Würselen: Beikircher fesselt sein Würselener Publikum

Würselen: Beikircher fesselt sein Würselener Publikum

Er saß auf der Bühne und machte Kabarett: Konrad Beikircher begeisterte im Alten Rathaus sein Publikum mit seinem Programm „Als Strohhalme noch aus Stroh waren“. Er erzählte aus seiner Kindheit in Südtirol. Erzählte von seinen glücklichen Tagen.

„Ich bin nie verprügelt worden. Nie missbraucht. Meine Kindheit war wirklich glücklich“, sagte der Vater von fünf Kindern, der am 19. Oktober 1965 um 16.04 Uhr im Bonner Hauptbahnhof ankam und seither Rheinländer ist, wie er zu sagen pflegt. Beikircher erzählte von einer Zeit, als das Wünschen noch geholfen habe und als Strohhalme noch aus Stroh waren.

Damals wussten die Kinder vom Stegener Weg in Bruneck, was sie mit diesen richtigen Strohhalmen — „Mit denen selbst koffeinhaltige Getränke gut schmeckten“ — anstellen konnten und gingen auf die Suche nach Rinderbremsen, um mit ihnen Formel-1-Rennen zu veranstalten. Der kleine Konrad mittendrin.

In seinem Buch herausgekommen ist eine Sprache, die fesselte. Die zu keiner Zeit die Zeit lang werden ließ an diesem Abend im Alten Rathaus. Da waren die Rinderbremsen. „Was für ein Vergnügen, sie beim Anflug zu beobachten, die Spannung, sie auf dem Arm landen zu lassen und dabei den anderen schon zum Schlag anzuspannen, die Lust, mit der flachen Hand, kurz bevor das Viech einem die Stechborsten in die Haut bohren will, darauf zu hauen und dabei darauf zu achten, dass sie nicht direkt zu Tode kartäscht wird, sondern dass sie das Ganze noch erlebt, der Triumph.“

Voller Saal

Konrad Beikircher fesselte das Publikum. Scheinbar leicht. Dabei war es im Saal vor der Bühne richtig voll. Weil Beikircher zur ursprünglich für den 30. November 2012 geplanten Veranstaltung nicht gekommen war, schienen einige Eintrittskarten doppelt verkauft. Er fing es auf. Gekonnt.

In der Pause signierte der freudestrahlende Südtiroler Bücher. „Ich bin gerne in Würselen“, sagte er. Da müsste er nicht erst eine Stunde arbeiten, bis der Humor den Zuschauerraum erreiche. „Da bin ich mit sehr viel Freude dabei.“

Das war zu spüren. Der Kabarettist, Komponist, Radio- und Fernsehmoderator, Buchautor, Autor für Kabarett-Kollegen, Sprecher von Hörbüchern, Verfasser von Kinderliteratur und Hörspielen, Komponisten-Porträtist, Opernlibrettist, Moderator von Klassikkonzerten und natürlich Musiker erzählte im Alten Rathaus von seiner Kindheit.

Von seinem Papa und seiner Mama. Von seinen beiden Brüdern. Von seinen Freunden. Und kurz erzählte er auch über die Deutschen, die im Feinripp und mit kurzen Hosen über den Brenner nach Tirol kamen. Da war wieder das Erfolgskonzept von Konrad Beikircher: Seine genauen Beobachtungen und das Schmunzeln des Publikums gepaart mit der Einsicht: „Das kenne ich.“