Bildungsgang E-Commerce am Berufskolleg Herzogenrath

Neuer Bildungsgang am Berufskolleg Herzogenrath : E-Commerce: Spannende Jobs im Online-Handel

Plötzlich musste alles sehr schnell gehen, als Anfang des Jahres der Bescheid von der Bezirksregierung in Köln kam.

Gute zehn Monate später kann der Schulleiter des Berufskollegs, Thomas Stephan, einigermaßen entspannt auf den Hauruck-Start des neuen Bildungsgangs zurückblicken. „Wir haben bei den Betrieben in der Region kräftig für den Beruf getrommelt. Innerhalb kürzester Zeit bekamen wir dann immer mehr Anmeldungen“, erinnert er sich. Heute sitzen 30 junge Berufseinsteiger in der Klasse, um sich zu Kaufleuten im E-Commerce ausbilden zu lassen. Vom ehemaligen Hauptschüler über Studienabbrecher und bereits Beruftstätige ist alles dabei.

Vielen ist es mitunter ähnlich ergangen wie Samer Shalhoum: „Wie fast alle kaufe ich oft bei den großen Portalen im Internet ein, und ich habe mich gefragt, wer das eigentlich alles im Hintergrund organisiert. Bei der Recherche bin ich dann auf diesen Bildungsgang gestoßen“, berichtet er. Andere, wie Martina Weber, haben zuvor bereits als Selbstständige einen eigenen Online-Shop betrieben. „Dort habe ich eine zeitlang mein eigenes Modelabel vermarktet und dabei mit verschiedener Software gearbeitet. Irgendwann habe ich mich wegen der rasanten Entwicklungen im Internet dann für eine professionelle Berufsausbildung entschieden“, sagt sie.

Tatsächlich bietet der Handel im Internet nicht nur Zugang zu einem gigantischen Kundenkreis, sondern auch eine völlig andere Verkaufsumgebung mit ihren ganz eigenen Stolpersteinen. „Das Thema Rechtssicherheit ist besonders seit der neuen Datenschutz-Grundverordnung der EU ein großes Thema bei uns“, so Frank Kraehmer, Bildungsgangleiter der E-Commerce-Kaufleute am Berufskolleg. Aber auch der Umgang mit negativen Reaktionen von Kunden auf Bewertungsportalen oder in Sozialen Medien will gelernt sein.

Auch Kraehmer selbst lernt quasi am lebenden Objekt mit den Auszubildenden, welche Fachkenntnisse für einen virtuosen Umgang mit E-Commerce notwendig sind, wie er betont. „Es ist manchmal eine Belastung, wenn sich die Lerninhalte fast jährlich ändern, aber ich bin auch froh, dass ich nicht ein Leben lang doppelte Buchführung unterrichten muss.“ Stattdessen taste er sich mit seinen Auszubildenden gemeinsam in das verwinkelte Gelände des Online-Handels vor, wo Informatik, Wirtschaft und Einzelhandel aufeinander treffen.

So sollen die E-Commerce-Kaufleute an der Schnittstelle zwischen Technik und Verkauf arbeiten, in der Praxis jedoch breitet sich ein weitaus vielseitigeres Betätigungsfeld aus. Naturgemäß sind auch in dem Bildungsgang am Berufskolleg in Herzogenrath die meisten Auszubildenden im Versandhandel mit Rasenmäherrobotern, Teppichen, Haustierzubehör oder Kleidung beschäftigt. Je nach Unternehmen übernehmen sie aber ebenso bereits in angegliederten Bereichen wie dem Rechnungswesen, dem Marketing oder dem Kunden-Support Verantwortung, was vielleicht auch die hohe Motivation erklärt, die bislang alle in der neuen Klasse an den Tag legen.

So ist es etwa bei Markus Niederhöfer, der bei den Stadtwerken Düren den Online-Vertrieb von Gas, Wasser und Strom mit konzipiert. „Bei uns ist der Beriech E-Commerce noch im Aufbau, aber das soll sich in Zukunft ändern und ich arbeite daran aktiv mit“, schildert er. Seine vorherigen Pläne, Mediendesigner zu werden, hat er längst über Bord geworfen und ist bis heute sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. Und so langsam kommen zu den Fallstudien, mit denen Frank Kraehmer die Auszubildenden oft beschäftigt, auch erste spezialisierte Unterrichtsmaterialien dazu. Vor sechs Wochen ist nämlich das erste Schulbuch für angehende E-Commerce-Kaufleute erschienen. Dieses, so ist zu erwarten, dürfte noch durch so manche Hände gehen, denn schon jetzt ist Nachfrage groß in diesem Zukunftsmarkt.

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