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Carl-Alexander-Park: Diese Rodung hilft gefährdeten Amphibien

Carl-Alexander-Park : Diese Rodung hilft gefährdeten Amphibien

Nachdem auf der Bergehalde „Carl-Alexander“ im Sommer vergangenen Jahres Laichgewässer für Kreuzkröte und Geburtshelferkröte angelegt worden waren, wird derzeit der Landlebensraum der beiden in Nordrhein-Westfalen gefährdeten Amphibienarten optimiert.

Nun werden an südexponierten Hängen der Bergehalde Carl-Alexander Bäume gefällt und Strauchwerk entfernt. Mit der Maßnahme soll der Lebensraum für die Amphibienarten Geburtshelferkröte und Kreuzkröte verbessert werden. Damit die Vogelwelt nicht gestört wird, findet sie vor Beginn der Brutzeit statt. Es ist eine Naturschutzmaßnahme, die sich nicht jedem direkt erschließt.

„Wir wollen hier den Landlebensraum der beiden gefährdeten Amphibienarten verbessern“, erklärt Bettina Krebs von der Biologischen Station Städteregion Aachen. „Bekannt ist, dass die bei uns lebenden Amphibien Gewässer für ihre Nachkommen brauchen. Weniger bekannt ist, dass sie selbst einen Landlebensraum mit bestimmten Strukturen benötigen.“

In Abraummaterial eingraben

Vor allem die Geburtshelferkröten benötigen ganz in der Nähe eines Laichgewässers sonnenbeschienene Hänge, die ihnen Tages- und Überwinterungsverstecke bieten. Die Halde ist für die Geburtshelferkröte und auch für Kreuzkröten deshalb attraktiv, weil sich die Tiere in das lockere Abraummaterial eingraben können.

Amphibienschutzmaßnahme an der Halde Carl-Alexander Baesweiler: Hier eines der haltbaren und pflegeleichten Gewässer aus Beton. Foto: Karl Stüber

Amphibien verkriechen sich tagsüber, um sich vor Austrocknung zu schützen. Sie benötigen als wechselwarme Tiere aber auch Wärme, um aktiv sein zu können. Wenn die Sonnenstrahlen bis auf den Boden vordringen können, erwärmt sich der schwarze Haldenboden schnell. Die Geburtshelferkröte ist eigentlich eine Art, der Mittelgebirge, die sich in sonnenexponierten Hängen von Bachauen aufhält. Im Tiefland der nördlichen StädteRegion fand sie auf den Bergehalden einen Ersatzlebensraum.

Landes- und Deutschlandweit ist die Art, die nur in Europa von der Iberischen Halbinsel bis nach Deutschland verbreitet ist, sehr selten geworden, Tendenz fallend. Grund für die Europäische Kommission 2012, einen europäischen Aktionsplan für diese Verantwortungsart ins Leben zu rufen. Die Maßnahmen tragen dazu bei, diesen Aktionsplan lokal umzusetzen und die Geburtshelferkröte für künftige Generationen zu erhalten.

Während die Halde noch mit Abraum beschickt wurde, war der Pflanzenaufwuchs gestört. Nach dem Ende des Bergbaus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aber konnte sich die Pflanzenwelt das Terrain zurückerobern. Will man den Kröten ihren Lebensraum erhalten, müssen bestimmte Flächen frei von Aufwuchs bleiben. Dies wird erreicht man, indem regelmäßig gemäht, beweidet oder etwa alle sechs bis sieben Jahre gerodet.

Europäisches Projekt

Am Fuß der Halde sorgt die Stadt Baesweiler mit einer Ausgleichsmaßnahme für dauerhaft offene Flächen, zwei Hänge stellt die Biologische Station Städteregion im Rahmen ihres von der Europäischen Union geförderten Projekts „LIFE Amphibienverbund“ frei. Auch diese sollen dauerhaft ohne größere Gehölze bleiben.

Die Stadt Baesweiler unterstützt das Artenschutzprojekt außerdem dadurch, dass sie die Flächen langfristig für den Naturschutz zur Verfügung stellt.

Die aktuelle Rodung wird durch ein regionales Unternehmen in einem für die Besucher nicht zugänglichen Bereich vorgenommen.

Wie sich die Anlage die Maßnahmen auf die Tiere auswirken, sollen Beobachtungen in den kommenden Jahren zeigen. Hierbei wird die Biologische Station von ehrenamtlichen Amphibien-Rangern unterstützt, die auch nach Ende des Projekts die Gebiete beobachten und bei Naturschutzmaßnahmen helfen.

„Wir schaffen es nur gemeinsam, diese faszinierenden Tiere bei uns in der Region zu erhalten“, sagt Krebs. „Mit den Rangern haben wir schon viele Engagierte gefunden, die unser Anliegen unterstützen“.

(red)