Alsdorf: Das Alsdorfer Jugendamt begleitet 440 Kinder

Alsdorf : Das Alsdorfer Jugendamt begleitet 440 Kinder

Der Bedarf von Familien an Unterstützung ist nach wie vor hoch. 440 Kinder und Jugendliche aus 350 Familien werden derzeit durch das Alsdorfer Jugendamt unterstützt — meist auch deren Eltern.

Dabei reicht das Spektrum von einer Beratung über die Befähigung, einen Haushalt zu führen, bis hin zur Betreuung von Kindern außerhalb des Elternhauses. Stundenweise, übergangsweise oder dauerhaft. Im Jugendhilfeausschuss hat der stellvertretende Amtsleiter Michael Raida einen Überblick über die aktuelle Lage gegeben. Die Fallzahlen bewegen sich im Vergleich zum Frühjahr auf fast gleichbleibend hohem Niveau — es sind „nur“ zehn Fälle hinzugekommen.

74 Pflegekinder zählt das Amt derzeit, 49 sind in Heimen untergebracht. Bislang hat Alsdorf kein eigenes Heim, die nächsten Anlaufstellen sind das Kinderheim St.-Hermann-Josef in Merkstein und das Agnesheim in Stolberg. Aber: An der Eckstraße in Alsdorf können ab Januar bis zu neun Kinder untergebracht werden. Zunächst firmiert die Einrichtung des SkF (Sozialdienst katholischer Frauen) noch als „internationale Gruppe“, denn dahinter verbirgt sich (noch) die Clearingstelle.

Hier kamen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge solange unter, bis ihr Bleiberecht geklärt war. „Derzeit kommen kaum noch neue Flüchtlinge nach, deshalb gehen wir davon aus, dass wir die Clearingstelle über kurz oder lang als solche schließen können“, so Raida. Bislang war die Stelle in der alten Hausmeisterwohnung an der Theodor-Seipp-Straße untergebracht, aber mit dem Abriss des Gymnasiums muss auch dieses Gebäude weichen.

Unterstützung in der Schule

32 junge Flüchtlinge sind in Alsdorf ohne ihre Familien gemeldet, 19 davon leben in Heimen. Tätig wird das Jugendamt beispielsweise auch, wenn ein normaler Schulbesuch kaum möglich ist und ein Begleiter dafür sorgen muss, dass ein Kind den Unterricht nicht permanent stört und diesem auch folgen kann. „Eingliederungshilfen“ heißt das im Amtsdeutsch, davon gibt es derzeit zehn. Drei weitere Kinder oder Jugendliche waren über mehrere Monate der Schule ferngeblieben, so dass hier mit alternativem Unterricht gearbeitet wird.

In elf Fällen zahlt das Jugendamt die OGS-Beiträge, weil Eltern überschuldet sind, eine Nachmittagsbetreuung aber als notwendig angesehen wird. Die Kosten für diese und viele andere Formen der Unterstützung sind nach wie vor hoch, aber — wie Raida ausführte — seit vielen Jahren musste das Amt diesmal keinen höheren Bedarf anmelden.

Prognostiziert sind bis zum Jahresende Aufwendungen in Höhe von rund 9,3 Millionen Euro — allein die Kosten der Heimunterbringung belaufen sich auf mehr als vier Millionen Euro. Dem gegenüber stehen Erträge in Höhe von rund 570.000 Euro. Diese kommen beispielsweise durch Kindergeld oder Bafög zustande, die das Jugendamt einkassieren und verrechnen darf.

Nicht einkalkuliert sind mögliche Mehrkosten, die auf die Stadt Alsdorf zukommen könnten, wenn die Diakonie ihre Einrichtungen, die im Bereich der Jugendhilfe arbeiten, schließt. Wie Manfred Schmidt, Leiter des Referates Jugend, Schulen und Sport, sagte, steht die Stadt mit der Diakonie in Kontakt. Am Zug sei aber zunächst die Diakonie.

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