Alsdorf: Bürgermeister Sonders: „Schließungen nicht vermeidbar”

Alsdorf: Bürgermeister Sonders: „Schließungen nicht vermeidbar”

Die Schließung der Gerhart-Hauptmann-Hauptschule und der Grundschule Kellersberg wird wohl kaum zu verhindern sein. Wenn der Rat dem Verwaltungsvorschlag zustimmt, werden die rund 300 Hauptschüler und etwa 150 Grundschüler ab dem Schuljahr 2011/2012 in Blumenrath beziehungsweise in der Siedlung Ost zum Unterricht gehen. Mit Bürgermeister Alfred Sonders sprach Holger Bubel über die Notwendigkeit dieser Maßnahme.

Wie geht es Ihnen bei dem Vorschlag, der sich als Konsequenz aus dem Schulentwicklungsplan ergibt?

Sonders: Geschlafen habe ich nicht gut, als mir klar wurde, dass ich Eltern, Kinder und Schulen von den Plänen unterrichten musste. Aber die Schließungen beziehungsweise Verlegungen sind nicht vermeidbar, wenn wir uns für die Zukunft unserer Schullandschaft positionieren wollen.

Es hat heftige Proteste seitens der Betroffenen gegeben. Haben Sie damit gerechnet?

Sonders: Dass Eltern, Schüler und auch Lehrer emotional betroffen sind, kann ich verstehen. Als Vater einer schulpflichtigen Tochter ginge es mir in solch einem Fall ja nicht anders. Aber ich denke, dass es jetzt wichtig ist, den Kindern Mut zu machen und ihnen auch die Vorteile vor Augen zu führen. Denn die Notwendigkeit, ich möchte dies ausdrücklich betonen, lässt keinen anderen Schritt als diesen zu.

Erklären Sie doch einmal in wenigen Worten diese Notwendigkeit.

Sonders: Zwei Dinge sind nicht zu leugnen. Erstens nimmt die Schülerzahl wegen der demografischen Entwicklung stetig ab. Das betrifft nicht nur, aber besonders die Hauptschulen. Denn zweitens beträgt die Übergangsquote der Grundschüler auf die Hauptschulen derzeit nur zwölf Prozent, in wenigen Jahren liegt sie stabil bei lediglich zehn Prozent. Davor darf man nicht die Augen verschließen. Es wäre gegen die Vernunft, bei diesen Voraussetzungen zwei Hauptschulen weiter zu unterhalten. Zumal der Betrieb einer Schule uns alle jährlich über 500000 Euro kostet. Die in Ost geplante Mensa für den Ganztagsbetrieb hätte noch einmal über eine Millionen Euro gekostet. In Blumenrath ist sie bereits vorhanden.

Wenig Trost für die Gerhart-Hauptmann-Hauptschüler und Kellersberger Grundschulkinder.

Sonders: Für den Einzelnen mag das zunächst schmerzlich erscheinen. Aber wir müssen über den Tellerrand hinausblicken. Wir machen das nicht alleine aus Kostengründen, denn diese Maßnahmen eröffnen auch Chancen die Schulen so zu gestalten, dass sie langfristig sicher und gut ausgestattet sind. Aber es ist auch das Geld aller Alsdorfer, das sollte man bei aller emotionalen Anteilnahme nicht vergessen.

Was sagen Sie denn den Eltern und Kindern in Kellersberg?

Sonders: Auch hier verstehe ich den Ärger. Aber diese Schüler wechseln auf eine moderne Schule. Die Gebäude dort, mit Teilen der dann ehemaligen Hauptschule, sind in einem hervorragenden Zustand, mit Küche, Gruppen- und Werkräumen. Es gibt außerdem ein Lehrschwimmbecken und eine neuwertige top ausgestattete Sporthalle. Ich glaube, dass ein etwas weiterer Schulweg als bisher zumutbar ist, ob der zu Fuß oder mit dem Bus zurückgelegt wird. Zumal in Ost eine Ganztagsschule angeboten wird. Eine ortsnahe Beschulung wird auch weiterhin das Ziel sein, aber sie darf nicht an den Realitäten vorbeigehen. Da müssen wir in die Zukunft blicken. Ich wünsche mir, dass Eltern, Lehrer und Schüler, unterstützt von der Verwaltung, jetzt ganz eng zusammenarbeiten, damit wir gemeinsam die neuen Schulen attraktiv machen.

Wird es weitere Schulschließungen geben?

Sonders: Da sehe ich vorerst keine Notwendigkeit. Nach diesen - für einzelne zugegebenermaßen schmerzhaften - Schließungen sind wir schulisch sehr gut aufgestellt. Man bedenke die Vielfalt unseres Angebots mit einem Schulzentrum mit Gymnasium und Realschule, Gesamtschule, einer zweiten Realschule sowie einer Hauptschule in Mariadorf und den Grundschulen, die bis auf Schaufenberg auf den Ganztagsbetrieb ausgerichtet sind. Wenn die noch ausstehenden Sanierungsmaßnahmen, etwa an der Gesamtschule ausgeführt sind, stehen wir hervorragend da.

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