Aquana Würselen: Finanzielle Lage des Freizeitbades

Schwieriges Jahr fürs Aquana : Nach Rückschlägen läuft die Aufholjagd

Wie steht es wirtschaftlich um das Freizeitbad Aquana der Stadt Würselen, das wie andere Einrichtungen dieser Art schwerlich ohne Zuschüsse zu betreiben ist? Für das Abrechnungsjahr 2017 liegt die Verlustabdeckung durch die Stadt Würselen „im geplanten Verlauf“, wie Stadtkämmerer Ludwig Bremen betont.

Aber für das zu Ende gehende Jahr warnt Aquana-Geschäftsführer Claus Nürnberg vor zu großen Erwartungen. Das hat seine Gründe.

Die Stadt Würselen ist alleiniger Gesellschafter des Aquana, in dem auch Schulschwimmen stattfindet und Mitglieder von Vereinen trainieren. Laut Abrechnung des Wirtschaftsjahres 2017 belaufen sich die Zahlungen an das Aquana nach Angaben der Stadtverwaltung auf 990.000 Euro. Die Verlustabdeckung insgesamt beträgt 1,2 Millionen Euro. Das liegt im erwarteten Bereich, hieß es im Finanz- und Beteiligungsausschuss. Geschäftsführer Nürnberg warnte dort auf Nachfrage von Theo Scherberich (UWG) vor zu großen Erwartungen für das laufende Jahr. Ist der Zuschussbedarf von 2017 zu halten oder sinkt er sogar für das laufende Jahr?

Das wird schwer, denn der Sturm „Friederike“ im Januar und die Folgen haben der Betreibergesellschaft Euregio Freizeitbad Würselen GmbH & Co. die Bilanz kräftig „verhagelt“. Bekanntermaßen wurde die Dachhaubenkonstruktion der Anlage beschädigt, so dass das Bad vorsorglich wochenlang gesperrt werden musste. Im Stadtrat wurde um die Sanierung der 20 Jahre alten Anlage und das jahrelange Defizit im laufenden Betrieb teilweise heftig gestritten. Ein achtjähriges Kind ertrank, wenig später wurde ein Kleinkind gerade noch gerettet. Jeweils nicht die Schuld der Betreiber, wie festgestellt wurde. Aber das führte in der Summe zu einem Imageproblem. Also stürmische Zeiten im und um das Freizeitbad.

Wie geht es mit dem Aquana weiter, das pro Jahr bislang rund 300.000 Gäste zählte? Eine (Teil-)Antwort gab Geschäftsführer Nürnberg und sein Team bereits durch eine Reihe von Aktivitäten in den letzten Monaten, die Scherberich als positiv würdigte und „zart“ fragte, ob sich das denn schon bemerkbar machen würde in der Hoffnung, dass bald mal der Zuschussbedarf geringer ausfällt. Nürnberg, der seitens der Aachener Eisele & Degen Consulting GmbH im Auftrag des Aquana-Aufsichtsrats die Geschäfte führt, gab zwischenzeitlich beim Marketing Gas und das Aquana wurde Austragungsort des regionalen Rennrutschen-Cups. Er erweiterte die Angebote und will die „Kompetenzen des Aquana als Schwimmbad und Freizeitzentrum ins Blickfeld zu rücken und mit neuen Angeboten die Auslastung erhöhen“, so Nürnberg gegenüber unserer Zeitung. Allerdings betonte er im Ausschuss: „Wir mussten Anfang des Jahres mit dem neuen Konzept bei minus 100 starten. Wir laufen derzeit noch hinter dem Vorjahr her und müssen schauen, was wir im Endspurt bis Ende 2018 noch schaffen.“

Claus Nürnberg, Geschäftsführer des Freizeitbades Aquana in Würselen, versucht, das Defizit im laufenden Jahr möglichst gering zu halten. Foto: Karl Stüber

Das modifizierte Konzept zeige dessen ungeachtet „positive Spuren“. „Die Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit ist besser geworden.“ In den sozialen Medien seien von zehn Bewertungen neun positiv. Permanent hätten die Besucher des Aquana die Möglichkeit, vor Ort Fragebögen auszufüllen, um die Besuche zu bewerten und Anregungen für Verbesserungen zu geben. Hier gebe es „sehr viel Input und positive Resonanz“. Mehr Besucher blieben länger und würden so für mehr Umsatz in der Gastronomie sorgen. Viele Gäste, die das Aquana zuletzt verloren habe, seien mittlerweile wieder zurückgewonnen worden. „Wir haben bei den Besucherzahlen Wellenbewegungen mit zweistelligen Werten erlebt“, dies zeigt Nürnberg, dass Aktionen sehr wohl ankommen. „Wir bemühen uns gerade gegenüber den Würselener Bürgern um eine bessere Bewertung. Es hat sich viel verändert“, sagte Nürnberg. Viele neue Kontakte seien zu Vereinen geknüpft worden.

Eine Erfolgsgeschichte ist zum Beispiel die neue Schwimmschule für Kinder, wofür zwei Mitarbeiter speziell geschult wurden. War das zuvor eine „privatwirtschaftliche“ Initiative, hat das Aquana die Aufgabe an sich gezogen, so Nürnberg. „Das bleibt nun auch finanziell bei uns hängen. Wir klettern derzeit einen Berg hoch und sind bei weitem noch nicht oben angelangt.“ Das Team des Aquana sei hoch motiviert.

Und was ist möglich? Die Kapazität würde 60.000 bis 70.000 pro Jahr mehr hergeben, sagte Nürnberg zuletzt gegenüber unserer Zeitung. Mittelfristig setzt das Aquana auf Synergieeffekte mit dem geplanten neuen Sportzentrum, das in unmittelbarer Nachbarschaft gebaut werden soll und im Kern drei Fußballplätze sowie eine für Wettkämpfe geeignete Leichtathletikumlaufbahn umfasst – nebst Vereinsheim, Umkleidekabinen und Gastronomie.

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