Baesweiler: selbstironische Frotzeleien in der Alten Scheune

„Kultur nach Acht“ : Selbstironische Frotzeleien in der Alten Scheune

Ludger K., Marcel Mader, Alina Arenz, Andreas Hirschmann und Frank Küster überzeugen bei „Kultur nach Acht“ in Baesweiler.

Etwa 60 Blätter DIN-A4 voll gepackt mit Pointen hat Frank Küster unterm Arm. Die Küster-Nacht ist halt immer etwas Besonderes in der Baesweiler Kabarett-Landschaft. Das weiß der Meister und hellwache Beobachter der Landes- und Weltpolitik. Frank Küster ist immer aktuell und bedient die Ansprüche seines Publikums.

Das war zur aktuellen Veranstaltung „Kultur nach Acht“ erneut so. Gefühlte zehn Mal war Küster in den letzten Jahren auf dieser Bühne in der Alten Scheune. Auch diesmal hatte er wieder sein schräges „Burg-Orchester“, bestehend aus Marcel Mader und Andreas Hirschmann aufgeboten.

Die waren allerdings glatte Verlierer (in optischer Hinsicht) gegen die rassige Sopranistin und Musical-Sängerin Alina Arenz aus Baesweiler. Sie hatte einen „Open Spot“ Auftritt in ihrer Heimat. Die Tochter des früheren Fußball-Managers Klaus Arenz holte sich viel Beifall bei ihrem Auftritt ab.

Frank Küster nahm nicht nur die Politik ins Fadenkreuz. Nachdem er einen neuen Titel für US-Präsident Donald Trump mit der Formulierung „dieser Intelligenz-Allergiker“ kreiert hatte, fanden die Fußballer Fortuna Düsseldorfs seine Bewunderung. Das 3:3 beim FC Bayern feierte der aus der Landeshauptstadt kommende Küster auf der Bühne nochmals kräftig nach.

Verpackt in  die Melodie des Billy-Joel-Klassikers „We Didn’t Start The Fire“ bastelte er den Song „Das war’s gewesen“ zusammen. Die Version kam schwarzhumorig daher, denn auch für die verstorbenen Kofi Annan, Stefanie Tücking, Dieter Thomas Heck oder Abi Ofarim „war’s das gewesen“. Herrlich war Küsters Ausritt ins Thema Tempolimit. „Wo bleibt der Aufschrei der Nation? Wo sind die Gelb-Westen?“ Und weiter: „Der Deutsche hat ein Recht auf Rasen. Ja, im Garten und im Stadion!“ Das verknüpft er mit der selbst gestellten Frage, „ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal 130 gefahren bin. Ich fahre ja wegen der Kinder nur noch mit 80 km/h hinterm Flix-Bus. Damit sie auch WLan haben...“

Einen Treffer landete Küster aber auch mit seinem Gaststar „Ludger K“. Das selbst ernannte Lästermaul „steht mitten im Leben, aber es ist nie so richtig erwachsen bei seiner herrlich knackigen Expedition ins Menschenreich“. Verbunden war der Auftritt mit selbstironischen Frotzeleien aus vier Jahrzehnten Realitätsverweigerung. Ludger K ließ in Erinnerung schwelgen. Das gipfelte in einer Hommage an die ZDF-Hitparade, in der er den Jürgen Markus-Titel anstimmte: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“. Unterstützt wurde die Nummer von zwei bereitwilligen Damen aus dem Publikum, denen die obligatorischen Rosen überreicht wurden.

Ludger K war der erste und einzige Künstler, der als Zugabe ein A-capella-Stück mit holländischem Akzent und Musikbegleitung zum Besten brachte – unterstützt vom Backgroundchor aus Frank Küster und Alina Arenz.

(mas)
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