Baesweiler: „BlechHarmoniker“ aus Köln bei „Kultur nach 8“

Baesweiler: „BlechHarmoniker“ aus Köln bei „Kultur nach 8“

„Kultur nach 8“ bedeutet in der Burg Baesweiler auch immer, das Publikum aktiv einzubinden. Und das war für das mehr als nur lebhafte Quintett der „BlechHarmoniker“ aus Köln nun mal gar kein Problem.

Die fünf Musiker Stephan Dürschmid (Trompete), Roland Kämmerling (Trompete), Ruth Funke (Horn), Bernd Lechtenfeld (Posaune) und Martin Kaiser (Tuba) fanden sich schon 1993 mit der Idee zusammen, verschiedenste Musikstile hemmungslos miteinander zu vermischen und im Rahmen einer Musik-Comedy-Show dem Publikum zu zeigen. So wussten die fünf ausgebildeten Musiker und Schauspieler im Prinzip genau, wie sie die Menschen in der gut gefüllten Burg begeistern können. Im Prinzip deshalb, weil sie anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens kein Problem damit hatten, sich ins klingende Haifischbecken der Zuhörerwünsche zu stürzen.

„Wir haben ja schließlich 20 Jahre geübt“, meinte Ruth Funke, einzige Frau in der Männerriege, „wir können jetzt wirklich alles spielen.“ Zum Beweis brachten die Fünf eine wirklich umwerfende Version vom „Wilhelm Tell“, der in reiner Blechblasbesetzung einen ganz anderen, dennoch temporeichen Reiz auf die Gehörnerven ausübte. Und nicht nur auf die, denn natürlich waren die begeisterten Gäste gerne der vorherigen Aufforderung gefolgt, das Gehörte auch „körperlich mitzuempfinden“, was sie mit Wippen, Klatschen und strahlenden Gesichtern auch taten. Die Tuba war beim „Tell“ übrigens wieder frei, zuvor diente sie auch als Lostrommel für die gesammelten Wünsche.

Viel Slapstick

Denn während die Männer musizierend bis in die letzte Gastreihe in Richtung Theke und auch wieder zurück zogen, warfen die Besucher ihre auf zusammengeknülltem Papier vermerkten Musikwünsche einfach in das Großblasinstrument.

Dabei waren die Wünsche nicht immer so klar definiert wie bei „Drive My Car“ von den Beatles oder dem bestens zum Bühnenoutfit passenden „Pink Panther“ aus der Feder Henry Mancinis. „Blues“ stand nämlich auf einem der kleingeknüllten Papiere zu lesen, was die Fünf aber letztlich gekonnt mit dem „rheinischen Blues“ beantworteten, der unverkennbare Züge eines Karnevalsklassikers eingeatmet hatte und sich am Ende zu einem grandios-schmissigen Finale in Südstaatenmanier entwickelte.

Überhaupt machten die „BlechHarmoniker“ bei ihrem Geburtstagsgastspiel in der Burg Baesweiler nie den Eindruck, sich selbst überlebt zu haben. Ganz im Gegenteil, mit Slapstick brachten sie die Menschen zum Lachen und Mitsingen, indem sie einfach den von Stummfilmen gelernten musikalischen Faktor nutzten, um Lachen zu erzeugen. Live gespielt in Musik und Schauspiel, entfachten die Kölner so ein Feuerwerk der guten Laune, wussten sich im Spiel immer wieder neu zu erfinden und waren dank der genialen Jazzkünste aller Fünf immer in der Lage, auch bekannten Nummern einen neuen Dreh zu entlocken.

So war ab Beginn und bis zum furiosen Ende der Klang- und Spielshow Stimmung pur und nicht bloßes Zuschauen und Zuhören angesagt. Ganz so eben, wie es in der Burg Baesweiler immer gerne gesehen wird, weshalb die Menschen auch nicht mit Applaus, Jubel und Gelächter sparten.

(mabie)