Serie: Der Heimat auf der Spur. Wanderung durch den CAP.

Serie: Der Heimat auf der Spur (Teil 1) : Die Kondition hat noch Luft nach oben

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Diesem Hinweis folgend, geht es heute in den Carl-Alexander-Park (CAP) Baesweiler. Ein großer Lageplan mit dem Titel „Zukunft hat einen Standort“ bietet Orientierung.

Um herauszufinden, wie viel Luft die eigene Kondition noch nach oben lässt, ist die Himmelsstiege die richtige Teststrecke. Steil geht es vom Roten Haus aus bergauf. Die letzte Chance, den guten Vorsatz in einem kühlenden Getränk im dort gerade wieder geöffneten Café zu versenken, wird vertan.

Eine immer enger um den Kopf kreisende Bremse verfolgt beim Aufstieg mit wachsendem Interesse den Verlauf der Schweißperlen am Kopf ihres potenziellen Opfers. Schwer hallt der Schritt auf den Metallstufen, nur kurz unterbrochen vom schnellen Tack-Tack-Tack einer Joggerin, die mühelos an der „Gipfelschnecke“ vorbeizieht und behende um die nächste Biegung verschwindet. Aber der Bergsteiger lässt sich durch diesen Demotivationsschub nicht beirren, hat er doch noch viel vor.

Nach Erklimmen des Plateaus soll es weiter die Hangstiege und den geschwungenen Bergpfad wieder hinab und von dort aus auf den rund 3,4 Kilometer langen Haldenrundweg gehen – so weit die Füße tragen mögen. Da ist es angesagt, den anstrengensten Teil, das Entern der alten Bergehalde der Zeche Carl-Alexander, direkt am Anfang hinter sich zu bringen.

Anstrengung wird belohnt

Der Carl-Alexander-Park: Für einen Spaziergang oder eine kleine Wanderung viel Gelegenheit. Foto: ZVA/Grafik

Der harte Aufstieg wird mit einem tollen Rundblick belohnt. Übach-Palenberg ist nahe gerückt. Herzogenrath und Alsdorf grüßen von unten, Baesweiler sowieso. Nachdem das Pfeifen der Lunge verklungen ist, sind muntere Vögel im Gehölz zu hören. Am Fuß eines Fernrohrs liegt ein gut erhaltener Bierdeckel. Der Filzrundling ist mit einem verheißungsvollen Motiv bedruckt – und den Lettern „500 Jahre Deutsches Reinheitsgebot“. Aber eine Zapfanlage ist nach Überwinden von 80 Höhenmetern als Belohnung nicht zu sehen. An Wochenenden, wenn hier viel los ist, würde sich zumindest eine mobile Eisdiele rechnen. Ob dieser Gedanken klebt die Zunge nun doppelt schwer am Gaumen.

Beim Abstieg werden die Stoßdämpfer namens Knie arg gefordert. Aber es geht ohne weiteren Ölverlust weiter, so dass sogar die lästige Bremse ihr Interesse verliert. Mountainbiker haben heftige Bremsspuren hinterlassen. Graues Bergmaterial lugt unter dem Bewuchs hervor. Grün hat wieder die Herrschaft über die Fläche übernommen, wo einst auf rund 80 Hektar die Zeche Carl-Alexander betrieben wurde. Der Haldenkörper ist heute die einzige größere zusammenhängende Waldfläche im Stadtgebiet, heißt es.

Die Wege im CAP sind gut ausgeschildert, verlaufen muss sich niemand. Foto: Karl Stüber

Wieder nahe dem Roten Haus angekommen, zeugt ein Aushang von regelmäßigen sportlichen Aktivitäten. Der Verein Baesweiler Lauftreff wirbt für seine Trainingszeiten. Das kommt für den an dieser Stelle Pausierenden in seiner Aufbauphase wohl zu früh. Bevor die Gelenke gänzlich streiken und die Muskeln verhärten, muss nun der Haldenrundweg von dem Delinquenten angegangen werden. In der Ebene geht es gut voran. Rentner auf Pedelecs, die in Gruppen oder breit aufgestellt nebeneinander von vorne oder hinten heranschießen, fordern die ganze Aufmerksamkeit. Die Campbox am Wegesrand bietet willkommenen Anlass, die Radautobahn für kurze Zeit zu verlassen. Gut vorstellbar ist, dass sich hier Familien, Vereine oder Jugendgruppe gerne zum Feiern und Übernachten einfinden.

Wer es bis hinauf auf das Hochplateau geschafft hat, darf einen tollen Ausblick genießen. Foto: Karl Stüber

Weitere Spiel- und Sportmöglichkeiten säumen den Weg, zum Glück auch Bänke. Da kann man die Seele baumeln lassen, heißt es in einem Traktat der Stadt Baesweiler über den Carl-Alexander-Park. Verwiesen wird auch auf Hängematten, damit auch der Köper mal auspendeln kann.

Eine Gruppe Jogger kommt entgegen, die sich beim Laufen locker unterhalten. Trainieren sie für den Volkslauf am 30 Mai? Außer Atem kann der einsame Wanderer diese Frage nicht rechtzeitig formulieren. Sie und die Chance dazu sind schnell vorbei. Eine Art Wartehäuschen kommt in Blickweite. Bei der Annäherung wird klar, dass es sich um einen Informationspunkt für den „Erlebnisraum Römerstraße Via Belgica“ handelt. Man wandelt also auf den Spuren, die zig Sandalen der Römer und ihre Wagen hier hinterlassen haben.

Ein Warnhinweis am Rande des CAP-Haldenrundwegs. Foto: Karl Stüber

Hinweisschilder mit der Aufschrift „Achtung! Brütender Bussard!“ sorgen für kritische Blicke gen Himmel. Aber Luftangriffe bleiben aus. Da soll mal einer sagen, Wandern ist langweilig. Auf dem Parkplatz wird eine Flasche Wasser gierig ausgetrunken. Mit der Erholung wächst der Vorsatz, den CAP nun öfter aufzusuchen – zunächst per Pedelec.

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