Alsdorf: Bergbaurelikt soll zur Disko werden

Alsdorf: Bergbaurelikt soll zur Disko werden

Wenn früher gestandene Männer die Oberfläche der „Stadt voller Energie“ hinter sich ließen, um Stunden später mit blinzelnden Augen wieder die frische Luft einzusaugen, ging es um Maloche.

Wenn vielleicht schon ab Sommer hier junge Menschen die alte Unterstation (diente im Bergbau der Energieversorgung) durch eine bergab führende Rampe entern, um Stunden später wahrscheinlich noch im Dunkeln wieder herauszufinden, geht es um Spaß. Den soll das neue Kulturzentrum in direkter Nähe zum Busbahnhof am Annapark bringen. Denn künftig wird dort nicht nur ein „café-ähnlicher Tagesbetrieb“, wie Bürgermeister Alfred Sonders es formulierte, entstehen, sondern vor allem soll dort auch das Nachtleben pulsieren.

Vom Zweckbau aus Zeiten des Steinkohlebergbaus zum modernen „Tanztempel“: Die beeindruckende Innenarchitektur (Bild oben) der Unterstation gegenüber dem Haltepunkt der Euregiobahn in Alsdorf-Mitte wird erhalten bleiben. Bis dahin haben Architekt Hans-Willi Mertens (unten links) und die Handwerker noch einiges zu tun. Der Zugang erfolgt über eine Rampe via Untergeschoss (unten rechts). Fotos (3): Markus Bienwald Foto: Markus Bienwald

„Die Disco wird mitten in der Stadt sein“, freut sich Architekt Hans-Willi Mertens, denn vergleichbare Einrichtungen zum Abtanzen würden aktuell eher auf der grünen Wiese und dann meist nach „Schema F“ gebaut. Derzeit laufen die Umbauarbeiten in den historischen Mauern auf Hochtouren, und jetzt nutzten die Jusos aus Alsdorf die Chance, einmal hinter die Kulissen des kommenden Tanztempels zu schauen.

Vom Zweckbau aus Zeiten des Steinkohlebergbaus zum modernen „Tanztempel“: Die beeindruckende Innenarchitektur (Bild oben) der Unterstation gegenüber dem Haltepunkt der Euregiobahn in Alsdorf-Mitte wird erhalten bleiben. Bis dahin haben Architekt Hans-Willi Mertens (unten links) und die Handwerker noch einiges zu tun. Der Zugang erfolgt über eine Rampe via Untergeschoss (unten rechts). Fotos (3): Markus Bienwald Foto: Markus Bienwald

Roh sieht es dort aus, es ist staubig, hier und da finden sich Reste von Brotzeitverpackungen, die von Arbeitern hinterlassen werden. An eins haben die fleißigen Handwerker schon gedacht: Nach der zusätzlichen Investition von einem Euro blinkt schon jetzt eine Mini-Spiegelkugel von der metallenen Empore.

„Kachelcharakteristik“ erhalten

Nach Arbeit wird es später auch im fertigen Zustand aussehen, wie Architekt Hans-Willi Mertens betont. „Wir wollen den grundsätzlichen Charakter des Gebäudes erhalten“, sagt er bei der Stippvisite. So werden beispielsweise die Wände mit den teils abgefallenen Kacheln nicht von der Keramik befreit. „Wir sorgen mit einem speziellen Putz dafür, dass die Kachelcharakteristik erhalten bleibt, ohne im Betrieb für herunterfallende Elemente zu sorgen“, so Mertens weiter.

Wer in der Halle nach oben schaut, erkennt nicht nur die einzigartige Industriearchitektur mit dem Oberlicht, das später den Tanzenden den Schwof unterm Sternenhimmel ermöglicht. Dort wird auch die sichtbare Technik für Licht und Klang oder auch Klima sichtbar angebracht, um den industriellen Charakter zu wahren. Direkt über den Tanzenden wird der alte Lastenkran zum mobilen DJ-Pult ausgebaut. „Über eine Wendeltreppe, von der es früher über das Fundament der Maschinen nach oben ging, wird es einen Zugang zum DJ-Pult geben“, weiß Mertens.

Das Pult hängt an den Quertraversen und wird als besonderer Gag auch seine Fahrbarkeit über die Schienenführungen des Krans behalten. „Dann kann der Discjockey beispielsweise die als Lounge gedachte Empore anfahren und Musikwünsche entgegennehmen“, ist Mertens sicher. 600 Tanzende auf der großen unteren Ebene, soll die mit rund 420 Quadratmeter Nutzfläche ausgestattete Diskothek aufnehmen. Ein großer Barbereich an der hinteren Stirnwand, eine metallene Treppe zum Sehen und Gesehen-Werden an der anderen Seite und zwei kleinere Bars an den langen Mauern des Baus ergänzen die Funktionalität dieser Ebene.

„Den Zugang zum Haus konnten wir auch aus Schallschutzgründen nur vom Keller aus gewähren“, so Mertens weiter. Denn die Rundbogenfenster bleiben erhalten, lassen sich nicht öffnen, bekommen aber schallgedämmte Vorsätze. Rein und raus in die Disco geht es im Normalfall nur über eine Rampe, die von außen in den Keller führt. Dort werden sich Garderobe und Toiletten, sowie etwas für den Hunger nach dem Tanz finden. Über die zentrale Treppe geht es dann hoch zum Tanzvergnügen oder noch höher zum Loungebereich, der einen einmaligen Blick in die Disco im historischen Gemäuer bietet.

Draußen hört der Spaß nicht auf: Nicht etwa auf den 80 Parkplätzen, die in Sachen Schallschutz durch wieder abziehende Besucher eine Herausforderung darstellen. Dort wird es — bald auch ohne den Blick auf die jetzigen Schuttberge der ehemaligen Fundamente für die früher im Haus untergebrachten Ausrüstung — von einer Terrasse aus bei schönem Wetter eine Möglichkeit zur Rast geben. Wenn der letzte Ton sonntags gegen 7 Uhr in der Disco verklungen ist, sollen sich draußen im Kulturzentrum Menschen der Nacht und Menschen des Morgens begegnen, um vielleicht auf dieser Terrasse blinzelnde Blicke auszutauschen.

Mehr von Aachener Nachrichten