Baesweiler Szenen: Vor 50 Jahren den letzten Koks gelöscht

Baesweiler Szenen : Vor 50 Jahren den letzten Koks gelöscht

Das kennt jeder: Gesucht wird etwas ganz Bestimmtes, was sich aber angesichts der puren Masse des Aufbewahrten als schwierig erweist. Aber auf dem Weg zum Ziel finden sich viele andere interessante Dinge.

Das gilt auch für Fotos. Unser langjähriger Mitarbeiter Wolfgang Sevenich, gerne als das „Auge des Nordkreises“ (ehemals in Bergbauzeiten Wurmrevier genannt) verfügt über ein riesiges Fotoarchiv. Jetzt sind ihm interessante „Baesweiler Szenen“ in die Hände gefallen: Fotodokumente über den letzten Koks, der in der Baesweiler Kokerei erzeugt wurde.

Im April 1969 wurde die Kokerei auf der Zeche Carl-Alexander stillgelegt.

Der Grund: „Nach all den Jahren, in denen Koks produziert wurde, war sie nicht mehr betriebssicher, eine Renovierung der Koksöfen schied wegen der schlechten Absatzlage aus“, ist in einer Publikation des Grube Anna Bergbauinformationszentrums in Alsdorf nachzulesen.

Verbund mit Emil Mayrisch

Dort heißt es weiter: „Probleme hatten sich schon vorher abgezeichnet. Zu Beginn der 1960er Jahre bekam die Gewerkschaft Carl-Alexander extreme Absatzschwierigkeiten, die im Oktober 1964 fast zur Stilllegung der Grube führten. Ursache hierfür war, dass die Röchling’schen Eisenwerke nur noch rund 20 Prozent der Jahresförderung abnahmen.

Zum Abschluss gab es von der Crew noch ein Erinnerungsfoto. Foto: Wolfgang Sevenich

Auch die Lieferungen nach Frankreich wurden eingestellt, obwohl sich der französische Staat seinerzeit zur Abnahme von 30 Prozent der Förderung vertraglich verpflichtete.

Eine Erweiterung der Absatzmärkte und Maßnahmen zur Rationalisierung wurden nicht gefunden.

Unerwartet übernahm der Eschweiler-Bergwerks-Verein (EBV) Carl-Alexander zum 1. Januar 1965 und konnte noch 1964 die Stilllegungsanmeldung zurücknehmen. Der EBV erhoffte sich damit eine weitere Konkurrenzfähigkeit im Bereich der Kokskohle zu sichern. Ebenso wurden die Felder Carl-Alexanders natürlich gerne angenommen, da sie die Kohlereserven des EBV erheblich vergrößerten.

Als weiteres Ziel versuchte der EBV offensichtlich, die durch die Krise verunsicherten Bergleute der Region zu besänftigen. Man wollte ihnen gegenüber das Vertrauen in das Aachener Kohlerevier zurückgeben, indem man die 3000 Arbeitsplätze der Bergleute auf Carl-Alexander sicherte. Carl-Alexander war die letzte Grube, die der EBV in sein Imperium aufnehmen konnte.“

1969 dann das besagte Aus für die Kokerei. Und weiter laut Alsdorfer Dokumenttationszentrum: „Im Jahre 1970 wurde damit begonnen, eine Verbindung zwischen den Gruben Carl-Alexander und Emil-Mayrisch in Aldenhoven-Siersdorf zu errichten. Dazu wurde die 610-Meter-Sohle Carl-Alexanders mit der 860-Meter-Sohle Emil-Mayrischs über einen Blindschacht verbunden, den die Thyssen Schachtbau in den Jahren 1974 und 1975 abteufte.

Dieser Verbund mit Emil Mayrisch bedeutete das Ende der Förderung auf ,Carl-Alex’“.

(-ks-)