Herzogenrath: Beeindruckende Feierstunde am neugestalteten Ehrenflur

Herzogenrath: Beeindruckende Feierstunde am neugestalteten Ehrenflur

Hubert Wamper erzählt mit Bedacht. Von jedem Menschen, an dessen Schicksal der Ehrenflur erinnert. Wamper gibt ihnen an diesem sonnendurchfluteten Morgen ihre Geschichte und ein Gesicht. Geschichten, die wohl kaum bekannt waren. Aber jetzt sind sie es. Dank der Menschen, die dem Arbeitskreis „Wege gegen das Vergessen“ angehören.

Sie waren es initiativ, die sich dem Ehrenflur gewidmet haben. Am Morgen des Totensonntags wurde der restaurierte Teil des Kohlscheider Ostfriedhofes eingeweiht und gesegnet. Hubert Wamper, Mitarbeiter des Arbeitskreises, hatte sich des Projekts federführend angenommen. 1963 hatte man die Begräbnisstätte zum Ehrenflur erhoben. Doch dieser Teil des Friedhofes war in die Jahre gekommen.

Der Stadt Herzogenrath sowie dem Arbeitskreis und Firmen sowie Privatpersonen lag das Projekt sehr am Herzen. Allen dankte Hubert Wamper nochmals. Um sich dann den „Kohlscheider Bürgern zuzuwenden, die sich aus unterschiedlichsten Motiven dem nationalsozialistischen Terrorregime widersetzten“. Er führte den Teilnehmern an der Feierstunde „ihre Lebenswege vor Augen“. Hubert Wamper schloss mit den Worten: „Nicht der Bekanntheitsgrad von Widerstandskämpfern ist entscheidend für ihr Wirken“. Er stellte vielmehr heraus, „maßgeblich sind die Beweggründe, die sie an Ort und Stelle veranlasst haben, gefahrvoll, moralisch gerechtfertigt und vorbildlich zu handeln“. Ein Gedicht von Günter Eich sprach im Anschluss Sophie Sequeira. „Wacht auf, denn Eure Träume sind schlecht. Bleibt wach, weil das Entsetzliche näher kommt“. Worte, bei denen die Zuhörer noch weiter in sich gingen vermittelte die Leserin Sophie Sequeira.

Nach den Grußworten, die Herzogenraths Bürgermeister Christoph von den Driesch und Toni Ameis vom Heimatverein Kohlscheid vortrugen, wendete sich Pastoralreferent Mijo Repar („Wir brauchen diesen Ort als Ort der Mahnung“) an die Gemeinschaft. Dies tat er in einer Weise, die sehr aufwühlte. Vor allem dann, als Repar den Brief eines Vaters an seine fünf Kinder in Teilen verlas. Einen Brief an den ältesten Sohn Klaus, der mit großer Hinwendung geschrieben wurde und bei dessen Verfasser es sich letztlich um einen grausamen Befehlshaber des KZ Ausschwitz handelte.

Mit Gebeten und der Segnung der Gedenksteine schloss Pfarrer Michael Datené die schlichte und sehr würdevoll abgelaufene Einweihung, an der auch die beiden Schüler Roman Helzle und Lars Koch (beide Trompete) als Musiker großen Anteil hatten.

(mas)