Würselen: „!Au Banan“ auf Burg Wilhelmstein wiederaufleben lassen

Würselen : „!Au Banan“ auf Burg Wilhelmstein wiederaufleben lassen

Zwar ist die Kleinkunstreihe „!Au Banan“ seit dem Herbst 2016 offiziell Geschichte, jedoch schien die Sehnsucht nach den alten Zeiten bei Kabarettist Wendelin Haverkamp letztlich doch zu groß geworden zu sein. Da einige Freunde von damals „zufällig“ in der Region verweilten, entstand ohne Umschweife ein inoffizielles Revival der Reihe zur „Summertime“ auf der Burg Wilhelmstein.

Neben Horst Evers — 1998 als absoluter Nobody der Szene erstmals Gast auf der Bühne im Aachener Jakobshof — traf Haverkamp auch Jochen Malmsheimer wieder. Den gebürtigen Essener verschlug es im Jahr 2000 das erste Mal zu den Kollegen von „!Au Banan“. Beide Kumpanen erlebten mit den Jahren einen wahrlich rasanten Karriereaufstieg und spielen in Sachen Kabarett zusammen mit Haverkamp seit langem in der ersten Liga.

Mit der berühmten „Berliner Schnauze“ schaffte es Evers in aberwitziger Manier, seinen gebannt lauschenden Zuhörern binnen Minuten die Welt zu erklären — zumindest die des kleinen Mannes zwischen Haushaltsgeräten und Deko-Artikeln. Hatte man zwischen den eigenen Lachanfällen noch genug Luft zum Nachdenken, konnte das Gehörte (fast) ein komplettes Coaching-Seminar ersetzen.

Die Messlatte lag also hoch und das gut gelaunte Publikum erwartete in der typischen Picknick-Atmosphäre auf den Rängen gespannt das „Alphatier“ des Trios. Wendelin Haverkamp war mehr Moderator als klassischer Kabarett-Redner.

Im ständigen Austausch mit dem stimmgewaltigen Publikum bekam nicht nur Facebook-Chef Mark Zuckerberg gehörig sein Fett weg. Auch die Problemmeiler Tihange und Doel wurden mit fein abgestimmten Spitzen beschossen. Frei nach dem Motto: Angst lähmt — Humor lässt ungeahnte Kräfte frei.

Bevor der Dritte im Bunde seinen eigenen Gourmet-Senf dazugeben durfte, soll an dieser Stelle die musikalische Begleitung nicht unerwähnt bleiben. Ebenfalls im Trio angereist, umschmeichelte Dieter Kasparis „Blues Bajàsch“ die Ohren der Zuhörer.

„Öcher Blues“

Der Lokalmatador brachte zusammen mit Uwe Böttcher und Mark Beumers den „Öcher-Blues“ zurück in den Nordwesten Bardenbergs. „Vuer fahre met de Tram“ — nur ein Titel aus dem mitreißenden Repertoire.

Hochkaräter Nummer drei aus dem Kabarett-Bezirk zielte vor allem auf die sportliche Motivation des Publikums ab. Auch wenn er auf den ersten Blick nicht so ganz der Idealvorstellung eines Hochleistungssportler entspricht — er hat Wege und Mittel gefunden, seinem Körper zumindest den Begriff „Sport“ zugänglicher zu machen.

Die Krux besteht darin, mit eher unbekannten und untypischen „Trendsportbezeichnungen“ den eigenen „Kadaver“ auszutricksen. „Solange mein Körper nicht merkt, dass er Sport macht, ist er zu allem bereit.“

Das große Wiedersehen auf der Freilichtbühne endete in tosendem Applaus. Hätten Haverkamp, Evers und Malmsheimer ihre Reserven in Sachen Zugabe gänzlich ausgeschöpft, sie wären wohl heute noch auf der Bühne.

Der Abschnitt Kabarett bei der diesjährigen „Summertime“ hat famos begonnen — mit schwer zu übertreffenden Angriffen auf die Lachmuskeln.

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