Herzogenrath: Argumente gegen Ostalgie und Verklärung

Herzogenrath: Argumente gegen Ostalgie und Verklärung

Sie kann auf ganz persönliche Erfahrungen mit dem Regime der DDR zurückblicken. Und die sind alles andere als positiv. Ihr Martyrium hat Eva-Maria Neumann in einem Buch niedergeschrieben.

Dessen Titel „Sie nahmen mir nicht nur die Freiheit” lässt schon Übles ahnen, ohne eigentlich viel zu verraten. Der Verklärung der Diktatur im Zuge der Ostalgie-Welle will sie mit ihrem Werk und den Lesungen, die sie in der ganzen Bundesrepublik hält, als Wellenbrecher begegnen. Auf Burg Rode hat sie, zum Abschluss der Ausstellung „Die heile Welt der Diktatur? Herrschaft und Alltag in der DDR”, aus ihrem Buch vorgelesen.

Klar haben viele der 30 Interessierten im Saal nicht zum ersten Mal von einer gescheiterten Flucht und anschließender Gefangennahme gehört. Dem Opfer aber gegenüber zu sitzen, zu sehen, wie Neumanns Gesicht während des Lesens arbeitet und ihre Worte unterschiedlich ausleuchtet - das hat eine andere Qualität.

„Ich hatte eine glückliche Kindheit. Aber ich hatte sie trotz DDR, nicht wegen ihr”, betont die Geigerin. Irgendwann wurde der Drang nach Freiheit und der Abscheu dem Regime gegenüber zu groß. Den Entschluss, zusammen mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter zu fliehen, sollte sie jedoch bereuen. Die Flucht wurde verraten, die Eltern getrennt voneinander weggesperrt und das Kind zu den Großeltern gesteckt.

Was folgte, waren Verhöre, war Isolationshaft und menschenunwürdige Behandlung. Erst drei Jahre später konnte die Bundesrepublik Neumann freikaufen und sie im Westen aufnehmen.