Geschäftsführer Heinz-Rudolf Gandelheid ringt um die Stromversorgung

Probleme mit Netzbetreiber und Versorger : Der „Alten Schmiede“ in Baesweiler geht der Saft aus

Dass einem Gasthof schon mal der Saft ausgeht, mag an unerwartet hohem Konsum durch unverhofften Ansturm von Gästen liegen oder auf nicht rechtzeitig gelieferten Nachschub zurückzuführen und somit vorübergehend verkraftbar sein. Wenn aber der „Saft“ aus der Steckdose ausbleibt, sind die Folgen für einen gastronomischen Betrieb fatal. So ist es jetzt Heinz-Rudolf Gandelheid und seinem traditionsreichen Haus „Zur alten Schmiede“ an der Aachener Straße in Baesweiler gegangen.

Indes ist das Haus nicht zum ersten Mal in finanziellen Schwierigkeiten (siehe Info).

Vor einer Woche blieb an einem Morgen das Internet unerreichbar. Gandelheid, Geschäftsführer und Küchenchef des Hauses, schaute nach dem Router, der im Erdgeschoss steht. Das Betätigen des Lichtschalters blieb ohne Folgen. Der Router war lahm gelegt. Es lag nicht an einer durchgeknallten Sicherung. Der Netzbetreiber hatte kurzerhand den Hahn zugedreht. Ob auf Veranlassung des Versorgers, ist wohl nicht klar, wie Gandelheid auf Nachfrage unserer Zeitung sagt. Leser hatten sich besorgt über die Probleme des Betriebes gemeldet. Und der Strom für den Betrieb blieb bis jetzt aus.

Nur noch auf Sparflamme

Die Kühlkette für die gelagerten Lebensmittel war unterbrochen. Die Küche blieb kalt, das Bier wurde warm. „Wir haben viel wegwerfen müssen, ein schwerer wirtschaftlicher Schaden“ sagt Gandelheid auf Nachfrage. Zwischenzeitlich hat er sich mit Candle Light Dinner (stimmungsvolles Beisammensein bei Kerzenlicht, d. Red.) beholfen.

Stimmungsvoll, aber kein wirklich tragendes Konzept. Der Betrieb läuft nur noch auf Sparflamme. Mit einer mobilen Zapfanlage, die autonom gekühlt wird, kann noch eine Sorte Bier ausgeschenkt werden. Häppchen, Kaffee und Kuchen können auch noch geboten werden. „Kleinere Gesellschaften können bis 21 Uhr in diesem Rahmen noch bewirtet werden. Dann wird es in den Räumen zu dunkel“, sagt Gandelheid. Auch die SPD habe sich noch zur Europawahl zum Frühstück eingefunden. Bei einer Vortragsveranstaltung des Baesweiler Geschichtsvereins hätten sich die Teilnehmer gefreut, weil Kerzen auf den Tischen standen. Sie meinten wohl, der Wirt habe das Thema des Abends stimmungsvoll aufgegriffen. Da ging es um die Zeit, als Strom noch nicht aus der Dose floss...

Nun steht auf der Homepage des Geschichtsvereins: „Das bisher üblicherweise als Veranstaltungsort genutzte Lokal „Zur alten Schmiede“ steht dem Geschichtsverein Baesweiler ab sofort nicht mehr zur Verfügung. Aus diesem Grunde finden die Veranstaltungen des Geschichtsvereins Baesweiler ab dem Vortrag Weimarer Republik (Teil 2, 13. Juni, 19 Uhr) im Kulturzentrum der Burg Baesweiler statt.“ Vorstandsmitglied Günter Pesler bedauert das in einem sozial Netzwerk und schließt mit den Worten: „Ich wünsche der Familie Gandelheid für die Zukunft alles erdenklich Gute.“

Auch andere Vereine und Einrichtungen haben bislang in der Schmiede ihre gute Stube gesehen, wie der Geschäftsführer berichtet. Dazu gehören Junggesellenvereine, Parteien, Karnevalsvereine, Schützen, die Lions, und, und, und. „Das Buchungsbuch ist voll. Jetzt müssen wir erst einmal die Leute informieren“, sagt er.

Im Dehoga-Vorstand

Aber nun bleibt der große Ofen bis auf weiteres kalt. Und eine langwierige juristische Auseinandersetzung droht. Gandelheid kontra Netzbetreiber und/oder Energieversorger. Und das ist die dahinter steckende Geschichte – aus Sicht des Inhabers der Gastronomie: Eigentlich glaubte Gandelheid, dass nach der Pleite des bisherigen Energieversorgers vor 15 Monaten die Übernahme durch den neuen glatt gegangen war.

Den Namen der Firma will Gandelheid (noch) nicht nennen, um die Chancen auf eine vernünftige außergerichtliche Einigung nicht zu verbauen, ist aber notfalls zur Klage auch über mehrere Instanzen entschlossen, wie er kurz vor einem Termin mit seinem Anwalt sagt. Gandelheid ist Vorstandsmitglied des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Nordrhein und dort für Ausbildungsfragen zuständig, wie er sagt. Juristische Kompetenz weiß er in seinem Rücken.

Wie Gandelheid erzählt, will der neue Energieversorger ihn beizeiten darüber schriftlich informiert haben, dass er zwar die Gasversorgung und die private Stromversorgung für die Gandelheids (inklusive Mutter Resi Gandelheid) übernimmt, aber eben nicht die Stromversorgung für den Betrieb. Dieses Schreiben habe er nie erhalten, sagt Gandelheid Junior. „Wenn ich das gewußt hätte, hätte ich natürlich sofort gehandelt.“ Über Monate sei alles reibungslos gelaufen. Regelmäßig seien Abschlagszahlungen über die Kundenummer abgebucht worden.

Da in der „Alten Schmiede“ viele Lichtquellen auf LED-Technik und andere Geräte auf Stromsparen umgestellt worden seien und zudem das Erfassen des Stromverbrauchs für den Betrieb der Gaststätte außerhalb der Verfügung und Kontrolle von Gandelheid in einem separaten Stromkasten lief, habe er die Höhe der pauschalen Abbuchungen im grünen Bereich gewähnt. Dann habe sich zwei Tage vor dem Abschalten der Netzbetreiber bei ihm gemeldet. Er habe da wohl einen „Blindzähler“.

Hoffen auf gütliche Einigung

Erläuternde Gespräche mit dem Energieversorger hätten bislang nichts gebracht. Nun stünde seitens des Unternehmens eine in ihrer Höhe noch unklare hohe Nachforderung im Raum, sagt Gandelheid. Es dürfte lange dauern, durch Abzug der Verbräuche der anderen Stromabnehmer in seinem Umfeld den (vermeintlich) tatsächlichen Verbrauch der „Alten Schmiede“ zu ermitteln, befürchtet er. Abschlagszahlungen bzw. Raten, um den Strom wieder fließen zu lassen, seien abgelehnt worden.

Zwischenzeitlich sei es ihm leider nicht gelungen, einen anderen Energieversorger zu verpflichten. Mit Blick auf die im Raum stehenden, aber noch nicht juristisch geklärten Ansprüche, sei kein Unternehmen bereit einzuspringen. Betroffen von dem stark eingeschränkten Betrieb sind außer Gandelheid und seiner Mutter zwei Festangestellte, zwei Aushilfskräfte und ein Auszubildender. Zum Glück hatten zwei andere Azubis Anfang des Jahres ihre Ausbildung beendet, sagt er.

Eine neue Interessentin für eine Ausbildung habe Gandelheid angesichts der unsicheren Zukunft anderweitig vermitteln müssen. Der Kampf um den Bestand des Unternehmens geht weiter, versichert er und hofft auf eine gütliche Einigung – noch, aber nicht mehr lange.

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