Würselen: Bei Flüchtlingsintegration in Würselen Kräfte bündeln

Würselen : Bei Flüchtlingsintegration in Würselen Kräfte bündeln

Kräfte bündeln und prüfen, was in Sachen „Integration von Flüchtlingen“ noch getan werden kann: Das war der Ansatz, unter dem sich jetzt Ehrenamtler, Politiker und beteiligte Institutionen in Würselen getroffen haben.

Eingeladen hatte der „Förderkreis Asyl Würselen“ unter Vorsitz von Jürgen Hohlfeld. Dabei wurde schnell deutlich: Die Ehrenamtler des Förderkreises fühlen sich bei der Betreuung der Flüchtlinge oft allein gelassen und übernehmen Aufgaben, die ihrer Meinung nach eigentlich die Stadt erledigen sollte. Andererseits zeigte sich aber auch, dass es bereits eine ganz Reihe von Institutionen und Einrichtungen gibt, die sich in Würselen um die Belange der Neuankömmlinge verdient machen.

Die „Integrationsagentur Würselen“ beispielsweise: Sie will mit ihrem Programm „Türöffner“ allen Kindern und Familien aus anderen Ländern gerechte Chancen ermöglichen und bietet in diesem Sinne ein Angebot von Bildung und Beratung bis hin zum interkulturellen Austausch.

„Damit Herkunft nicht die Zukunft bestimmt“, ist laut Pelin Yigit, Türöffner, der Leitsatz, der ihre Arbeit prägt. Und das „Kommunale Integrationszentrum“ der Städteregion bietet gemäß dessen Vertreter Timur Bozkir auf Anfrage ganz konkrete Hilfestellungen vor Ort. Die anzufordern, will sich der Würselener Förderkreis jetzt konkret zum Ziel machen.

Mit der Formulierung konkreter Wünsche taten sich die Anwesenden dagegen noch schwer. Wichtig sei vor allem, dass Integration als Aufgabe der gesamten Gesellschaft verstanden werde, und nicht nur als die einzelner Bürger, die sich im Ehrenamt engagierten, betonte Jürgen Hohlfeld. Dass man die Flüchtlinge, gerade auch die, die nur den Status einer Duldung hätten, nicht alleine lassen dürfe, darüber waren sich alle einig.

Ein junger Kurde aus Syrien erzählte von seinen Erfahrungen in Deutschland. „Wir haben zu viele Probleme im Herzen“, sagte er mit Blick auf die aktuelle Situation in seiner Heimatstadt Afrin in Nordsyrien. „Ich kann nicht zurück“, meinte er, „ich will mir in Deutschland ein neues Leben aufbauen und muss bei Null anfangen.“ Er zeigte sich dankbar für die Unterstützung, die er dabei bislang erfahren hat.Interkulturelle Begegnungsorte hält auch er für extrem wichtig.

Denn Deutsch könne nur der lernen, der auch die Möglichkeit bekomme, die Sprache zu sprechen. „Für unsere Zunge ist Deutsch sehr schwierig“, betonte er noch. Der „Arbeitskreis Asyl Würselen“ bietet in der Kaiserstraße 118 eine solche Begegnungsstätte. Hier geben die Ehrenamtler Deutschunterricht und tauschen sich mit den Flüchtlingen aus.

„Unsere Räume sind aber viel zu klein, um Begegnungen in größerem Stil realisieren zu können“, meinte Hohlfeld. Alle vierzehn Tage gebe es sonntags bei der „Tafel“ ein interkulturelles Sprachencafé, das allerdings von Deutschen kaum besucht werde. Treffpunkte schaffen und für einen Austausch in den Quartieren zu sorgen, hält auch Saskia Wilm, „Kommunales Integrationszentrum“ der Stadtregion, für essentiell wichtig.

Vor Ort funktioniere die Integrationsarbeit erfahrungsgemäß immer am besten. Ob es darüber hinaus sinnvoll wäre, ein großes Begegnungszentrum beispielsweise in Aachen einzurichten, darüber wollten sich die Anwesenden noch keine ernsthafte Gedanken machen. Jetzt soll es erst einmal darum gehen, die Kommunikation der bereits bestehenden Angebote untereinander zu verbessern und auch gazr offiziell eine Verbindung mit dem „Kommunalen Integrationszentrum“ der Städteregion aufzunehmen. Denn das biete auch finanzielle Unterstützung, so Timur Bozkir.

Austausch mit der Politik

Außerdem wollen alle Beteiligten im Austausch mit der Politik bleiben. SPD und Grüne waren der Einladung zum Gespräch gefolgt, CDU und FDP dagegen waren trotz expliziter Einladung nicht vertreten. Dabei sollte der Abend laut Jürgen Hohlfeld vor allem auch ein Signal an die Politik sein, um dem Thema „Integration von Flüchtlingen“ im Rat der Stadt den Stellenwert zu geben, den es schließlich verdiene.

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