Austellung „Was kommt nach dem Einzelhandel?“ in Baesweiler

Diskussion über Einzelhandel : Wenn der Händler „Erlebnisevents“ bietet

Eine Ausstellung, die ab sofort in leerstehenden Geschäften zu sehen sein wird, wurde in Baesweiler eröffnet. Dabei diskutierten Händler und Kunden über die Entwicklung der Innenstädte in Zeiten des Onlinehandels.

Der stationäre Einzelhandel sieht sich mit der Konkurrenz durch den erstarkenden Onlinehandel als Herausforderung konfrontiert. Aus diesem Anlass sollen neue Chancen genutzt werden. In Kooperation mit der Initiative StadtBauKultur fand jetzt in der Burg Baesweiler eine Veranstaltung zum Thema „Entwicklung der Innenstädte und des Einzelhandels“ statt, in deren Rahmen gleichzeitig eine Ausstellung zu diesem Themengebiet eröffnet wurde. Bürgermeister Dr. Willi Linkens stellte fest: „Baesweiler lebt nicht auf einer Insel“, und sprach damit die auch in Baesweiler festzustellende Verunsicherung, beispielsweise durch den Internethandel an.

Die Ausstellung mit dem absichtlich provokanten Titel „Was kommt nach dem Einzelhandel?“ soll Diskussionen zwischen Bürgern, Händlern, Politik und Verwaltung anstoßen und zu gemeinschaftlichem Engagement zum Erhalt des Einzelhandels, aber auch der vielfältigen Funktionen, die er für die Innenstädte entfaltet, motivieren.

Im ersten Fachvortrag stellte Florian Heinkel von StadtBauKultur NRW klar, dass der demographische Wandel besonders abseits der Großstädte von Bedeutung ist und der Einzelhandel mehr als nur Versorgung biete. Aber man müsse die Chance in der Herausforderung sehen und „den Leerstand als Ressource begreifen“. Insbesondere sieht er neben baulichen und wirtschaftlichen Anforderungen auch soziale Anforderungen, die mit dem stattfindenden Umbruch in den Städten auch durch den Onlinehandel, entstehen.

Dr. Frank Bröckling verwies seinerseits auf das „Potenzial durch vielfältiges Engagement, Identifikation und Beständigkeit des stationäre Einzelhandels auf dem Land“. Gut organisierte Gewerbeverbände, durch inhabergeführten Handel geprägte Städte, hätten dem Online-Handel einiges entgegenzusetzen.

Sie diskutierten über „Entwicklung der Innenstädte und des Einzelhandels“: Baesweilers Bürgermeister Willi Linkens, Dezernentin Iris Tomczak Pestel, Monika Frohn (IHK Aachen), Florian Heinkel (StadtBauKultur), Referent Frank Bröckling (Planinvent), Dirk Pfeifferling (its) und Gewerbeverbandsvorsitzender Ralf Schmitz (v.l.). Foto: Sigi Malinowski

Die Stärkung und der Erhalt des bestehenden Einzelhandels genießt erste Priorität. Wenn aber Leerstand auftritt, müssen innovative Nachnutzungen erfolgen, wie beispielsweise freundliche Gestaltung der Schaufensterfronten durch örtliche Vereine oder Kindergärten. Auch dem Schaffen von Aufenthaltsbereichen und Gastronomie kommt eine große Bedeutung zu.

Die anschließende Podiumsdiskussion eröffnete Ralf Schmitz, Vorsitzender des Gewerbeverbandes Baesweiler (GVB): „Die Gewährleistung der Nahversorgung zielt nicht nur auf Lebensmittel ab.“ Er betonte die Bedeutung jedes einzelnen Gewerbetreibenden. Monika Frohn (IHK Aachen) machte klar: „Die Digitalisierung stellt alles auf den Kopf, was wir bisher kannten.“ Sie betonte, dass das Internet für den heutigen Konsumenten vielfach ein selbstverständlicher Teil des Einkaufsprozesses sei. Der lokale Einzelhändler muss „sichtbar sein im Internet“ und für Konsumenten auffindbar, damit er sich über Öffnungszeiten und Sortiment informieren kann.

Dirk Pfeifferling, Geschäftsführer des Internationalen Technologie- und Service-Centers (ITS) hob hervor, dass die Aufenthaltsqualität sehr wichtig und zu erhöhen sei, wobei sich Baesweiler hier bereits auf einem guten Niveau befinde und weiter daran arbeite. Dr. Frank Bröckling fügte zur Diskussionsrunde hinzu: „Sie, die Einzelhändler, sind Teil eines Erlebnisevents.“ Und Ralf Schmitz ergänzte: „Die Zeit der Händler ist vorbei, wir sind Dienstleister.“

Aus dem interessierten Publikum wurde das ungleiche Kräfteverhältnis von stationärem und Onlinehandel bemängelt. So lautete ein Kritikpunkt, der international tätige Internet-Handel zahle keine Steuern. Weiterhin gab es Vorschläge zur Verknüpfung des Online-Handels mit dem stationären Einzelhandel. Baesweilers Technische Dezernentin Iris Tomczak-Pestel warb um die Mitarbeit des Handels und vor allem auch der Eigentümer bei den anstehenden Aufgaben zur Attraktivierung der Innenstadt.

Die durch StadtBauKultur zur Verfügung gestellte Ausstellung wird nun in den nächsten Monaten an wechselnden Standorten, zunächst im Bereich der oberen Kückstraße, in Leerstandsimmobilien zu besichtigen sein.

Mehr von Aachener Nachrichten