„Kultur nach Acht“ in Baesweiler: Ironische Seitenhiebe am laufenden Meter

„Kultur nach Acht“ in Baesweiler : Ironische Seitenhiebe am laufenden Meter

Der „Osmanische Otto“ alias Comedian Serhat Dogan hatte bei „Kultur nach Acht“ in der Burg Baesweiler Türken, Deutsche und die üblichen Vorurteile im Visier.

Bei 3,5 Millionen Türken oder Türkischstämmiger, die in Deutschland leben, und einem Urlaubsland Türkei, das Millionen von Deutschen in den Ferien anlockt(e), ist die Bandbreite an Klischees und Vorurteilen, was das Miteinander anbelangt so groß, dass sich gefühlt eine Armada an Comedians mit Migrationshintergrund an diesem Thema versuchen: Kaya Yanar, Bülent Ceylan,  Django Asyl, Abdel Karim oder Enissa Amani, nicht zu vergessen Serdar Somuncu.

Die Reihe ist lang derer, die die großen Hallen füllen. Weniger bekannt, aber der Tradition folgend und mit deutsch-türkischen Klischees jonglierend, ist der Comedian Serhat Dogan, der in der Reihe „Kultur nach 8“ jetzt in der Baesweiler Burg vor nahezu ausverkauftem Haus auftrat. Angekündigt als „Osmanischer Otto“ oder „Byzantinischer Bömermann“ nahm Dogan die Türken und Deutschen fast paritätisch augenzwinkernd aufs Korn. Deutsche Überkorrektheit, Pünktlichkeit, Steifheit – (Vor-)Urteile, an denen ja irgendwas dran sein muss – gegenüber türkischem Laissez-faire, stoischer Ruhe und Gelassenheit. Sein Bild vom Deutschen ist ziemlich konkret: „Wenn die NASA ihre Flüge so planen würde wie die Deutschen ihren Urlaub, wäre der Mars längst besiedelt“, stellte Dogan etwa fest. Und: „Die Deutschen fotografieren im Urlaub nicht die Schönheiten des Landes, sondern die Schimmelflecken und Mängel in den Hotels.“

Ironische Seitenhiebe gab es an diesem Abend aber auch immer wieder auf den historisch gewachsenen „Intim-Feind“ Griechenland. Was dem Deutschen sein Franzose, ist dem Türken halt der Grieche. „Der Kölner Dom ist so alt und schief, da war bestimmt ein Grieche am Werk.“

Dass für manche Dinge in Deutschland kein Geld übrig bleibt, quittiert er mit dem Verweis darauf, dass Deutschland „ja immer so viel Geld nach Griechenland überweist“. Sind Deutsche immer so „unentspannt“, ist das bei Türken ganz anders. Beispiel Autofahren, vielmehr Verkehrsregeln und Fahrschule: „Theoretischer Unterricht? Kannst du theoretisch hingehen oder auch nicht.“ Denn: „Für Türken ist Autofahren so normal wie ein Stuhlgang.“

Tröstliches hatte Serhat Dogan an diesem alles in allem unterhaltsamen Abend dann aber auch zu verkündigen: „Viele Deutsche haben Angst, dass der Rechtsruck in Deutschland dazu führt, dass sich die Geschichte wiederholt. Aber keine Angst: Wir sind 3,5 Millionen Türken in Deutschland, wir beschützen euch.“

Ob das wirklich beruhigend ist, bei einer Gesellschaftsschicht, deren jüngster Generation „die Sitzheizung im 3er-BMW wichtiger ist, als der Sex mit 72 Jungfrauen im Paradies“ (Dogan) sei mal dahin gestellt ...