Alsdorf: Denkmalplatz: „Schön gestaltet, aber ohne Nutzen“

Alsdorf: Denkmalplatz: „Schön gestaltet, aber ohne Nutzen“

Für viel Geld ist der Denkmalplatz hergerichtet worden, aus dem einstigen Busbahnhof wurde eine „urbane Fläche“, auf der Kunst und Bäume das Auge erfreuen sollen. Doch die neue Optik ist nur die halbe Miete. Denn Innenstädte sollen leben, gleichermaßen attraktiv sein für Händler und Kunden. Am Denkmalplatz jedoch ist Ruhe eingekehrt, zu viel Ruhe.

Jüngst musste die Stadt aus fördertechnischen Gründen auch die provisorischen Parkplätze aufheben, nun dürfen den Platz nur noch Anlieferer befahren. Der übrige Verkehr fließt vorbei. Zwar sind hinter dem Gebäudekomplex Hunderte Parkplätze ausgewiesen, doch die Kundenströme zieht es Richtung Bahnhofstraße.

„Wir haben deutlich zu spüren bekommen, dass der Busbahnhof weg ist“, sagt Jürgen Baumanns, Eigentümer des Lederwarengeschäfts an der Ecke. „Die Laufkundschaft ist stark zurückgegangen.“ Ein weiterer Knall, so ergänzt seine Frau, sei der Wegfall besagter Parkplätze gewesen. „Zuerst haben wir lange unter der Baustelle gelitten. Dann wurde das Versprechen nicht eingelöst, der Wochenmarkt ziehe hier hin“, sagt Bärbel Baumanns. „Jetzt haben wir einen Platz im Zentrum der Stadt, der zwar schön gestaltet, aber ohne Nutzen ist.“

Baumanns haben durchgehalten, hegen auch jetzt keine Überlegungen, umzuziehen, das Geschäft laufe in Anbindung an die Stadthalle und das benachbarte Geldinstitut immer noch gut. Keinesfalls möchte Jürgen Baumanns den Standort Alsdorf schlecht reden, doch die Stadt präsentiere sich nicht geschlossen genug. „Leider hat es in den vergangenen Jahren Verluste an attraktiven Geschäften gegeben, denen keine Neuansiedlungen gegenüberstehen.“

Seitens der Stadt vermisst er „konzertierte Bemühungen“ in diesem Sinne und zieht als Betreiber auch einer Geschäftsfiliale an der Kirchstraße in Baesweiler Vergleiche: Dort sei die Stadtverwaltung bemüht, Kontakt aufzunehmen. Allerdings gebe es in Baesweiler auch mehr inhabergeführte Geschäfte und Hausbesitzer, die sich um ein ansprechendes Umfeld kümmern.

In Alsdorf könnte es trotz der Bemühungen durch die Stadt „etwas aufgeräumter sein“. Mit Blick auf die Gebäudezeile am Denkmalplatz, in dem er sein Ladenlokal angemietet hat, stellt Baumanns fest: „Keiner der Besitzer hat das Angebot der Stadt wahrgenommen, nach hinten hinaus zu investieren.“ So bleibt das Geschäftshaus zum Zentralparkplatz hin abweisend — und Leerstände prägen die Vorderseite.

Manfred Kappes ist einer der Besitzer des 1959 errichteten Immobilienkomplexes. Seit geraumer Zeit sucht er Nachmieter — „für die es sich auch lohnt zu investieren.“ Das Ladenlokal ist mit den Wohnungen darüber verbunden. Kappes: „Für den Laden alleine würde sich ja noch jemand finden, der Kostenaufwand für einen Umbau aber steht in keinem Verhältnis zum Erlös.“ Auf der Rückseite hat er einen Flächenstreifen dazugekauft, um von dort die Wohnungen erschließen zu können.

Doch die passenden Langzeitmieter seien bisher nicht vorstellig geworden. Ein Ankermieter müsse her, das würde vieles erleichtern, um bürgerliche Klientel anzulocken. Eine Gastronomiezeile könnte er sich auf dem Denkmalplatz vorstellen — im Kontext zum gut besuchten Stadthallenprogramm. Sein Wunsch: Die Stadt würde auf die Immobilienbesitzer zugehen, ihre Anliegen sortieren, um eine konzertierte Aktion zu starten, „damit nicht jeder als Einzelkämpfer vor sich hin wurstelt“.

Parkplätze ziehen immer

„Der Denkmalplatz ist schwierig geworden“, bestätigt Helmut Butz, Immobilienvermittler aus Alsdorf, dessen Familie dort einmal ein Herrenausstattungsgeschäft geführt hat. „Damals war der Platz wegen des Busbahnhofs noch stark frequentiert“, sagt er. Aber heute … Nun dürfe vor den Läden auch nicht mehr geparkt werden. „Das sieht alles sehr schön aus“, sagt Butz. „Aber Autos aus Innenstädten herauszuhalten, funktioniert so nicht.“ Als Gegenbeispiel nennt er die Kaiserstraße in Würselen mit Parkraum direkt vor den Geschäften: „Zwei oder drei Kurzzeitparkplätze ziehen immer.“ Überdies entspreche die Immobilie am Denkmalplatz in ihren Zuschnitten nicht mehr den heutigen Anforderungen, sei daher ohne Investition durch die Besitzer nur sehr schwer zu vermitteln. „Es wäre schon eine Supersache, wenn sich dort Gastronomie etablieren würde.“

Ein Einzelkämpfer ist Norbert Biste, ebenfalls Besitzer einer Laden-Wohnungs-Kombination am Denkmalplatz. Früher hat auch er hier ein Geschäft für Herrenmoden betrieben, lebt heute noch in der Wohnung über dem nunmehr leeren Laden. „Die Zeiten haben sich gewandelt“, sagt er. „Kleine Läden haben wenig Chancen.“ Gut erinnert er sich an alte Zeiten, als die Jungs vom Pütt die Kneipe nebenan bevölkerten. Deren letzter Pächter aber habe trotz Fußballübertragungen und Grillaktionen dicht machen müssen. „Man darf nicht nur zurückblicken“, sagt Biste. „Kunden bevorzugen heute die großen Zentren, dagegen kann man wenig machen.“

Leerstände gebe es überall. Man müsse sich eben Neues einfallen lassen. So hat er eine Immobilienmaklerin kontaktiert, die mit ihrem Büro demnächst selbst Mieterin am Denkmalplatz wird. Gabriele Kulak geht optimistisch ans Werk: „Man muss eine neue Strategie fahren, vielleicht hin zu Dienstleistungen“, sagt sie und hat auch den demografischen Wandel im Blick. Da gelte es zu sondieren, welche Branchen sich ergänzen. Die ehemalige Zahnarztpraxis am Denkmalplatz ist bereits neuen Bedürfnissen angepasst worden, ein Pflegedienst ist dort eingezogen.

Biste bringt sich unterdes ein, wo er gebraucht wird, fährt Baumärkte ab, nimmt Handwerker in Empfang, kontrolliert die Arbeiten: „Man muss sich kümmern“, hofft er auf weiteren Erfolg.