Alsdorf: Alsdorfer Schüler positionieren sich gegen Rassismus

Alsdorf: Alsdorfer Schüler positionieren sich gegen Rassismus

Die Musik läuft. Langsam kommt ein Mädchen mit gesenktem Kopf in den Klassenraum. Die anderen Schüler stehen auf und umzingeln sie, bis sie in der Mitte nicht mehr zu sehen ist. „Beim Auftritt wollen wir zu Beginn alle schwarze Sachen tragen“, erklärt eine Schülerin.

„Das Mädchen, das umringt wird, soll als einzige weiße Anziehsachen anhaben. Darunter tragen wir alle graue T-Shirts, die wir am Ende präsentieren. Das soll zeigen, dass es bei uns keine Schwarzweißmalerei gibt — wir sind alle gleich.“

Nicht nur Zaungäste

Der Philosophiekurs der Einführungsphase am Gymnasium der Stadt Alsdorf probt mit großem Einsatz seinen Auftritt für kommenden Freitag, 20. April. Im Rahmen des Programms „Geschichte verstehen — Zukunft gestalten“, das von der Volkshochschule Nordkreis, vom Geschichtsverein Baesweiler und in Zusammenarbeit mit Enno Schwank vom Historischen Institut der Universität Köln auf die Beine gestellt wurde, haben sie ein Ziel: nachhaltig auf Rassismus und die Gefährdung der Demokratie hinzuweisen und dagegen anzusteuern.

„Für uns war es wichtig, dass ein generationsübergreifender Dialog entsteht“, erklärt Jana Blaney von der VHS Nordkreis. „Die Schüler sind dabei nicht nur Zaungäste, sondern gestalten das Programm aktiv mit.“

Geschichtslehrerin Eva Walter organisiert gemeinsam mit ihren Kollegen Svenja Trockel, Heike Zimmermann und Utz Klöppelt die Umsetzung des Schülerprojektes. „Es war ganz leicht, genügend Schüler für das Programm zu gewinnen“, erzählt Walter.

Sie habe den Schülern Ausschnitte aus dem Film „Mo und die Arier“ gezeigt. Die Regisseurin und Schauspielerin Mo Asumang hatte nach rechtsradikalen Anfeindungen beschlossen, rassistisch eingestellte Menschen direkt zu konfrontieren und die Reaktionen sowohl in Buch- als auch in Filmform zu dokumentieren.

Dem 16-jährigen Anouar Morrhad ist dieser Film noch gut in Erinnerung geblieben: „Ich hatte zum Glück noch nie Probleme mit ausländerfeindlicher Ausgrenzung, aber ich finde das Thema interessant, und es ist wichtig, darüber zu sprechen.“ Auch sein Mitschüler Sven Leichtweis hat eine klare Meinung zum Thema Rassismus: „Das passt einfach nicht in unsere Gesellschaft — wir müssen dagegen etwas unternehmen.“

Aus dieser Motivation heraus entstand ein buntes Programm für das kommende Wochenende. Freitag ist mit den vierzig Schülern ein sogenannter emotionaler Einstieg geplant, bei dem mit oben beschriebener Performance die Veranstaltung eröffnet wird.

Viele Ideen

„Es gab so viele Ideen, dass wir gar nicht alles umsetzen konnten“, erfreut sich Lehrerin Walter. Als Hauptgast hat den Schülern Mo Asumang für den Abend zugesagt, mit der neben einem Interview auch ein sogenannter Fünf-Minuten-Ticker geplant ist. Dabei lesen die Schüler Asumang teils provokante aber auch zielorientierte Sätze vor, die sie beenden muss.

Die anschließende Diskussionsrunde ist für die Schüler eine besondere Herausforderung: „Das ist natürlich etwas schwierig, aber die Schüler haben an alles gedacht — falls es zu schleppend laufen sollte, haben sich einige von ihnen schon vorher ins Publikum gesetzt, um die Diskussion mit Anmerkungen anzustoßen“, erläutert Walter. Auch eine vorher durchgeführte Umfrage in der Schule soll ins Abendprogramm miteinfließen. Zum Abrunden der Veranstaltung kann sich dann noch jeder Besucher an den „Gedanken zum Mitnehmen“ bedienen — kurze Zitate von Schriftstellern oder Philosophen, die zum Nachdenken zu Hause anregen sollen.

Samstag folgt dann ein wissenschaftlicher Teil. Historiker und Soziologe Tim Ohnhäuser von der Universität Köln wird einen Blick auf die nationalsozialistische Vergangenheit werfen und bei der anschließenden Diskussionsrunde Rede und Antwort stehen. „Diese Vorträge sehen wir als Vehikel zur heutigen Situation, wir wollen immer gegenwartsbezogen arbeiten“, betont Günter Pesler vom Geschichtsverein Baesweiler.