Alsdorf: Aus dem Tod wird Kunst

Alsdorf: Aus dem Tod wird Kunst

„Der Lebenslauf des Menschen besteht darin, dass er, von der Hoffnung genarrt, dem Tod in die Arme tanzt“, schreibt der Philosoph Arthur Schopenhauer in seinem Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“. Diesen Schleier der Hoffnung versucht Claudia Breuer mit ihrer Kunst ein wenig zu erheben.

Jetzt fand die Vernissage zur Ausstellung „Post mortem findings“ von Claudia Breuer in der Stadtbibliothek der Stadt Alsdorf statt. Kunstverein und Stadt zeigen die Werke der studierten Künstlerin, die an der RWTH Chemie studierte und Anfang der 1990er Jahre das Kunststudium an der ABK Maastricht absolvierte. Claudia Breuer stellte bereits in vielen Häusern aus, so in der Galerie Oberhausen oder bei der Contemporary Art Ruhr in Essen.

Tote Maus in der Wanne

Der Tod als Tabu. Über den Tod wird nicht gesprochen. Man setzt sich erst recht nicht mit ihm auseinander, geschweige denn noch in provozierend-künstlerischer Art und Weise, indem tote Insekten und präparierte Nager vermenschlicht, sie hübsch angezogen und in einen Schaukasten gesetzt werden. Erst recht nicht, indem eine Maus in einem Miniaturbad drapiert wird, liegend in der Wanne. Oder eine Spinne, zurechtgemacht und in kleine Schuhe gesteckt.

Von den Kunstkritikern als „nichtsaussagende Provokateurin“ verschrien, provoziert sie tatsächlich und erhitzt die Gemüter. Der Betrachter wird von ihr in diese menschenlose, dennoch vermenschlichte Welt gezogen und muss sich unwillkürlich mit dem Tod, mit dem Leben auseinandersetzen. Die vielen aufschreienden Stimmen, dass harmlose Tiere nicht als Kunstwerk missbraucht werden sollten, überhört Claudia Breuer, das stört sie nicht: „Ich mache was Schönes draus. Es ist doch besser, als sie in die Mülltonne zu schmeißen.“

An dieser Stelle muss der Interessierte zugeben, dass man das überfahrene Eichhörnchen im Straßengraben doch auch verrotten lässt und es nicht zeremoniell begraben würde. Wieso werden Hunde und Katzen wie Familienmitglieder behandelt, aber Kühe und Schweine massenhaft verschlungen? Also, warum ist unsereins so pikiert, wenn da eine ausgestopfte Ratte in Königskleidung thront? Claudia Breuer beschönigt nicht den Tod, macht sich weder lustig, noch ist sie pietätlos. Sie hat Biologie schon immer interessiert, hat sich das Präparieren beigebracht und macht Kunst damit. Ob man es schön findet oder gut, ist eine andere Sache. Wer sich ein Bild machen möchte, kann die Ausstellung bis zum 23. März in der Stadtbücherei Alsdorf besuchen.

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