Nordkreis: Auch drei Todesfälle mit Grippenachweis verzeichnet

Nordkreis : Auch drei Todesfälle mit Grippenachweis verzeichnet

Die Grippewelle befindet sich nach Einschätzung des Gesundheitsamtes der Städteregion Aachen auf dem Höhepunkt. Zurzeit gebe es im Vergleich zu den Vorjahren außergewöhnlich hohe Zahlen. Während in der Saison 2015/16 in der Städteregion 108 Influenza-Fälle und 2016/17 noch 184 Fälle gemeldet worden sind, sind es aktuell schon 335.

Letztlich könne die Ursache für diese hohen Zahlen nicht genau erklärt werden, sagt etwa der Allgemeinmediziner Dr. Frank Moeris aus Roetgen. „Eine mögliche Ursache könnte sein, dass die jetzt zirkulierenden Virenstämme nur teilweise durch den im Oktober zur Start der Grippesaison herausgegebenen Impfstoff abgedeckt sind. Die wissenschaftliche Vorhersage, welche Influenzavirus-Stämme in einer bevorstehenden Saison tatsächlich zirkulieren werden, ist mit Unsicherheiten verbunden“, sagt Moeris.

Auch in seiner Praxis ist momentan „spürbar mehr los“. Überdurchschnittlich viele Patienten mit Grippesymptomen suchten zurzeit den Arzt auf, was dann oft mit längeren Wartezeiten verbunden sei.

Auch das Rhein-Maas-Klinikum (RMK) in Würselen verzeichnet einen deutlichen Anstieg an Grippe-Patienten, die über die Notaufnahme kommen. Im Januar und Februar waren es 40 Fälle, davon acht des Typs A und 32 des Typs B. 2017 sind es insgesamt sechs Fälle gewesen. 15 Patienten mussten in diesem Jahr auf der Intensivstation behandelt werden, wie Pressereferent Thomas Jansen auf Anfrage mitteilt.

Bei ohnehin geschwächten Patienten kann Grippe gefährlich werden, so verzeichnete das RMK bislang drei Todesfälle mit Grippenachweis. Diese Zahl sei keineswegs alarmierend, relativiert Jansen. Die Betroffenen seien bereits durch eine schwere Krankheit vorbelastet gewesen. Im vergangenen Jahr hat es keinen „grippeassoziierten“ Todesfall im RMK gegeben.

Januar und Februar stellten ohnehin die intensivste Phase dar, was die Patientenzahl angehe, 2018 indes sei eine Erhöhung der Zahlen von bis zu 15 Prozent registriert worden. Was sich auch auf das Personal niederschlägt, das, ebenfalls durch Krankheit minimiert, zurzeit Doppelschichten arbeite, zwischen den Stationen rotiere oder freiwillig auf Urlaub verzichte, so Jansen, „um die Versorgung der Patienten sicherzustellen“.

Er versichert: „Aufnahmen sind weiter möglich, der Betrieb läuft auf allen Stationen weiter.“ Nach Aussagen von Dr. Friedrich Hölzl, Leiter der interdisziplinären Notaufnahme des RMK auf Marienhöhe, wird nur rund ein Prozent der Grippefälle in Deutschland tatsächlich enttarnt, gebe es demnach eine hohe Dunkelziffer.

In den Kindertagesstätten der Städteregion gibt es ebenfalls einen hohen Krankenstand, beim Personal und bei den Kindern. „Aber wir mussten noch keine Gruppe schließen und konnten das bislang vernünftig organisieren“, sagt Holger Benend von der Pressestelle der Städteregion.

(ag/bea)
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