Baesweiler: Besondere Patenschaft: Baesweiler Löwe auf bolivianischer Tasche

Baesweiler: Besondere Patenschaft: Baesweiler Löwe auf bolivianischer Tasche

Dass es der Baesweiler Löwe mal bis nach Bolivien bringt, war nicht zu erwarten. Ein Exportschlager ist das Maskottchen ja nicht unbedingt. Und doch tragen es viele Schulkinder in Cochabamba, der viertgrößten Stadt des Landes, auf ihren Rucksäcken.

Das lässt Horst Lerch immer wieder schmunzeln. Die ganze Sache hat er eher zufällig eingefädelt. Denn angefangen hat alles mit einem Patenkind namens Fridda, und zwar vor mehr als zehn Jahren. Damals hat der heute 67-Jährige noch in der Baesweiler Verwaltung gearbeitet, zuletzt war er der Leiter des Rechnungsprüfungsamtes. Ein fröhlicher Mann ist er. Einer, der gern fotografiert hat, wenn Betriebsfeiern, Ausflüge oder Dienstjubiläen anstanden. „Ich hatte meine Kamera eigentlich immer dabei. Da kamen richtig viele Bilder zusammen, ein ganzer Schrank im meinem Büro war am Ende voll“, erinnert er sich.

In seine Sammlung durften die Kollegen immer gern einen Blick werfen, doch dann hatte er eine viel bessere Idee: Aus seinen Fotos hat er Wandkalender gemacht, einen für jedes Büro. Für kleines Geld hat er sie angeboten. „Wer einen wollte, sollte mir fünf Euro geben“, sagt Lerch. Die wollte er für einen guten Zweck nutzen, denn er war auf eine Stiftung gestoßen, die mit Patenschaften Kinder in Bolivien unterstützte. „Ich hab‘ gedacht, dass das ganz gut hinhauen kann, wenn ein paar Kalender weggehen.“ Doch es waren mehr als nur ein paar, nämlich 200 Stück. Auch in den kommenden Jahren legte er nach — und stets war sein Kalender ausverkauft. Zusätzlich erklärten sich viele im Rathaus bereit, sein Anliegen mit einem Euro pro Monat zu unterstützen.

So kam es, dass die Baesweiler Verwaltung zur Patin der kleinen Fridda in Cochabamba wurde. Das Mädchen, damals sieben Jahre alt, ist heute eine junge Frau, die gern Polizistin werden möchte. Derzeit läuft die Aufnahmeprüfung. „Die packt das“, sagt Horst Lerch. „Sie ist ein sehr schlaues Mädchen.“ Zwei Mal hat der vor zwei Jahren pensionierte Baesweiler sie in ihrer Heimat besucht. Seine Reiseberichte und die Bilder, die Friddas Familie in Briefen schickt sind Teil seiner „News“. Alle Neuigkeiten aus Bolivien sammelt er nämlich und macht zwei Mal pro Jahr Flyer daraus, die er an seiner alten Arbeitsstätte verteilt.

So haben die Rathausmitarbeiter miterleben können, wie Fridda aufgewachsen ist. Mittlerweile hat Horst Lerch weitere Kontakte in Cochabamba geknüpft. „Die Not dort ist sehr groß. Vielen fehlt es am Nötigsten. Ein Bett, ein Schrank, Strom und Wasser — das ist für manchen purer Luxus.“ Wenn er kann, dann hilft er. „Aber ich möchte eher Hilfe zur Selbsthilfe geben.“ So hat er einer Familie eine Nähmaschine gekauft, damit sie Dinge herstellen und zum Verkauf anbieten kann. Und da kam er ins Spiel, der Baesweiler Löwe. Einen Aufkleber mit dem Logo der Stadt hatte Lerch nämlich als kleine Aufmerksamkeit einem Brief an die bolivianische Näherfamilie beigelegt. Und sehr gestaunt hat er, als nach ein paar Wochen ein Brief von dort zurückkam. Mit dem Foto einer Schulklasse darin. Alle Kinder mit genähten Taschen, auf die der lachende Löwe gedruckt war. „Die haben den Aufkleber doch glatt als Vorlage benutzt — da war ich platt!“ Ein Zeichen der Dankbarkeit, das ihn umgehauen hat.

Wenn es klappt, hofft er, Fridda irgendwann dort begrüßen können, wo der Löwen-Aufkleber herkommt. „Es wird doch Zeit, dass Fridda das Baesweiler Rathaus und ihre vielen Paten einmal persönlich kennenlernt.“

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