Pfarrei St. Marien Baesweiler konzentriert Feiern auf zwei Kirchen

Eltern in Oidtweiler und Beggendorf protestieren : Erstkommunion in Dorfkirchen vor dem Aus

Gänsehaut ist angesagt, wenn zu den Klängen der Oidtweiler Blaskapelle, begleitet von Vereinen und der Feuerwehr sowie unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Kinder zur Pfarrkirche St. Martinus gehen, um mit der Erstkommunion feierlich in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden.

Was für die Gläubigen ein im wahrsten Sinne des Wortes erhebendes Gefühl ist, ist für alle gleichermaßen wichtiger Faktor und Zeichen des Heimatgefühls, der Zugehörigkeit zu einer großen Familie. Und genauso ist es in Beggendorf mit St. Pankratius. Auch hier ist die Kirche Mittelpunkt, werden kirchliche Angebote sehr gut angenommen. Aber dieser für die Orte wichtigen Tradition will ausgerechnet die Baesweiler Pfarrei St. Marien ein Ende setzen und ab April 2021 die Erstkommunion zentral in St. Petrus in Baesweiler und in St. Andreas in Setterich feiern lassen. Die Dorfkirchen bleiben zu diesem Anlass verwaist. Wie das?

In einem Schreiben „an die Eltern der römisch-katholischen Schulkinder des ersten Schuljahres“, unterschrieben von Mitgliedern des Pastoralteams St. Marien, ist zu lesen, dass „Fest- wie Dankmesse für alle Kindern aus unseren sechs Ortschaften in den (zwei) räumlich großen Pfarrkichen ... stattfinden werden. Es werden nur zwei statt drei Sonntage sein.“ Als Begründung heißt es: „Neben gemeinschaftsstärkenden Elementen ... entlasten die vorgenommenen Änderungen natürlich auch den vorstehenden Priester in Zeiten immer kleiner werdenden Priesterzahlen.“ Und weiter: „Zur Zeit ist kein leitender Pfarrer in unserer Großen Gemeinde in Sicht (im vergangenen Jahr starb Pfarrer Ferdi Bruckes, die Red.).“ Auch das ehrenamtliche Organisatonsteam werde entlastet.

Schon bevor dieses Schreiben der Pfarrei verschickt wurde, hatten betroffene Eltern von dem Vorhaben Wind bekommen und erkannt, in welche Richtung der Hahn auf der Kirchsturmspitze gedreht wird, und begonnen, Unterschriften zu sammeln, um für die Erstkommunionfeiern vor Ort zu kämpfen.

Bürgermeister Dr. Willi Linkens hat den Eltern signalisiert: „Ich hoffe, dass Ihre Aktion verbunden mit meiner Unterstützung zum Umdenken führt.“ CDU-Politiker Linkens sprach mit Regionaldekan Hannokarl Weishaupt und schreibt: „Wenn wir der Kirche in den Dörfern eine Zukunft geben wollen, dann ist gerade die Kinderkommunion zwingend in den Kirchen vor Ort durchzuführen.“ Der Bürgermeister schlägt zur Entlastung des Pastoralteams vor, zur Kinderkommunion eine Messe ausfallen zu lassen oder auf einen Samstag zu verlegen. Dafür hätten „die größeren Kirchen Baesweiler und Setterich sicherlich Verständnis“.

Die Pfarrei St. Marien bleibt jedoch hart und antwortet: „Die Alters- und Schaffensgrenze der zurzeit hier vor Ort arbeitenden Prieser lässt keine andere Möglichkeit zu, ohne dass die Seelsorger persönlichen Schaden nehmen würden. Alle Wege sind ausgeschöpft.“ Die Vereine der einzelnen Ortschaften könnten sich ja an der Gestaltung der Kommunionfeiern beteiligen.

Maria Jansen ist Oidtweilerin und war bis zu ihrem 18. Lebenjahr Messdienerin in der Dorfkirche. Ihr ältestes Kind ging in Oidtweiler zur Erstkommunion, das zweite soll nach Vorstellung der geistlichen Kirchenleitung also in einer anderen Kirche in die Gemeinde eingeführt werden. Dagegen hält sie es für wichtig, dass Kinder in ihrem unmittelbaren Umfeld in die Gemeinschaft hineinwachsen – mit direkten Bezügen zu den Menschen dort. Dies könne eine zentrale Feier mit unübersichtlich vielen Teilnehmern nicht leisten.

„Es kann nicht sein, dass die Erstkommunion nur zu einem Fest mit Schmaus und Geschenken in der Erinnerung der Kinder wird.“ Sie bedauert, dass die Verantwortlichen vor ihrer Entscheidung nicht das Gespräch mit den Eltern gesucht hätten und jetzt trotz Einwendungen auf ihrer Entscheidung beharren. Jansen ist Sozialarbeiterin und verweist darauf, dass Quartiersmanagement auch in Baesweiler immer größere Bedeutung gewinnt (wie beispielsweise aktuell in Setterich-Nord und künftig auch in Baesweiler-West, d. Red.). „Und was tut die Kirche? Sie zieht sich aus den Orten zurück.“ Die engagierte Oidtweilerin hofft, dass in der aktuellen Diskussion die Fronten nicht noch mehr verhärtet werden und sich die Kirchenleitung auf einen tragfähigen Kompromiss einlässt.

Auch Sabine Werden, die nach Oidtweiler gezogen ist und sich dort mit ihrer Familie sehr wohl fühlt, ist nicht auf Konfrontation aus: „Wir wollen niemanden anklagen!“ Sie spricht von großartiger Arbeit der Pfarrei und zollt dem Pastoralteam Respekt: „Die geben sich viel Mühe!“ Aber auch sie sagt: „Wir sind recht enttäuscht von der nicht existierenden Gesprächsbereitschaft.“ Selbstverständlich sei die Gemeinschaft in Oidtweiler bereit, das Pastoralteam bei der Erstkommunionfeier vor Ort zu entlasten. Genau darüber sollte man doch mal sprechen. Bemerkenswert findet sie, dass das „Schreiben der Pfarrei unglaublich resignativ“ wirke.

Deutliche Worte findet Alfred Mandelartz, der seit Jahrzehnten in Oidtweiler lebt, Messdiener war und „bis heute in dieser Pfarre mitgewirkt“ hat. Er hat seinen Rückzug aus dem Gemeindeausschuss St. Martinus erklärt. Er schreibt: „Jesus hat nicht gesagt, lass uns mal eine Kirche bauen, vielleicht kommt einer vorbei, sondern er hat seine Jünger in die Welt gesandt, dahin, wo die Menschen sind.“

Der Pfarradministrator von St. Marien, Regionaldekan und Pfarrer in Eschweiler, Hannokarl Weishaupt, zeigt sich auf Nachfrage überrascht, dass sich die Presse für das Thema interessiert, will aber gern der Einladung zur Stellungnahme folgen, wie er sagt. Dieses Gespräch mit unserer Zeitung wird aber mit Blick auf die große Arbeitsbelastung erst übernächste Woche stattfinden können, bittet er um Verständnis. Hierzu wolle er weitere Mitglieder des Pastoralteams mit an den Tisch holen. Selbstverständlich wird die Lokalredaktion unverzüglich über die weiteren Ausführungen der Pfarrei berichten.