Nachwuchsschauspieler aus Baesweiler: Ben Behrend im Kino zu sehen

Nachwuchsschauspieler Ben Behrend : Viele Rollen und ein besonderes Hobby

Der 12-jährige Ben Behrend aus Baesweiler ist im Kinofilm „Der letzte Bulle“ zu sehen. Er hat bereits in etlichen Projekten mitgewirkt. Schauspieler will er aber nicht unbedingt werden.

Schauspieler werden? „Muss nicht unbedingt sein“, sagt Ben. Der 12-Jährige lacht. „Ausgeschlossen ist es aber nicht.“ Das Talent dafür ist jedenfalls vorhanden. Ganz offenbar. Weswegen sonst würde der Baesweiler immer wieder für Filmprojekte engagiert? Gerade ist er im Kino im Film „Der letzte Bulle“ mit Henning Baum, Maximilian Grill und Ralf Moeller zu sehen. Es ist sein mittlerweile 18. Projekt.

Bens Zimmer sieht aus, wie Zimmer 12-jähriger Jungs wahrscheinlich nicht selten aussehen: Drachen aus Lego, ein Schreibtisch, Bett, ein Regal. Die Buchrücken dicker Fantasy-Romane sind zu erkennen: Woodwalkers-Bände, Dreamwalker, die Eragon-Reihe. Ben liest gerne und verbringt seine Freizeit auch sonst mit Hobbies, die er mit vielen Altersgenossen gemeinsam hat: er spielt Klavier und treibt viel Sport, vor allem Tennis und Fußball. Beim Verlassen seines Zimmers fällt der Blick auf Fotos. Sie richten das Spotlight auf eine Leidenschaft Bens, die so gar nicht Standardprogramm für Kinder seines Alters ist, zeigen ihn gemeinsam mit bekannten Schauspielern. Man könnte auch sagen: mit Kollegen.

Natürlich ist es besonders, im Kino nicht nur vor der Leinwand zu sitzen, sondern auch darauf zu sehen zu sein. Eine große Sache macht er daraus indes nicht. „Auf dem Gymnasium wissen meine Freunde zwar, dass ich Filme drehe, aber keiner weiß, dass es schon 18 waren“. Prahlen? Nein, das ist seine Sache nicht. Strahlen? Tut Ben unweigerlich, wenn er von den Erlebnissen rund ums Filmedrehen und Schauspielern berichtet. „Mir ist egal, ob es super große Filme sind oder kleine Produktionen – es macht mir einfach Spaß, Filme zu drehen.“ Dass es sich nicht nur um einen Spruch handelt, zeigt Bens Filmographie. Dort finden sich neben Projekten, die sehr viel Aufmerksamkeit erfahren – „Der letzte Bulle“ sicher eines davon oder zum Beispiel der Film „Nebel im August“, der unter etlichen Auszeichnungen sogar den Bayerischen Filmpreis erhielt – auch Studentenprojekte.

Ben zeigt ein Foto, das vor seinem Zimmer hängt: Darauf ist er mit dem Hauptdarsteller aus „Der letzte Bulle“, Henning Baum, zu sehen. Foto: ZVA/Thomas Vogel

Die Rolle in „Der letzte Bulle“ hat Ben über ein Casting ergattert. Die Produktionsfirma hatte den seinerzeit 11-Jährigen bei der Agentur entdeckt, bei der er gelistet ist und ihn nach Köln eingeladen. Dort hat er im Casting mit dem Regisseur offenbar überzeugt und sollte im Film die Rolle von „Tom“, dem Sohn von Henning Baums Filmpartner Maximilian Grill, spielen. Das war im August/September vergangenen Jahres.

Nun sollte man meinen, die Sache war gleich geritzt, nachdem die Zusage für die Rolle ins Haus geflattert war. Klar war zunächst aber erst einmal nichts, berichtet Ben. Denn eigentlich hatte die Familie bereits Flüge und Bleibe gebucht, um Vater Tomas Behrend bei seiner Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Tennis in Miami beizustehen. Die Entscheidung überließen die Eltern ihrem Sohn. „Wir fragen immer: Möchtest du das machen?“, erklärt Bens Mutter Kerstin Behrend. Mit Zwang laufe nichts, der Sohn solle – wie auch sein jüngerer Bruder Noah – selbst entscheiden, ob er ein Filmprojekt machen möchte oder nicht. Wahllos jedes Angebot anzunehmen kommt für Ben nicht in Frage. „Ich bin schließlich noch ein Kind und das ist nicht mein Job.“

Die Entscheidung zwischen Filmdrehen in Deutschland oder Papa bei der Tennis-WM in Miami zuschauen fiel Ben nicht leicht. „Immerhin sind das beides ganz tolle, einmalige Chancen“, sagt er. Wie er sich letztendlich entschieden hat, ist Geschichte und das Ergebnis gerade in den Kinos angelaufen. Vor rund zwei Wochen war er mit seinen Eltern bei der Premiere des Films in der Lichtburg in Essen, einem der größten Kinos Deutschlands.

Übrigens sind gewisse Parallelen zwischen der Entscheidung für sein jüngstes Filmprojekt und sein allererstes nicht zu leugnen. Damals – Ben war gerade fünf Jahre alt – schrieb eine Freundin von Bens Mutter, eine Produktionsfirma suche für einen Film einen Jungen mit italienischem Aussehen. Das habe sie gleich an Ben erinnert, und Behrends könnten es ja einfach mal versuchen. Das taten sie dann auch. Ein kurzes Video gedreht – „Hallo, ich bin Ben. Ich spiele gerne Tennis und Fußball.“ –, abgesendet und das war‘s. Abgehakt und wieder in den Alltag eingestiegen, ohne einen Gedanken daran zu verlieren, es könnte sich tatsächlich jemand zurückmelden. Der Besuch bei den Verwandten des Papas in Brasilien war bereits abgemacht, da meldete sich jemand von der ARD. „Donna Leon – Auf Treu und Glauben“ sollte mit Bens Beteiligung stattfinden. Das wollten die Regisseure damals unbedingt, und damit Dreh und Verwandtenbesuch in Brasilien aneinander vorbeikommen, wurde sogar extra ein Drehtag verlegt.

Kein Druck, dafür eine spürbar große Portion Leidenschaft für die Schauspielerei – eigentlich beste Voraussetzungen, aus dem Hobby Beruf zu machen. Ob Ben aus den Auftritten in Fernseh- und Kinofilmen nun eine Karriere machen möchte, oder ob es lieber eine Erfahrung bleiben soll – für die Entscheidung hat er noch jede Menge Zeit. Und wie er eingangs bereits sagte: Schauspieler werden? „Muss nicht unbedingt sein. Ausgeschlossen ist es aber nicht.“