Integriertes soziales Handlungskonzept wird vorbereitet

Setterich-Nord und Baesweiler-West : Integriertes soziales Handlungskonzept wird vorbereitet

Die Lebenslage der Einwohner von Baesweiler ist je nach Quartier unterschiedlich, bisweilen nicht glatt. Wenn man so will, gilt es, Falten und Knicke auszubügeln, behutsam, aber zielgerichtet.

Auf Basis des Sozialberichts 2017 sieht die Stadt Baesweiler vor allem in „Setterich-Nord“ mit rund 3700 und in „Baesweiler-West“ mit knapp 3500 Bewohnern Handlungsbedarf. Die Rede ist von „sozial defizitären Räumen“. An einem Konzept für Verbesserungen wird intensiv gearbeitet, wie Bürgermeister Dr. Willi Linkens (CDU) auf Nachfrage versichert.

Eva Hennig wurde extra für die Erstellung eines Integrierten sozialen Handlungskonzepts eingestellt. Die Sozialplanerin befasst sich intensiv mit den Stärken, Schwächen und Perspektiven sowie einer Strategie zur „positiven Entwicklung“.

„Erhebliche soziale Defizite“

Im Bereich Setterich-Nord wird bereits seit 2008 mit dem Programm soziale Stadt agiert. Immer noch sind dort „erhebliche soziale Defizite im gesamtstädtischen Vergleich“ festzustellen, wie es seitens der Verwaltung heißt. Besonders bei Gesundheit und Bildung von Kindern müsse etwas geschehen. Klar ist den Verantwortlichen, dass gute Bildung von grundlegender Bedeutung und das Niveau Heranwachsender stark vom dem der Eltern abhängig sind.

„Wir werden natürlich Haus Setterich fortführen“, betont Erster Beigeordneter Frank Brunner. Neben Erziehung und Integration soll in Setterich-Nord der Fokus aber auch stärker auf Gesundheit ausgerichtet werden. Gerade Jüngere sollen an Küche und Kochen herangeführt werden, flankiert durch Ernähungsberatung. Ein so großes Haus wie in Setterich wird es für Baesweiler-West wohl nicht geben müssen, so Brunner. Aber auch hier soll eine Anlaufstelle geschaffen werden. Wie in Setterich-Nord sei der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund hoch.

Zu gegebener Zeit werde man sich auch auf die Suche nach einem Träger machen. „Aber wir stehen gerade erst am Anfang“, bittet der Beigeordnete um Verständnis, dass konkrete Maßnahmen noch nicht feststehen. Deshalb klingt alles noch etwas allgemein. Stünden in Baesweiler-West eher „niedrigschwellige Angebote“ wie zum Beispiel aufsuchende Sozialarbeit im Vordergrund, setze die Stadt Baesweiler in Setterich Nord neben der Fortführung der Arbeit „Soziale Stadt“ auf weitere Förderprogramme. „Wir haben natürlich ständig die sich ändernde Förderkulisse von Land und Bund im Auge“, betont Beigeordneter Brunner. So wurde zum Beispiel beizeiten neben der Arbeit am Integrierten sozialen Handlungskonzept über das Programm „Zusammen im Quartier – Kinder stärken – Zukunft sichern“ des NRW-Sozialministeriums ein Förderantrag zur Sicherung der Fortführung der Sozialplanung für 2019 und 2020 gestellt.

Arbeiten an einem sozialen Handlungskonzept: (v.l.) Sozialplanerin Eva Hennig, Beigeordneter Frank Brunner und Sozialamtsleiterin Angelika Breuer. Foto: Karl Stüber

„In beiden Bereichen ist uns die Beteiligung der Bürger sehr wichtig“, betont Bürgermeister Linkens. „Wir wollen auf diese Weise immer mehr Leute in die Aktivitäten einbeziehen.“ Brunner sagt, gerade in Setterich-Nord habe sich die „aktive Nachbarschaft“ bewährt.

Zunächst aber gilt, ohne umfangreiche inhaltliche und logistische Vorbereitung geht es nicht. Zunächst sollen sich Fachleute in einer Sozialplanungskonferenz wie schon im Jahre 2017 treffen. Wenn in der Sitzung des Sozialausschusses am Dienstag, 4. Juni, der Stand der Dingeder Politik vorgestellt worden ist, sollen Bürgerkonferenzen in beiden betroffenen Quartieren folgen. Hier geht es um Transparenz und Partizipation, betonen die Planer. Auch hier wird das bisher Zusammengetragene und Ausgewertete vorgestellt.

Laut Sozialamtsleiterin Angelika Breuer folgt „kleinräumiges Sozialmonitoring“. Gemeint sind damit rund 20 qualitative Interviews mit Familien in Setterich-Nord und Baesweiler-West., um eine „Tiefergreifende Analyse der sozialen Lagen“ zu ermöglichen. Nach Auswertung/Interpretation der so gewonnenen Aussagen sollen im nächsten Jahr ebenfalls Bürgerkonferenzen abgehalten werden. Zudem ist ein Jugendparlament für beide Quartiere vorgesehen, um in Diskussionen noch mehr Informationen zu bekommen. Und am Ende führen wieder Fachleute die einzelnen Fäden zu einem Konstrukt zusammen. Viel Theorie also, bevor man praktisch werden kann. Aber wichtig, um an den Bedürfnissen der Menschen nicht vorbei zu planen, wie Linkens sagt.

Entscheidend wird sein, wirklich in den Dialog mit den Menschen in den beiden Quartieren zu kommen, ist den Beteiligten klar. Sozialplanerin Hennig verweist auf bereits bestehende Begegnungsmöglichkeiten wie Kindertagesstätte, Grundschule oder Moschee. Klar steht im Resümee des grundlegenden Sozialberichts: „Das Bildungsniveau von Kindern hängt stark vom Bildungsniveau der Eltern ab. Es ist erforderlich, dass Projekte mit Bildungsschwerpunkt nicht nur bei Kindern ansetzen, sondern Familien als Ganzes einbeziehen.“

Mit Wohnumfeld unzufrieden

Weitere Partner gilt es zu gewinnen und an bisherige Kooperationen anzuknüpfen, verweist der Bürgermeister etwa auf die Vivawest Wohnen GmbH. Wohnen ist besonders in Setterich-Nord Thema. Im Sozialbericht heißt es dazu: „Dort war die Unzufriedenheit der Bürger mit ihrem Wohnumfeld im Vergleich besonders groß.“ Wer Anregungen in Sachen Integriertes soziales Handlungskonzept für Setterich-Nord und Baesweiler-West hat, kann diese via E-Mail an sozialplanerin@stadt.baesweiler.de schicken.

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