Herzogenrath: Bunte Blütennahrung für Biene und Co.

Herzogenrath : Bunte Blütennahrung für Biene und Co.

Das Netzwerk aus Naturschutzverbänden und Initiativen in Herzogenrath arbeitet am Erhalt seiner Insektenvielfalt. Aktive Umwelt- und Naturschutz Organisationen richteten einen Runden Tisch ein „Für Artenvielfalt. Gegen das Insektensterben“ und lobten einen Preis aus.

Energisches Knattern ist an diesem sonnigen Nachmittag auf der Comeniusstraße zu vernehmen. Hinter der dichten Hecke auf der Wiese vor dem Naturfreundehaus herrscht emsiges Treiben. Fünf Männer und eine Gartenfräse sind im Sinne des Naturschutzes im Einsatz: „Wir wollen beispielhaft vorangehen“, verkündet Bruno Barth, Vorsitzender der Merksteiner Naturfreunde, und hält eine Schale voller Samen in der Hand. „Den werden wir hier gleich aufbringen“, erläutert er munter und beobachtet, wie Franz-Josef Emundts, Sprecher der BUND-Kreisgruppe Aachen-Land, den Boden dafür bereitet.

Wildblumen sind nicht nur wunderschön anzuschauen, sondern auch unerlässliche Nahrungsquellen für Hummeln und Bienen: Auch im Garten der Naturfreunde haben (v.l.) Hans Aust, Franz-Josef Emundts, Peter Schad, Bruno Barth und Günter Raad einen Blütenstreifen angelegt. Foto: B. Oprée; Colourbox

Mit vollem Körpereinsatz wuchtet er die wühlende Fräse über den vorgesehenen rund einen Meter breiten Streifen entlang der Hecke. Naturfreunde- und BUND-Mitglied Hans Aust, Günter Raad (BUND) und Peter Schad (BUND und Kleingärtnerverein Kellersberg) zerkleinern derweil die aufgebrochenen Erdbrocken mit Hacke und Schaufel. „Durch die Fräse ist die betreffende Stelle gleich auch von Unkraut befreit“, freut sich Emundts. So dass die feinen Wildblütensamen beste Bedingungen vorfinden.

„Wichtig ist, dass man autochthones, sprich einheimisches Material verwendet“, betont Emundts. Alleine schon, damit es besser keimt. So stammt der Inhalt des Pöttchens, das Bruno Barth wie einen Schatz hütet, „garantiert aus der niederrheinischen Bucht und nicht aus den Alpen oder den Karpaten“, beschreibt Emundts. Solche Samen seien zwar etwas teurer, aber eben auch widerstandsfähiger.

Rund 35 Arten beinhaltet die Samenmischung, die in den kommenden Wochen auf der Naturfreunde-Wiese aufgehen soll. Nachdem sie sorgfältig aufgetragen, ein wenig untergerecht und dann noch gewalzt worden ist. Damit die Vögel nicht sofort alles aufpicken. Denn die Hauptnutznießer der ganzen Aktion sollen (Wild-)bienen, Hummeln, Schwebfliegen, Schmetterlinge und weitere Insekten sein. Blütennahrung ist bekanntlich Mangelware geworden, die Akteure der Naturschutzverbände wollen dem entgegenwirken.

Eigens hat der BUND besagte Fräse angeschafft, und schon diverse private Flächen in der Region, unter anderem in Ritzerfeld oder Mariadorf und beim Kleingartenverein Kellersberg, bienenfreundlich gestaltet.

Zudem haben die in Herzogenrath im Umwelt- und Naturschutz aktiven Organisationen Naturfreunde, BUND, Nabu, AG Wurmtal, Soziokulturelles Zentrum Klösterchen und der Biolandhof Gut Paulinenwäldchen einen Runden Tisch „Für Artenvielfalt. Gegen das Insektensterben“ eingerichtet. Und ganz aktuell einen Preis (etwas Nützliches für den Garten von vorwiegend symbolischem Charakter) ausgelobt: für Privatleute, die ihre (Vor-)gärten ökologisch gestaltet haben, wie Bruno Barth erläutert.

Das könne eine „wilde Ecke“ sein, ein Wildblütenbeet von mindestens zehn Prozent des Gartens, aber auch eine Fassadenbegrünung mit Efeu oder Wildem Wein. Der Garten müsse gar nicht groß sein, es gehe nur um den Vorbildcharakter, „in Zeiten der zunehmenden Zubetonierung von Vorgärten“.

Wer seinen oder einen Nachbargarten nominieren will, kann bis 20. August eine kurze Mail schreiben an bruno.barth@naturfreunde-merkstein.de. Die Preisverleihung ist für Donnerstag, 20. September, 19 Uhr, im Naturfreunde-Haus im Zuge der „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ vorgesehen.

Als weitere Maßnahme zum Insektenerhalt dienen Insektenhotels, die sich leicht mit angebohrten Holzstücken in jedem Garten umsetzen lassen. Und auch die richtige Wahl an Sträuchern kann helfen: der wunderbar duftend blühende Weißdorn etwa, aber auch Faulbaum und Salweide.