Sozialdemokraten lassen nicht locker: Baesweiler SPD hält an Projekt Gesamtschule fest

Sozialdemokraten lassen nicht locker : Baesweiler SPD hält an Projekt Gesamtschule fest

Trotz gesetzlicher Vorgaben, die es nicht zulassen: Die Sozialdemokraten Baesweilers lassen in ihrer Forderung nicht nach, eine Gesamtschule einzurichten. Seit Jahren taucht im Schulausschuss immer wieder die Forderung nach dieser Schulform auf.

Mehrfach hatte Baesweilers Verwaltung darauf hingewiesen, dass die Bezirksregierung eine Gesamtschule in Baesweiler nicht genehmigt. Dies auch mit dem Hinweis, dann sei der Schulstandort in Übach-Palenberg gefährdet. Einmal mehr war das Thema in der jüngsten Ausschusssitzung, die unter der Leitung von Dieter Fritsch (SPD) stand.

Im Mai hatte die SPD einen Antrag an die Stadtverwaltung mit dem Thema „Erarbeitung eine Schulentwicklungsplanung zur Weiterentwicklung des Schulstandortes Baesweiler“ eingereicht. Die Stellungnahme der Verwaltung nannte SPD-Sprecher Dr. Karl-Josef Strank „für uns sehr enttäuschend“.

Die SPD hatte gefordert, eine von der Bezirksregierung angebotene Schulträgerberatung anzunehmen und an den Gesprächen Vertreter der Fraktionen im Rat der Stadt zu beteiligen. Weiterhin fordern die Sozialdemokraten „alle weiteren Verfahrensschritte zu unternehmen, damit ein weitergehendes, alle Erfordernisse abdeckendes Schulangebot für die Sekundarstufe eingerichtet werden kann“.

Durch die auslaufende Hauptschule (Goetheschule) gibt es nach Ansicht der SPD „für Hauptschüler kein adäquates Bildungsangebot“. Anstatt eine Gesamtschule einzurichten, setze die Stadt, so Dr. Strank, weiterhin auf die Realschule.

Der Stadt, der CDU und dem Bürgermeister Dr. Willi Linkens warf Strank vor: „Sie möchten nur eine bessere Ausstattung der Realschule.“ Erweitert mit der Anklage, die Realschule übernehme nach § 132c des Schulgesetzes NRW zusätzlich die Beschulung von Schülern mit Hauptschulniveau. Die CDU mache damit die Ausnahme zum Regelfall und überfrachte die Realschule mit Aufgaben für die sie nur mangelhaft gerade auch im Hinblick auf die Zahl der Lehrkräfte ausgestattet sei.

Insgesamt bezeichnete der SPD-Sprecher dies als „Etikettenschwindel“. Gegen diesen Begriff, den Strank wählte, verwahrte sich Linkens ausdrücklich. Außerdem bemerkte der Bürgermeister mit Blick auf zurückliegende Presseveröffentlichungen der SPD: „Ich wehre mich dagegen, eine Schulform derart madig zu machen, ohne sich bei der Schule mal zu erkundigen, wie es da läuft“. Willi Linkens entgegnete unter anderem, „ich habe die Hoffnung gehabt, Sie würden die Vorlage richtig gelesen haben“. Zu jeder Gelegenheit habe die Stadt betont, dass der Paragraf 132c noch nicht umgesetzt worden ist.

Ebenfalls gab Linkens der SPD mit auf den Weg„ es macht keinen Sinn über nicht realisierbare Träume zu reden und damit das Engagement der Lehrer zu ignorieren und die Realschule zu schwächen“. Der Bürgermeister unterstrich, „wir setzen weiterhin auf eine höchst anerkannte Realschule mit der Möglichkeit die Schüler differenziert mit getrenntem Unterricht je nach Qualifikation zu fördern und mit einer entsprechenden Erweiterung des Personals“. Linkens hielt der SPD vor, „dass was sie machen ist eine Infragestellung der Realschule. Ich hoffe jetzt nur, dass Sie nicht auch noch das Gymnasium in Frage stellen“.

CDU-Sprecher Christoph Mohr wandte sich mit der Bemerkung an die SPD, „ich habe fest gehofft, Sie hätten mittlerweile zur Kenntnis genommen, dass eine Gesamtschule in Baesweiler nicht genehmigt wird. Bekennen Sie sich doch lieber zur Realschule“. Grünen-Chef Rolf Beckers: „Wir sehen eine Chance zur Entwicklung der Realschule. Wir haben eingesehen, dass eine Gesamtschule in Baesweiler nicht genehmigt wird.

Zu einer Weiterentwicklung gehört aber auch die Ganztagsbetreuung an der Realschule“. Realschulleiter Jan Braun merkte stolz an, dass auch die Eltern der insgesamt 763 Schüler eine hohe Akzeptanz der Arbeit bekunden und sehr zufrieden sind. Dagegen stellte sich die Sprecherin der „Linke“, Marika Jungblut auf die Seite der SPD und sprach sich für die Gesamtschule aus. Unterlegt mit der Begründung, dem Auspendeln von Schülern vorzubeugen und den Blick auf das große Neubaugebiet „Kloshaus“ zu haben.

Wilhelm Merschen, Leiter des Gymnasiums in Baesweiler, machte Strank darauf aufmerksam, dass die Einrichtung einer Gesamtschule zwei Oberstufen bedingen würde. Nebeneinander könnten diese aber nicht existieren, warnte Merschen. Vor der Abstimmung des Antrages wehrte sich Strank dagegen, „wir reden die Realschule nicht in Grund und Boden. Wir wollen aber die Möglichkeit einer Beratung durch die Bezirksregierung“.

Mehrheitlich lehnte der Zusammenschluss aus CDU, Grünen und FDP das SPD-Ansinnen ab und bekannten sich zur Verwaltungsvorlage. SPD und Linke lehnten diese Vorlage ab.

(mas)
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