August-Schmidt-Platz: Nach Bürgerinfo werden Pläne überarbeitet

August-Schmidt-Platz : Jetzt werden die Pläne nochmal angepasst

Lebhafte Diskussion bei der Bürgerinfo zum August-Schmidt-Platz: Das geplante Restaurant erscheint zu groß, die Parkprobleme müssen dringend gelöst werden.

Es muss seitens der Hausherren wohl eine gewisse Sorge bestanden haben, ob es im evangelischen Gemeindezentrum Geilenkirchener Straße zum allzu heftigen Schlagabtausch beim Pro und Kontra um einen Restaurantbau auf dem August-Schmidt-Platz kommen könnte. Bevor die Einlader – CDU, Grüne, FDP und Linke – in die Diskussion einstiegen, richtete Dr. Britta Schwering, Vorsitzende des Bevollmächtigtenausschusses der Lydia-Gemeinde, das Wort an die vielen Besucher, die den Saal füllten: Eine Diskussion auf Augenhöhe wünschte sie sich und appellierte zum „würdevollen Umgang miteinander“. Um es vorweg zu sagen: Dieser Wunsch wurde erfüllt, es blieb fair, wenn auch die Emotionen mitunter hochkochten. Sehr zur Freude von CDU-Fraktionschef Dieter Gronowski, der eingangs zum offenen, aber möglichst emotionsarmen Dialog aufgerufen hatte und im Anschluss bilanzierte: „Die Merksteiner sind schon in der Lage, sich auf einer guten Ebene auszutauschen.“

Zuvor hatten alle Beteiligten, neben den einladenden vier Parteien auch Bürgermeister Christoph von den Driesch und der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda, betont, dass in Sachen Überplanung des Platzes im Herzen Merksteins „noch nichts in Stein gemeißelt“ sei. Mit einem auf Basis „noch unausgewogener Vorstellungen“ in den sozialen Medien entstandenen Gerücht räumte der Bürgermeister von vornherein auf: nämlich dass angeblich Teile des Platzes veräußert werden sollen. „Der Platz bleibt öffentlich“, so von den Driesch. „Wir verkaufen keinen Zentimeter.“ Für das angedachte Restaurant sei vielmehr ein Erbbaurecht vorgesehen, über 30/40 Jahre, mit einer Rückbaupflicht. Das Grundstück falle dann automatisch an die Stadt zurück. Damit war auch die bange Frage aus dem Publikum beantwortet, was passiert, wenn das Restaurant-/Biergartenprojekt eines Tages einmal nicht mehr funktioniere. Wobei Dieter Gronowski den auf den Plänen eingezeichneten Restaurantblock als „Platzhalter“ kategorisierte. Zu voluminös und intransparent befand denn auch Grünen-Fraktionschef Dr. Bernd Fasel, der im übrigen die Moderation übernommen hatte, die bislang vorgesehene Restaurant-Dimension. Warum es denn zweistöckig angedacht sei, kam die Frage aus dem Auditorium. Der Blick aufs alte Rathaus sei damit verbaut. Im Wesentlichen Sozialräume habe er auf der zweiten Etage, die als Galerie angelegt sei, vorgesehen, erläuterte der potenzielle Investor, Tamer Basaran. Der bekanntlich just gegenüber dem Gemeindezentrum das gut besuchte Restaurant „Gelazzo“ betreibt, dessen Außengastronomie er gerne verbessern würde. Eindrucksvoll konnten die Teilnehmer des Ínfoabends im Vorfeld erleben, warum: Als sich nämlich die Bahnschranke vor der Einmündung Kirchrather Straße senkte und sich unmittelbar neben den Gästen der vollbesetzten Restaurant-Terrasse in kürzester Zeit rund 50 Autos stauten. Das „Gelazzo“ vor allem deswegen an einen anderen Standort zu verlegen, schwebt dem Gastronom vor, wie er auch im Gespräch mit unserer Zeitung darlegte. In den sozialen Medien, so schilderte Basaran den Anwesenden, sei ziemlich auf ihn eingetreten worden. Deswegen betone er, um entsprechenden Vorurteilen entgegenzutreten, keine Spielgeräte entfernen und auch keine Bäume fällen zu wollen. Am liebsten, so führt er weiter aus, würde er mit seinem Restaurant in Merkstein bleiben, wo er und seine Mitarbeiter sich sehr wohl fühlten. Und wo er eine Ergänzung auch für andere Player am August-Schmidt-Platz darstellen könnte. Von den Driesch: „Das Gelazzo belebt zurzeit die falsche Stelle an der Geilenkirchener Straße.“ Und solle tunlichst in der Mitte Merksteins bleiben, um eben auch die Gäste dort zu halten. Eine gut gehende Gastronomie abziehen zu lassen, könne keine Lösung sein, blickte der Bürgermeister nach Kerkrade, wo es im Zentrum eine Kneipe neben der anderen gebe und man sich „differenziert entscheiden“ könne, wo man Platz nimmt: „Konkurrenz belebt das Geschäft.“

„Konkurrenz belebt das Geschäft“

Was die Zuhörer wiederum auf ein Kernproblem am August-Schmidt-Platz brachte: die Parksituation. Zu teils dramatischen Problemen könnte der Gästeandrang führen. Schon heute sei der Parkdruck groß, werde zeitweise unter anderem in der Noppenberger Straße „bis zum Ende“ geparkt. Die Idee eines Parkhauses brachte Gronowski schließlich ins Spiel und schrieb sie der Verwaltung auf die Agenda, um auch dieses allgemeine Problem endlich zu lösen.

Unter anderem der Wunsch nach Picknick-Gelegenheiten statt noch mehr Gastronomie auf dem Platz gehörte zu den Eingaben der Skeptiker unter den Zuhörern: Um Familien und Senioren gerecht zu werden, die eben nicht das Geld hätten, ständig im Restaurant zu essen und sich statt dessen einmal eine Frikadelle von zu Hause mitbringen wollten. Was schließlich bei einer Merksteiner Unternehmerin die Hutschnur reißen ließ: „Wer setzt sich denn mit einer Frikadelle in den Park? Und wer räumt das hinterher alles auf?“, fragte sie und appellierte: „Wir können froh sein, dass hier etwas passiert und jemand etwas investiert!“ Und noch eine zentrale Frage kam seitens der Restaurant-Befürworter: „Wollen wir in zehn Jahren wieder hier stehen und nach Übach schauen, wo es funktioniert?“ Die letzte Wortmeldung des vorgerückten Abends beinhaltete schließlich gar eine provokative Bitte an den Gastronomen: „Wenn die hier den Platz überdachen und ein Altersheim draus machen, komm’ bitte zu uns nach Herzogenrath-Mitte!“

Fazit des Abends: Die derzeitigen Restaurant-Ausmaße werden allgemein als zu groß und zu intransparent empfunden. Ein Angebot des Besitzers der Action-Immobilie, fürs neue „Gelazzo“ gewerbliche Flächen in seinem Gebäude zur Verfügung zu stellen, könnte hilfreich sein. Unbedingt gelöst werden muss die Parkplatzsituation.

Hoffnungsfroh blicken Gronowski, Fasel sowie die Fraktionschefs von FDP und Linke, Björn Bock und Toni Ameis, nun auf die zu überarbeitenden Pläne, die im nächsten Bau- und Verkehrsausschuss zur Entscheidung vorgelegt werden sollen. Vorher lädt die Stadt zur Bürgerinformation: Mittwoch, 19. Juni, 19 Uhr, im Foyer der Dietrich-Bonhoeffer-Schule.

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