Würselen: Chefarzt am Rhein-Maas Klinikum: Wie man sich vor Demenz schützen kann

Würselen : Chefarzt am Rhein-Maas Klinikum: Wie man sich vor Demenz schützen kann

„Lohnt“ es sich, bei Gedächtnisstörungen zum Arzt zu gehen? Sind (vermeintliche) Demenzerkrankungen behandelbar? Das sind Fragen, die sich jeder Ältere, manchmal aber auch Jüngere stellt, wenn er bemerkt, dass seine kognitiven Fähigkeiten nachlassen. Die Antwort des Neurologen Prof. Dr. Christoph Kosinski lautet auf beide Fragen klar „Jein“.

Wie bei so vielen nicht eindeutigen Hinweisen auf mögliche Krankheitsbilder kann letztlich eine klare Antwort individuell erst nach einer eingehenden Untersuchung gegeben werden. Im Zweifelsfalle also besser eher einmal mehr zum Arzt gehen, die Einschränkungen nennen und sich untersuchen lassen, als einmal zu wenig — und vor allem zu spät.

Behandelbare Fälle erkennen

Wobei wir bei dem „Jein“ zur Behandelbarkeit von Demenzerkrankungen sind. In der (möglichst früh festgestellten) Anfangsphase ist der Verlauf von tatsächlich festgestellter Demenz eingeschränkt beeinflussbar, sagt Kosinski. „Zeit und Lebensqualität zählen“, sagt der Chefarzt der Klinik für Neurologie am Rhein-Maas Klinikum Würselen (RMK), der beim Forum Medizin zum Thema Demenz referiert, das das RMK und unsere Zeitung mit Unterstützung der Stadt Würselen organisieren.

Es gibt einige Krankheitsbilder, die sich zum Beispiel wie Alzheimer, die größte Gruppe von Demenzerkrankungen, bemerkbar machen können. Dazu gehören (Alters-)Depressionen, Stress, Burn-Out, seelische Belastungen oder Umstellung des Hormonhaushaltes wie in den Wechseljahren. Ursachen für die Beschwerden können Unterfunktion der Schilddrüse oder ein erhöhter Hirndruck sein, wie er im Alter auftreten kann. Oder gar ein Tumor, aber auch Nebenwirkungen von Medikamenten.

Dies alles kann zu Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, der Konzentration und der Orientierung führen oder Schwankungen der Stimmungslage und geistigen Fähigkeiten zur Folge haben — wie Demenz auch.

„Die besondere Herausforderung des Neurologen ist, genau diese noch behandelbaren Fälle herauszufiltern und die passende Behandlung zu ermöglichen“, betont Kosinski. Gemeinsam mit dem Neuropsychologen ordnet der Klinik-Chef in aufwendigen Untersuchungen und Befragungen die Beschwerden ein. Dazu gehören gegebenenfalls bildgebende Verfahren, um Hinweise im Gehirn zu finden.

Im Gehirn von Alzheimer-Kranken sind typische Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques) festzustellen, wie Kosinksi sagt. „Anders ausgedrückt: Eiweißprodukte können nicht hinreichend abgebaut werden.“ Die Folge ist der fortschreitende Untergang von Nervenzellen und -kontakten. Den (Alltags-)Auswirkungen wird mit Medikamenten entgegengewirkt, in der Regel Cholinesterasehemmer.

„Man weiß schon sehr viel über das Krankheitsbild. Aber leider ist in der Regel beim ersten Feststellen schon sehr viel zerstört worden, weil mit der Entwicklung der Krankheit keine warnenden Schmerzen verbunden sind“, bedauert Kosinski.

Vergleichbare Risikofaktoren

Was kann jeder einzelne vorbeugend gegen die Entwicklung von Demenz tun? „Da hat das Denken einen Wandel erfahren“, betont Kosinski. War man in der Medizin früher der Auffassung, dass Traumata Auslöser von Alzheimer sind, haben epidemiologische Untersuchungen den Blick dafür geschärft, dass Risikofaktoren wie bei Schlaganfall und Herzinfarkt eine wichtige Rolle spielen, also Bewegungsmangel, Übergewicht, Diabetes, unzureichende soziale Kontakte und fehlende Herausforderungen des Geistes, letztlich auch Umweltfaktoren.

„Das bietet Ansätze dafür, wie man sich vor Demenz schützen kann“, sagt der Neurologe.

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