Alsdorf: Bohrziel im Eduardschacht ist erreicht

Alsdorf : Bohrziel im Eduardschacht ist erreicht

Geschafft! Der 153 Meter mächtige Betonpfropfen, mit dem der alte Eduardschacht auf dem Annagelände in Alsdorf nach Ende des Steinkohlebergbaus verschlossen worden war, ist durchbohrt. „Driller“ Dimitri Berger und sein Team feiern das Erreichen des Ziels erleichtert mit einem „klaren Wässerchen“ in der nahen Gastronomie.

Und dass sich dabei der Stuhl unter einem der kräftigen Männer dabei in seine Einzelteile zerlegt, wird mit lautem Hallo quittiert. Besser dieser kleine Zwischenfall, als wenn etwas kurz vor Erreichen des Bohrziels schief gegangen wäre.

Methangas im Blick

„Wir sind gut durchgekommen!“, freut sich besonders Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter. Ist doch das Vorhaben, das durch Erdwärme leicht aufgeheizte Grubenwasser (je tiefer desto höhere Temperaturen) per Sonde energetisch zu nutzen, ein Pilotprojekt, das das Land NRW mit 70 Prozent fördert. Die Gesamtkosten betragen 1,2 Millionen Euro.

Die Bezeichnung lautet „Grubenwasserenergie für das Energeticon“ (GrEEn). Es soll geklärt werden, ob es wirtschaftlich ist, ausgediente Schacht- und Stollensysteme des Steinkohlenbergbaus zur Wärmegewinnung aus Grubenwasser zu erschließen — so etwa auch im Ruhrgebiet. In Alsdorf soll die so gewonnene Energie für die Heizung der ehemaligen Kaue genutzt werden, die unter anderem Teile der Ausstellung sowie die Verwaltung und Seminarräume des Energeticons beherbergt.

Projektleiter Heiner Berlipp beschreibt die besondere Herausforderung, die beim Bohren gerade gemeistert worden ist. Den Endpunkt des Betonpfropfens bildet eine Stahlkonstruktion mit bis zu 70 Zentimeter mächtigen Trägern. Beim Durchbohren wurde ein Träger nur leicht touchiert. Wäre der Bohrkopf direkt auf dem Stahl gelandet, hätte er aufwendig durch eine Stahlfräse ersetzt werden müssen. Glück gehabt.

Gut ging auch das Anbohren des methangashaltigen Hohlraums, der sich noch zwischen Betonpfropfen und Grubenwasserspiegel befindet. Auf den letzten Metern der Bohrstrecke waren deshalb die Arbeiten durch Messungen begleitet worden, um auszuschließen, dass durch Reibungshitze oder Funkenflug beim Durchbruch eine Explosion ausgelöst wird.

Das wäre der Fall gewesen, wenn das Mischungsverhältnis kritisch gewesen wäre. War aber nicht so. Ansonsten hätte das Team durch Zugabe eines speziellen Gemisches (Wasser/Stickstoff) „entschärfend“ eingreifen müssen. Die Arbeit des Bohrteams ist noch nicht beendet. Nun müssen das Bohrgestänge ans Tageslicht geholt und das Bohrloch mit Hüllrohren ausgekleidet werden.

Dann wird die Sonde niedergebracht und die ganze Strecke wieder mit Beton aufgefüllt, damit Methangas nicht unkontrolliert entweichen kann. Mit Blick auf das Gas wird das Hüllrohr zudem bis ins Grubenwasser geführt, damit das Sondensystem mit der zirkulierenden Flüssigkeit, die die Wärme des Grubenwassers ohne Flüssigkeitsaustausch aufnimmt, nicht dem Gasdruck ausgesetzt wird.

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