Würselen: Aquana Würselen: Staatsanwalt ermittelt

Würselen : Aquana Würselen: Staatsanwalt ermittelt

Wegen des Verdachts der Untreue ermittelt die Aachener Staatsanwaltschaft gegen zwei Verantwortliche des Freizeitbads Aquana in Würselen. Es geht um leitende Mitarbeiter des Betreibers, der Euregio Freizeitbad Würselen GmbH & Co. KG.

So soll in einem Fall „Eigenbedarf“ über ein Geschäftskonto bezahlt worden sein. Im anderen Fall soll es um ein „geringfügiges Beschäftigungsverhältnis“ gehen. Hier besteht der Verdacht, dass die bezahlte Arbeitsleistung gar nicht erbracht wurde, wie es hieß.

Die Polizei hat den Stand ihrer Ermittlungen am 29. August der Staatsanwaltschaft zur weiteren Beurteilung weitergelegt, wie Pressesprecher Paul Kemen auf Anfrage unserer Zeitung sagte.

Staatsanwalt Dr. Jost Schützeberg bestätigte lediglich den Vorgang, ohne konkret auf die Tatvorwürfe und weitere Details der Ermittlungen einzugehen. So ist nicht klar, wie hoch der Schaden und über welchen Zeitraum Geld der Gesellschaft für Eigenbedarf veruntreut worden sein sollen. Es werde sicherlich noch einige Wochen dauern, bis sich die Staatsanwaltschaft ein Bild von den Vorgängen gemacht hat. Demzufolge sei noch völlig unklar, ob sich der Verdacht wirklich erhärtet und dies zu einer Anklage führt. Staatsanwalt Schützeberg stellte klar, dass die Unschuldsvermutung gelte.

Vorwürfe überprüfen

Sollte es indes zu einem Gerichtsverfahren kommen, so könnte grundsätzlich das Strafmaß für Untreue von einer Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren reichen.

„Ein besonders schwerer Fall“ würde vorliegen, wenn ein „Amtsträger“, also zum Beispiel ein Mitglied der (erweiterten) Geschäftsführung, seine besondere Vertrauensposition und damit Verantwortung missbraucht hat. Hier könnte eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren drohen.

Anfang August hatte Bürgermeister Arno Nelles (SPD) in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der kommunalen Gesellschaft die ihm bekannt gewordenen Vorwürfe und entsprechend mutmaßlichen Vorgänge zur Anzeige gebracht, wie er auf Anfrage gegenüber unserer Zeitung bestätigte. „Ich habe die Staatsanwaltschaft konkret gebeten, entsprechende Vorwürfe zu überprüfen. Es muss geklärt werden, ob da was dran ist.“

Zuvor hatte er bereits im Juli bei der Staatsanwaltschaft nachgefragt, ob es irgendwelche laufende Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem Aquana gebe. Nelles habe dabei erfahren, dass es in der Vergangenheit bereits mehrfach anonyme Anzeigen im Zusammenhang mit dem Aquana gegeben habe, bei denen aber die Behörde jeweils keinen hinreichenden Anfangsverdacht habe feststellen könne, der zu einem entsprechenden Ermittlungsverfahren geführt hätte.

Aufsichts- und Fürsorgepflicht

Auch diesmal hofft Nelles, dass an den Vorwürfen nichts dran ist und spricht wie auch die Staatsanwaltschaft von gebotener Unschuldsvermutung. Aus Gründen der Aufsichtspflicht über die Gesellschaft — der Aufsichtsrat besteht aus Stadtverordneten und sachkundigen Bürgern — und Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern sei es geboten, entsprechende Vorwürfe nachhaltig zu klären.

Nelles bestätigte, dass der bisherige Geschäftsführer seit Frühsommer im Krankenstand ist. Mittlerweile habe Claus Nürnberg von der Eisele & Degen Consulting Gesellschaft mbH aus Aachen auftragsgemäß vorübergehend die kaufmännische Geschäftsführung der Euregio Freizeitbad Würselen übernommen. Da wohl mit Blick auf die Krankheit des bisherigen Verantwortlichen und dessen anstehender Verrentung nicht mehr mit dessen Rückkehr an den Arbeitsplatz zu rechnen sei, werde die Ausschreibung der Position in den nächsten Monaten vorbereitet. Nach Neubesetzung sei die Aufgabe des Interimsgeschäftsführer Nürnberg erfüllt.

Einen Zusammenhang von Vakanz der Geschäftsführung und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sieht Nelles nicht. Vielmehr hätten externe Medien, die das Aquana aufgesucht hätten, um im Zuge des Bundestagswahlkampfes über das Freizeitbad und die Rolle des ehemaligen Würselener Bürgermeisters und SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz zu berichten, für außerordentliche Belastungen gesorgt. Letztlich habe Nelles „zum Schutze der Mitarbeiter dort“ untersagen müssen, dass weitere Fernsehreporter im Aquana auftauchen.

Die zweite Person, gegen die ermittelt werde, sei weiterhin im Dienst, aber bis auf weiteres nicht mehr mit den Aufgaben betraut, die im Zusammenhang mit dem Verdachtsmoment stehen.

Der Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende will das Ergebnis der staatsanwaltlichen Ermittlungen in Sachen Verdacht auf Untreue abwarten. Dann erst sei klar, ob es wirklich strafrechtliche Konsequenzen gibt. Disziplinarische Maßnahmen würden sich daran orientieren.

Gegebenenfalls werde dann auch mit Hilfe eines Wirtschaftsprüfers eine spezielle Revision stattfinden.

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