Biologische Station und Stadt Baesweiler kooperieren

Amphibienschutz an der Bergehalde Carl-Alexander : Heimstätten aus zweiter Hand für seltene Kröten

Es sieht aus, als ob drei hellgraue Untertassen auf dem schwarzen Abraummaterial der Bergehalde Carl-Alexander bei Baesweiler gelandet sind. Aber Bürgermeister Dr. Willi Linkens, Technische Dezernentin Iris Tomczak-Pestel und Bernd Sauren vom Stadtentwicklungsamt haben sich nicht auf den Weg dorthin gemacht, um Neubürger aus einer fernen Galaxie willkommen zu heißen.

Es geht um ein Projekt zum Thema Amphibienschutz, also das Schaffen von „Lebensraum aus zweiter Hand“ für Tiere, in diesem Falle für Geburtshelferkröten, die die bis zu 70 Zentimeter tiefen Betontassen zur Vermehrung benötigen.

Diese Becken sollen den Schlammteich ersetzen, den die Geburtshelferkröte lange Zeit zur Vermehrung genutzt hatte, der aber in den letzten beiden Sommern ausgetrocknet ist. Zusätzlich wurden bereits im vergangenen Herbst angrenzende Böschungsbereiche frei geschnitten, die von der Geburtshelferkröte vorrangig als Tages- und Winterversteck genutzt werden. Das nur spärlich bewachsene und lockere Abraummaterial der Bergehalde eignet sich bestens zum Eingraben. Wie die Biologin Bettina Krebs, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Biologischen Station der Städteregion, erläutert, geht es aber beim Projekt „Life-Amphibienverbund“ auch um den Erhalt des Lebensraumes von Kreuzkröten. Beide Krötenarten seien stark gefährdet.

Für die Kreuzkröte reichen bereits kleine Tümpel oder mit Wasser gefüllte Fahrspuren aus, um Larven und Eier absetzen zu können. „Während in Fluss- und Bachauen die Dynamik des Wassers den Tieren alle wichtigen Lebensraumstrukturen immer wieder neu erschafft, muss der Mensch auf der Halde etwas nachhelfen“, wie Krebs sagt. Das Umweltamt der Städteregion, die Stadt Baesweiler und die Biologische Station würden hier an einem Strang ziehen. So hatte die Stadt Baesweiler zum Erhalt der Kreuzkröte bereits in den vergangenen Jahren beigetragen, indem Bagger Grabungen und Fahrspuren am Haldenfuß anlegten, wie Technische Dezernentin Tomczak-Pestel in Erinnerung ruft. Das muss aber alle paar Jahre wiederholt werden, so Biologin Krebs: „Die Kreuzkröte laicht in flachen Gewässern, die frei von Pflanzenbewuchs sind und möglichst keine anderen Tiere beherbergen, die die Larven fressen können.“

Amphibienschutzmaßnahme an der Halde Carl-Alexander Baesweiler: Hier eines der haltbaren und pflegeleichten Gewässer aus Beton. Foto: Karl Stüber

Aktuell unterstützt die Biologische Station im Rahmen des Projekts „Life-Amphibienverbund“ die Maßnahmen der Stadt Baesweiler. Neben den drei großen Laichteichen für Geburtshelferkröten werden rund 20 kleine und flache, ja pfützenartige Tümpel für die Kreuzkröten angelegt. Bauleiter ist Kai Kirst.

„Naturschätze bewahren“

Finanziert wird das Vorhaben zum größten Teil (60 Prozent) durch die Europäische Union, das Land NRW und die Städteregion Aachen. Baesweiler stellt die entsprechenden Flächen langfristig für den Naturschutz zur Verfügung. Bürgermeister Linkens, der vor kurzem noch mit zwei Enkelkindern auf der Halde unterwegs war und mit Fragen zum Naturschutz gelöchert wurde, betont: „Wir sind froh, dass solche besonderen Tierarten wie die Kreuzkröte und die Geburtshelferkröte auf unserer Halde leben und unterstützen deshalb sehr gerne die Biologische Station und das Umweltamt der Städteregion in den Bemühungen, unsere Naturschätze zu bewahren.“

Umgesetzt werden die Bauarbeiten nach Angaben der Biologischen Station durch die niederländische Stiftung IKL, die seit Jahren in der Provinz Limburg Amphibienschutzmaßnahmen umsetzt. Die Bauarbeiten für die Gewässer dauern voraussichtlich noch ein paar Tage. Deren Fortgang kann zum Teil von der Plattform auf dem Haldenkopf beobachtet werden, wo auch ein Schild über Sinn und Zweck des Projekts informiert.

Weitere Informationen unter: www.life-amphibienverbund.de