Alsdorf: Ausstellung „Schwarzes Gold“ bereichert Energeticon

Alsdorf: Ausstellung „Schwarzes Gold“ bereichert Energeticon

Die Eröffnung des neuen Dokumentationszentrums für historische und erneuerbare Energieformen (Energeticon) auf dem ehemaligen Bergbaugelände an der Ecke Konrad-Adenauer-Allee/Herzogenrather Straße findet nicht wie ursprünglich geplant im August, sondern offiziell erst am 8. September statt. „Grund sind keineswegs Verzögerungen beim Ausbau“, stellte jetzt Bürgermeister Alfred Sonders klar.

Vielmehr soll die Einrichtung, die sich auch als Tagungs- und außerschulischer Lernort profilieren will, dann öffnen, wenn nach den Sommerferien der Unterricht wieder angelaufen ist, und Lehrer als wichtiges Klientel gezielt vom Energeticon angesprochen werden können, wie Sonders sagte.

„Vermächtnis unserer Ahnen“

Bis dahin wird im alten Fördermaschinenhaus von Anna II auch die sehenswerte Zusatzausstellung „Schwarzes Gold“ installiert sein. „Dieser Baustein passt bestens ins Energeticon hinein“, sagte Energeticon-Geschäftsführer Harald Richter bei der Vorstellung des Konzepts. Projektleitung und Planung hierfür haben Akteure des Vereins „Pro Energeticon“, der Alsdorfer Geschichtsverein sowie die Agentur Pixelcowboys geleistet. Namentlich hob Bürgermeister Sonders, der Vorsitzender des Energeticon-Vereins ist, die Leistung von Regionalhistoriker Rudolf Bast und Vorstandsmitglied Hans Vorpeil, die fleißig aus verschiedensten Quellen Karten und Fotomaterial sammelten sowie die Texte verfassten, sowie von Nijaz Ganic von den Pixelcowboys hervor, der für die grafische Umsetzung sorgt.

Die Ausstellung „Schwarzes Gold“ trägt den Untertitel „Die Gewinnung ist das Vermächtnis unserer Ahnen“. Dabei wird die Präsentation, die an einer Hallenwand nahe der ehemaligen Fördermaschine in Form eines Triptychons („dreigeteiltes Gemälde“, d. Red.) aufgehängt wird, wie ein Altar. Und um im Bild zu bleiben: Anstelle einer Bibel wird ein sogenanntes „Klappbuch“ ausgelegt, in dem Besucher der Präsentation unter zugeordneten Nummern Näheres zu den bildlichen Darstellungen vor ihnen nachlesen können.

Unternehmerische Geschichte

Themenfelder sind dabei zum einen die Kohlegewinnung in der Wurmmulde von den ersten schriftlichen Zeugnissen an, zum anderen die Dokumentation des Indereviers und drittens als Höhepunkt der Darstellung die Entwicklung des Steinkohlebergbaus in Alsdorf.

Diese Dauerausstellung ergänzt den bergmännischen Teil der Kernausstellung des Energeticon, wie herausgestellt wurde. Während in der Kernausstellung Tätigkeiten, Traditionen und Lebensumstände der Kumpel dargestellt werden, geht es bei „Schwarzes Gold“ darum, die unternehmerische Geschichte zu vermitteln. Dabei wurde bereits seit dem Hochmittelalter hier in Alsdorf Kohle „geschürft“. Hier durfte jeweils der Besitzer des jeweiligen Areals die dort zu findenden Mineralien, also auch Kohle, unter seiner Fläche gewinnen. Dem französischen Kaiser Napoleon I. ist der Durchbruch zur groß-industriellen Steinkohlegewinnung in Alsdorf zu verdanken. Angesichts der Originalurkunde, die der EBV zwecks Anfertigung einer Reproduktion zur Verfügung stellte, geriet Regionalhistoriker Rudolf Bast ins Schwärmen. Napoleon erteilte am 1. November 1805 der Familie Englerth-Wültgens in Eschweiler die Konzession zum Abbau der Steinkohle nach französischem Bergrecht. Alle Kleinunternehmen in der Indemulde wurden so in der Hand der Unternehmerfamilie vereinigt. Damit war der Weg frei für den großflächigen Abbau auch unter Flächen, die in anderweitigem Besitz waren. Schlichtweg eine Revolution für die Bergbauindustrialisierung.

Und eine zweite „Revolution“ folgte ein paar Jahre später, wie die Ausstellung nachzeichnet. Christina Englerth, Witwe und Mutter von zehn Kindern, gründete 1834 die erste Familien-Bergwerks-Aktien-Gesellschaft in Deutschland, eben den Eschweiler Bergwerks-Verein. Und der EBV entwickelte sich zur größten und schließlich sogar zur einzig verbleibenden Bergwerksgesellschaft im Aachener Revier. Die Entwicklung setzte sich auch nach Ende der französischen Herrschaft über das Rheinland fort, weil das französische Bergrecht vom preußischen Staat übernommen wurde, und erreichte auch das Ruhrgebiet, wie Hans Vorpeil deutlich machte. So steht letztlich die Wiege des großflächigen Abbaus des schwarzen Goldes, also für das groß-industrielle Vorgehen hier in der Region.

Möglich wird die Realisierung des knapp 30.000 Euro teuren Projekts „Schwarzes Gold“ durch Sponsoren, so die RWE AG, die den Löwenanteil springen lässt, sowie die Sparkasse Aachen, die Aachener Bank und die EBV GmbH.