Alsdorf: Auf Herz und Nieren geprüft: Alsdorfer Gymnasium beim Schulpreis

Alsdorf: Auf Herz und Nieren geprüft: Alsdorfer Gymnasium beim Schulpreis

Papier ist geduldig — das gilt für Steuererklärungen wie für Bewerbungen. Zweites hatte auch das Gymnasium Alsdorf abgegeben, und zwar beim „Deutschen Schulpreis 2013“, den mit insgesamt 243 000 Euro höchstdotierten Schulwettbewerb Deutschlands, initiiert von der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung.

Eingezogen in die Runde der 20 Finalisten, kann sich nun das Städtische Gymnasium in Alsdorf als potenziell beste Schule Deutschlands berechtigte Hoffnungen auf den Hauptpreis — satte 100.000 Euro — machen. Doch auch die bis zum 15. Platzierten gehen nicht leer aus, unter ihnen wird der Rest des Geldes verteilt. „Doch es geht uns bei diesem Wettbewerb nicht um das Geld, sondern um die Anerkennung für unsere Arbeit“, sagt Direktor Wilfried Bock. Ein weiteres Bonbon: Ein Besuch bei der Kanzlerin in Berlin am 3. Juni winkt den Finalisten ebenfalls — zur Belohnung.

Schild Foto: Holger Bubel

Den Schritt unter die Top 20 der Bewerber — von Grundschulen, weiterführenden Schulen bis zu Berufskollegs — hat die Alsdorfer Lehranstalt unter Leitung von Wilfried Bock jedenfalls schon geschafft.

Ein sechsköpfiges pädagogisches Experten-Team von Heidehof- und Robert-Bosch-Stiftung hat sich deshalb nun ein eigenes Bild gemacht vom „geduldigen Papier“. Dieses beinhaltete die Botschaften und Ziele des Dalton-Konzepts, das am Alsdorfer Gymnasium seit einigen Jahren praktiziert wird: selbstständig lernen, Verantwortung übernehmen, soziales Miteinander praktizieren.

Vor Ort machte die Jury sich zwei Tage lang ein Bild von Schule, Schülern und Kollegium. Auch Gespräche mit Elternvertretern, Unterrichts- und Projektbesuche standen auf dem strammen Programm der auswärtigen Experten.

Das Lächeln auf dem Gesicht von Schulleiter Wilfried Bock verriet nach der nicht-öffentlichen Abschlussbesprechung mehr als die Verlautbarungen der Jury. Schlecht schien der Besuch jedenfalls nicht abgelaufen zu sein. Ohne sich in die Karten schauen zu lassen — schließlich müssen bis zur Kür des Siegers alle 20 Teilnehmer nach gleichen Kriterien und objektiv begutachtet werden — lupften die Experten doch ein wenig den Vorhang und deuteten an, dass sie mit der Dalton-Schule und dem umgesetzten Schulalltag durchaus etwas anfangen konnten: „Wir waren sehr neugierig auf dieses Konzept. Viele Fragen sind beantwortet worden. Das sieht alles sehr vielversprechend aus hier“, lobte Experte Dr. Wolfgang Beutel.

Erziehungswissenschaftlerin Dr. Maike Reese erläuterte die Kriterien, nach denen sie und ihre Expertenkollegen die 20 Finalisten auf Herz und Nieren prüfen: „Grundlage des Wettbewerbs ist ein umfassendes Bildungsverständnis, das in sechs Qualitätsbereichen von uns geprüft wird: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution.“ Vor allem von der Entwicklung der Schule war die Jury angetan, stand das Gymnasium doch „vor zehn Jahren noch vor der Schließung“, wie Dr. Reese anmerkte.

Überzeugend — so viel durften die Experten verraten — war in ihren Augen, dass das Dalton-Konzept die Schule sehr transparent mache, zudem die Möglichkeit böte, Unterrichtsausfälle zu kompensieren. Zum Gelingen des Dalton-Konzeptes bedürfe es einer hohen Kooperationsbereitschaft im Kollegium, die man auch vorgefunden habe.

Das in Alsdorf vorgefundene „schlüssige Dalton-Konzept“ (Professor Dr. Thomas Häcker) könnte auch andere Schulen zur Öffnung anregen: „Hier kann man sich was abgucken.“

Und noch ein ganzes dickes Lob von Dr. Maike Reese gab es zum Abschied: „Diese kollektive Veränderungsfreude wie hier ist nicht selbstverständlich für ein Gymnasium.“