Herzogenrath: „Christus unser Friede“: Der neue Organist kommt aus Italien

Herzogenrath : „Christus unser Friede“: Der neue Organist kommt aus Italien

Vor den Toren von St. Katharina laufen noch die letzten Kommunionskinder über den Platz, als Ivano Zanzarella im Innern der Kirche versucht, das Schloss des kleinen Tors hoch zur Orgel zu öffnen. Nach ein paar Versuchen hat der Neuankömmling aber auch das Problem gelöst und beginnt sorgfältig, die Orgel für sein Spiel vorzubereiten.

Nein, das sei kein auswendig gelerntes Stück, erklärt er, nachdem er angefangen hat zu spielen: „Ich improvisiere sehr gerne.“

Seit Anfang März lebt der gebürtige Süditaliener jetzt in Kohlscheid und arbeitet dort in der katholischen Gemeinde „Christus unser Friede“ als Organist. Ein Schritt, der auf den ersten Blick erstaunlich wirken mag, der für den 22-jährigen Zanzarella aber eine logische Entscheidung in seiner Karriere war. „Ich bin hierhergekommen, weil ich Erfahrungen sammeln möchte. Musikalische, aber auch zwischenmenschliche.

Ich denke, jedem jungen Menschen tut es gut, mal eine andere Kultur und Weltanschauung zu entdecken“, erklärt er. Bei einem Wettbewerb in Italien lernte er den Kirchenmusiker Giovanni Solinas kennen, der mit Pfarrer Rainer Thoma befreundet ist. Durch Solinas erfuhr er von der freien Stelle in Kohlscheid und beschloss, seinen Wohnsitz zu verlegen.

Seine Liebe zum Orgelspiel entdeckte der aufgeschlossene Zanzarella schon sehr früh. „Ich habe als kleines Kind mit Klavierspielen angefangen. Irgendwann durfte ich dann auch in der Kirche spielen und bin so auf die Orgel gestoßen“, erinnert er sich.

Die Energie und Kraft des Orgelklangs habe ihn damals gepackt. Hinzu kam seine Leidenschaft für Barock- und Kirchenmusik, die er mit diesem Instrument vereinen konnte. Und so verwundert es auch nicht, dass eines seiner Lieblingslieder „Oh Mensch bewein dein Sünde groß“, ein Choral von Bach, ist.

Zanzarella ist zielstrebig, das merkt man nicht nur an seinem außergewöhnlichen Lebenslauf: Vor zwei Jahren schloss er am Konservatorium von Bari, „Niccolò Piccinni“, sein Studium der Orgel und Orgelkomposition ab. Daneben studierte er noch das Cembalo und historische Aufführungspraxis der alten und barocken Musik. „Ich lebe und liebe das Studieren“, schwärmt er. Daher fiel seine Wahl vor drei Jahren noch auf ein Philosophiestudium, das er mit einer Bachelorarbeit über mathematische Philosophie abschloss.

Neben seinen Bildungsstationen kommt sein Ehrgeiz auch beim Erlernen der deutschen Sprache zum Vorschein. Obwohl er erst einen Monat in Deutschland lebt, kann er sich gut verständigen. „Ich habe in Italien versucht, mir selbst Deutsch beizubringen. Jetzt besuche ich hier einen zehnmonatigen Sprachkurs“, führt er aus. Wenn er den geschafft hat, dann dürfe er neben seiner Arbeit als Organist in Deutschland studieren, das sei momentan sein Plan.

Das Orgelspiel mache ihn glücklich, betont der Musiker lächelnd. Wenn er sich eine Orgel aussuchen dürfe, dann würde er gerne mal auf der großen Orgel in Ottobeuren in Bayern spielen. „Die ist aus dem 17. Jahrhundert und ist noch sehr mechanisch“, führt er an, als er ihre Vorteile aufzählt. Das sei wie mit Autos: Alte Autos hätten eine Gangschaltung, mit der man beim Fahren selbst viel mehr machen müsse. Neuere Autos hätten meist eine Automatikschaltung, die einem Arbeit abnehme.

Zwei Stunden täglich übt er mindestens. Neben den Gottesdiensten der Gemeinde „Christus unser Friede“ stehen auch Beerdigungen, Hochzeiten oder Taufen an, die Zanzarella begleitet. Und obwohl er schon auf vielen Konzerten und Gottesdiensten gespielt hat, verfolge ihn seine Nervosität immer noch vor großen Auftritten.

Insgesamt fühle er sich in Aachen und Umgebung aber sehr wohl. Auch, wenn er natürlich Freunde und Familie vermisse. Aber sogar über das Wetter könne er sich mit Blick auf vergangenes Wochenende als Italiener nicht beschweren, fügt er lachend hinzu und schließt behutsam wieder den Deckel der Orgel ab.

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