Herzogenrath/Würselen: Baubeginn an der L223: Als Erstes werden die Leitungen gesucht

Herzogenrath/Würselen : Baubeginn an der L223: Als Erstes werden die Leitungen gesucht

Die Bauvorbereitungen haben begonnen, pünktlich am frühen Dienstagmorgen sind die längst bereitstehenden Absperrgitter aufgebaut und — die Pfingstferien nutzend — das zum Schulzentrum führende Teilstück der Bardenberger Straße gesperrt worden. Um ungestört so genannte Suchschachtungen anzulegen.

„Wir haben zwar Pläne“, erläutert Arnd Meyer, Projektleiter Bau der Regionalniederlassung Ville-Eifel des Landesbetriebs Straßen.NRW im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch wie tief die Leitungen für Telefon, Gas, Wasser und Strom unter der Erde verlaufen, gilt es dennoch zu kontrollieren. Was den Bauablauf stören würde, muss erst tiefer gelegt werden, bevor es richtig losgehen kann. „Alles das wird im Moment sondiert“, sagt Meyer. Durch Mitarbeiter der Kölner Strabag AG, die vor wenigen Tagen erst den Zuschlag für die Großbaustelle bekommen hat. Einen genauen Bauablaufplan kann es folglich erst geben, wenn die Leitungssuche beendet ist. Nur der grobe Zeitrahmen stehe bislang fest, wozu auch die Nutzung von Ferienzeiten gehöre, „das ist vertraglich festgelegt“.

Paketdienst, Zulieferer, Anlieger: In der Dorfstraße wird es streckenweise eng und unübersichtlich. Heinz Viehoff (r.) und Harald Goebbels können sich nicht vorstellen, dass hier auch noch die Linie 21 durchfährt. Foto: Beatrix Oprée

Insgesamt vier den Verkehrsstrom begünstigende Kreisverkehrplätze werden neu gebaut, zudem die Trasse so verlegt, dass es keine direkten Anbindungen bebauter Grundstücke und landwirtschaftlicher Flächen sowie Wirtschaftswegeinmündungen mehr gibt. Auf Höhe von Niederbardenberg und Birk werden an den entsprechenden Verschwenkungen weg von der Wohnbebauung zusätzlich (Lärm-)Schutzwälle errichtet. Und ein neuer Radweg wird in ausreichender Breite und mit der notwendigen Beleuchtung angelegt. Der „Altbestand“ der Landesstraße soll in Teilbereichen zurückgebaut und zu Anliegerstraßen respektive Rad-, Geh- und Wirtschaftswegen umgewidmet werden, wie Straßen.NRW darlegt. Auch werden rund 100 Meter Kleintiertunnel geschaffen. Damit die zu schützenden Kleintiere diese auch finden, sind „Leiteinrichtungen“ über eine Gesamtlänge von 2400 Metern vorgesehen.

Grundsätzlich, so Straßen.NRW, sei für den Durchgangsverkehr während der gesamten Bauzeit von gut anderthalb Jahren eine Vollsperrung der L223 vorgesehen. Entsprechende Umleitungsempfehlungen umfassen auch die Autobahnen 4 und 44.

Mit etwas Verspätung soll nun Anfang Juni der Hauptausbauabschnitt 1 mit dem Bau von Kreisverkehrplätzen am Schulzentrum sowie an der Einmündung K1, Kamper Gracht, beginnen. Letzterer firmiert in den Plänen als „Niederbardenberg I“. Dies ist mit der Vollsperrung der K1 verbunden, die die Städteregion ihrerseits nutzt, um die auf der Kreisstraße nötigen Fahrbahnsanierungsarbeiten vorzunehmen.

Die Abbindung der K 1 hat Umleitungen und außerhalb der Ferien auch Verstärkerfahrten im Schülerverkehr in beide Richtungen über die Dorf- und die Niederbardenberger Straße sowie die Jüderstraße zur Folge.

Protest aus Würselen

Und genau das hat jetzt erneut den Bardenberger SPD-Stadtverordneten Heinz Viehoff auf den Plan gerufen: Nach der Lektüre unserer Zeitung, in der die Umleitungsstrecken der Aseag dargestellt worden waren, hat er sich an Würselens Bürgermeister Arno Nelles gewandt und moniert: Die aufgezählten Straßen seien verkehrsberuhigte Straßen, Höchstgeschwindigkeit 7 km/h, teils ohne Bürgersteig und deswegen als Umleitungsstrecke für eine Buslinie ungeeignet.

Beim ergänzenden Ortstermin mit unserer Zeitung weisen Viehoff und SPD-Ortsvereinsmitglied Harald Goebbels zudem auf den ohnehin schon starken Verkehr vor allem auf der Dorfstraße hin: „Unmöglich, dass hier auch noch ein Bus durchfahren soll!“ Und wer zahle, falls es zu Folgeschäden kommen sollte? Die Straße sei einst nämlich von den Anwohnern „mit viel Geld“ gemäß Kommunalabgabengesetz mit bezahlt worden ...

„Circa sechs Wochen“

Viehoffs Anfrage an den Bürgermeister ist bereits beantwortet worden: Unter dem Hinweis, dass es sich — wie der Zeitung zu entnehmen gewesen sei — um eine rund sechswöchige Sperrung zwecks Baus eines Kreisverkehrs an der K 1 handelt, sei die Umleitung der Aseag-Busse durch die vorgenannten Straßenzüge „notwendig und alternativlos“, heißt es aus dem zuständigen Ordnungsamt. „Andernfalls wäre der Ortsteil Bardenberg für einen Zeitraum von circa sechs Wochen gänzlich vom ÖPNV abgebunden.“ Es habe die Möglichkeit bestanden, die Busse entweder über die Dorf- und die Niederbardenberger Straße oder über Grindel- und Kirchenstraße umzuleiten. Wegen der Anbindung an das „stark frequentierte“ Krankenhaus in Bardenberg einerseits sowie der Straßen- und Verkehrsverhältnisse in der Grindelstraße (teils zu unübersichtlich und zu eng, zu viele Halteverbote hätten ausgewiesen werden müssen) habe man sich in enger Absprache mit Straßen.NRW und der Aseag für erstere Variante — Dorf- und Niederbardenberger Straße — entschieden.

Bei einem Ortstermin mit der Aseag seien die nötigen Maßnahmen (Einrichtung temporärer Haltestellen, unter anderem Verlegung „Bardenberg Krankenhaus“ zur Dorfstraße, Aufhebung „Wilhelmstein“ und „Kamper Gracht“, Haltverbote sowie Verlegung eines Schwerbehindertenparkplatzes) besprochen und dem Landesbetrieb zur Umsetzung aufgetragen worden. Kosten würden so für die Stadt nicht anfallen.

Zufrieden sind Viehoff und Goebbels damit nicht. Warum dies im Vorfeld nicht auch der Würselener Lokalpolitik vorgetragen worden sei, vermissen sie die nötige Transparenz. Und werden ab Juni genau beobachten, was sich so alles tut im Nadelöhr Dorfstraße.

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