Herzogenrath/Alsdorf: Blick auf die Zeit, als das Energeticon noch Anna II war

Herzogenrath/Alsdorf : Blick auf die Zeit, als das Energeticon noch Anna II war

Wenn Kumpel ins Erzählen kommen, dann geht es meist um die harte Arbeit, aber auch den tollen Zusammenhalt, der über wie unter Tage zu Zeiten des Steinkohleabbaues in unserer Region an der Tagesordnung war.

Um diese Geschichten und Geschichtchen aus den Schichten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hob der Bergbauverein Grube Adolf vor elf Jahren die Erzählabende in seinem Fördermaschinenhaus in Merkstein aus der Taufe. Und auf den Tag genau elf Jahre nach der Premiere stand wieder ein solcher Abend an.

Das Interesse an der Heimatgeschichte verbindet: (v.l.) Vorsitzender Franz-Josef Küppers vom Bergbaudenkmal Grube Adolf, Dr. Georg Kehren vom Bergbaumuseum Alsdorf, Willi Klaßen, Bildungsbeauftragter in Merkstein, und Harald Richter vom Energeticon in Alsdorf bieten einen abwechslungsreichen Erzählabend im alten Fördermaschinenhaus der Grube Adolf mit seinen starken Exponaten. Foto: Markus Bienwald

„Ich freue mich, dass wir so viele Gäste haben“, begrüßte Vorsitzender Franz-Josef Küppers die vielen Interessenten. Der vereinseigene Bildungsreferent Willi Klaßen machte unter den gut 70 Besuchern den ehemaligen Schachtschmied Josef Fröschen aus, Elektriker Günter Schuhmacher war auch dabei, Reviersteiger Lorenz Ohlenforst und Fahrsteiger Mathias Mund waren ebenso dabei wie der letzte Fahrsteiger von Anna II, Peter Schaffrath.

Und damit war Klaßen mit den Gästen schon mitten im ersten Vortrag angekommen. Denn die Geschichte von Anna II in Alsdorf stand als erstes im Fokus. Die wurde mit den Schächten Wilhelm und Eduard zur eigenständigen Grube, während die Schächte Hermann, Josef, Wilhelm und Franz zur Grube Anna I gehörten.

Anna II durfte von Beginn an auf teils einzigartige Einrichtungen bauen, wie die alte einzylindrische Dampfmaschine. Modernere Gleichstrom-Fördermaschinen folgten erst 1907 und 1911, wobei die östliche Maschine heute noch ein Prunkstück des Energeticon ist.

Während Willi Klaßen die Zeit mit authentischen Fotos, kleinen Einspielfilmen, einem Blick auf das verheerende Unglück vom 21. Oktober 1930 und dem Bau des Fördergerüstes im Zeitraffer vorbeifliegen ließ, war auf den Gesichtern derer, die dort früher ihre Brötchen verdienten manchmal ein warmer Schein zu sehen. Vor allem bei den Filmen, bei denen das typische Glockenläuten der Fahrkörbe zu hören war, zählten die vielen anwesenden Pensionäre gerne mit, um zu hören, welches Signal der Fahrsteiger da gerade abgesetzt hatte.

Aber auch das eindrucksvolle Heulen und Brummen einer Fördermaschine, die teils mit einer 20 Tonnen schweren Ilgnerscheibe als Schwungrad dafür sorgte, dass per Bewegungsenergie immer genügend Kraft für den vollständigen Weg des Förderkorbes in die Grube hinein oder heraus zur Verfügung stand, sorgte für strahlende Gesichter. Die Bilder vom Abriss der oberirdischen Anlagen hingegen sorgten bei manchem alten Bergmann immer noch für die offenkundige Frage, ob das denn wirklich alles nötig war.

Ein beliebter Treffpunkt

„Rückblickend können wir natürlich nicht sagen, ob das wirklich der Notwendigkeit entsprang, beispielsweise das Fördergerüst abzureißen“, kommentierte Willi Klaßen. Doch mit der so genannten „Protego“-Anlage, die dafür sorgt, dass auch die stillgelegten Zechenteile noch kontrolliert ausgasen können, gebe es immerhin einen Hinweis auf den ehemaligen Standort des Eduardschachts.

Dort, wo in Alsdorf Bergbaugeschichte geschrieben wurde, wird aktuell mit dem Energeticon die Geschichte der Energie weitergeschrieben. Harald Richter als Geschäftsführer des auf altem Bergbaugrund entstandenen Mix aus Museum und Energiewerkstatt stellte die beliebte und mit verschiedenen Preisen ausgezeichnete Einrichtung vor.

Mit den Worten von Dr. Georg Kehren vom Alsdorfer Bergbaumuseum, das unweit des Zechengeländes sein derzeitiges Zuhause gefunden hat, endete der Vortragsteil des Abends. Doch am Ende waren es dann im Stimmengewirr der Männer, die einst über und unter Tage in Lohn und Arbeit standen wieder die Historie und die Histörchen, die den Erzählabend zu dem machten, was schon immer seine Intention war: einem Treffpunkt zum Gespräch unter Kumpel über das, was Kumpel bewegte und bewegt.

(mabie)