitzuteilen und zu teilen.

(mabie)