Herzogenrath: Auftakt zum Innovations- und Gewerbepark an der Bicherouxstraße

Herzogenrath : Auftakt zum Innovations- und Gewerbepark an der Bicherouxstraße

Besondere, öffentlichkeitswirksame Momente bedürfen einer besonderen Dramaturgie: Wo wäre das eindeutiger als bei ersten Spatenstichen? Neben Spaten in ausreichender Anzahl bedarf es dazu auch eines grabfähigen Untergrundes. Um denen, die die Spaten betätigen dürfen, den zeremoniellen Akt nicht allzu schwer zu machen.

Und da die Vetrotex-Brache nicht nur sortenrein abgeräumt, sondern auch noch ordentlich verdichtet hinterlassen worden ist, wurde dazu eigens ein stattlicher Haufen Quarzsand aus den naheliegenden Sandwerken angefahren. Quarzsand, wie er seinerzeit auf dem Gelände zum Einsatz kam, als hier noch der Schmelzofen von Vetrotex stand.

Der Anlass war ein besonders erfreulicher: Denn die Brache an der Bicherouxstraße wird es nicht mehr lange geben. Der erste Spatenstich am gestrigen Dienstagmittag markierte neben dem Baubeginn eines neuen Firmensitzes für die Essers Bedachungen GmbH gleichzeitig den Start für den Zuzug des neuen „Innovations- und Gewerbeparks Bicherouxstraße“.

Zwei weitere Grundstückskaufverträge sind unterschriftsreif, wie der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda darlegt. Für ein Messebauunternehmen und für eine Firma aus dem Bereich Hydraulik und Maschinenbau, wie er auf Nachfrage weiter erläutert. Insgesamt gebe es mindestens drei weitere Unternehmen mit konkreten Kauf- und Bauabsichten.

Einweihung im Dezember

Dass sie folglich nicht lange allein auf dem Gelände sein werden, freut auch die Bauherren, die beiden Geschäftsführer Rüdiger Wehr und Zijad Sinanovic, wie sie bekunden, bevor sie mit zum Spaten greifen. Im Juni sollen die Bauarbeiten beginnen, und voraussichtlich schon im Dezember abgeschlossen sein. Die Pläne für das Gebäude mit innenliegendem Büro- und Sozialtrakt in Massivbauweise mit Betonboden, Stahlskelett, Isowandelementen und einer „Trapezblech-Warmdacheindeckung“ stammen aus dem Architekturbüro Diplom-Ingenieur Josef Engelen aus Merkstein.

Der 21 Meter breite und 30 Meter lange Hallenkörper ist nah an die Grundstücksgrenze Bicherouxstraße herangerückt, um bei Bedarf nach hinten heraus vergrößert werden zu können, wie Rüdiger Wehr erläutert. Insgesamt hat die Firma Essers ein 2221 Quadratmeter großes Grundstück erworben.

„Es handelt sich um einen sehr ansprechenden Bauentwurf“, sagt der Technische Beigeordnete und verweist auf ergänzende Beratung der Aachener Planungsgruppe MWM in Kooperation mit den Bauherren.

Für das zu besiedelnde Gebiet gelten gestalterische Festsetzungen, die über das Übliche hinaus gehen: Die Bauflucht muss an der Straße entlang verlaufen, mit Gebäuden von mindestens sechs und höchstens zehn Metern Höhe. Zum Bebauungskonzept gehören überdies Gründächer. Alles Merkmale, so Migenda, „die Qualität in die Entwicklung bringen sollen“, denn die Bicherouxstraße gehöre noch in den Geltungsbereich des Integrierten Handlungskonzepts Herzogenrath-Mitte.

„Hochwertiges Gewerbe“ ist vorgesehen, „innovatives Handwerk“, wie Bürgermeister Christoph von den Driesch sagt. Denn an Ort und Stelle gehe es auch darum, eine herzeigbare Eingangssituation zu schaffen, „einen positiven ersten Eindruck“ für die Bahnreisenden bei der Einfahrt in den Eurodebahnhof. „Sehr froh“ zeigt sich der Bürgermeister auch darüber, dass die Firma Essers der Rodastadt treu bleibt, die an ihrem bisherigen Standort in Merkstein keine Erweiterungsoption mehr hatte.

Auf dem Dach des neuen Hallengebäudes an der Bicherouxstraße soll eine, von der Straße aus nicht sichtbare größere Photovoltaikanlage installiert werden. „So können wir künftig mithelfen, den CO2-Ausstoß zu verringern“, sagt Zijad Sinanovic. Und freut sich, künftig auch den Hauptkunden seines Unternehmens, Saint Gobain, in Sichtweite zu haben.

Die rund 15 322 Quadratmeter große Teilfläche 1 des ehemaligen Vetrotex-Geländes wird nach Paragraph 34 Baugesetzbuch bebaut, wie Migenda erklärt. Will heißen: Hier gibt es keinen Bebauungsplan, sondern wird gemäß Gestaltungssatzung gebaut.

Für die doppelt so große Teilfläche 2 im hinteren Bereich ist der Bebauungsplan zur Beschlussreife gediehen, werden Fördermittel in Höhe von 65 Prozent für die Erschließung fest erwartet, wie von den Driesch sagt, „der entsprechende Bescheid kann jederzeit kommen“.

Seitens der Stadt beantragt worden sind Mittel aus dem Regionalen Wirtschaftsförderungsprogramm (RWP), hinter dem sich unter anderem die Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ verbirgt. Bei einem Grundstückspreis von 30 Euro pro Quadratmeter sei Förderung unabdingbar, so der Bürgermeister, um das Gelände wirtschaftlich vermarkten zu können.

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