Urteil im Gerichtsstreit zwischen SV Hoengen und Stadt Alsdorf

SV Hoengen gegen Stadt Alsdorf : Nächstes Kapitel im Derby vor Gericht

In immer neuen gerichtlichen Auseinandersetzungen mit der Stadt Alsdorf geht es dem SV Hoengen um Geld und Gleichbehandlung. Mit dem Urteil, das in der jüngsten Auseinandersetzung vom Verwaltungsgericht Aachen nun gefällt wurde, ist der Verein nicht zufrieden.

Man kennt sich. Aus etlichen Verhandlungen, mit denen seit 2005 immer wieder Aachener Gerichte beschäftigt worden sind. Entsprechend bleibt das Fremdeln aus, als alle Beteiligten auf der Bank vor einem Gerichtssaal auf den Start der Verhandlung warten. Mal wieder. Man grüßt sich sogar. Völlig verdorben scheint das Verhältnis also offenbar nicht zu sein.

Oder – wahrscheinlicher – die Beteiligten können sich einfach beherrschen. Denn dass Nerven blank liegen und man sich liebend gerne mal ein paar kantige Worte an den Kopf werfen würde, ist so abwegig nicht. Die Konstellation – altbekannt: Der Sportverein SV Hoengen hat geklagt, die Stadt Alsdorf, vielmehr ihre Vertreter, nehmen auf der Anklagebank Platz. Das Ergebnis – zwiegespalten: Aus Sicht der Stadt ein Sieg. Der Verein, sagt sein Vorsitzender Karl-Heinz Dahmen, fühle sich derweil über den Tisch gezogen. Nicht vom Richter, sondern von der Stadt. Ob den Rechtsstreit überhaupt jemand gewonnen hat, darf bezweifelt werden.

Der SV Hoengen beklagt schon lange, im Vergleich zu anderen Fußballvereinen von der Stadt Alsdorf benachteiligt zu werden, und gelegentlich tut er das vor Gericht. In der aktuellen Auseinandersetzung vor dem Aachener Verwaltungsgericht geht es unter anderem um die Versorgung mit Sportfördermitteln. Die habe der Verein für die Jahre 2016/2017 nicht erhalten, seiner Ansicht nach zu Unrecht.

Grundlage für mehr Geld fehlt

2500 Euro schießt die Stadt dem SV zum Betrieb eines Vereinsheims, das sich in Hoengen befindet, zu. Geringe Zuwendungen gibt es außerdem aus der Vereins- und Jugendförderung. Darüber hinaus fließt kein Geld aus dem städtischen Topf Richtung Hoengener Verein. Mit dem Umzug auf den noch recht neuen Kunstrasenplatz „Am Klött“ fehle dafür die Grundlage, weil der Verein nicht mehr für gärtnerische und bauliche Unterhaltung der Anlage zuständig sei. Die nämlich liegt in der Verantwortung des zweiten Vereins, der „Am Klött“ trainiert und spielt: der SV Blau-Weiß Alsdorf. Nun habe der SV Hoengen allerdings in nicht eben geringem Umfang jene Unterhaltungsarbeiten zu leisten, sagt Dahmen.

Vor fast jedem Training oder Spiel müssten die eigenen Leute die Sportanlage „Am Klött“ abgehen und reinigen, Gegenstände wie Glasscherben entsorgen, die nicht selten dort feiernde Jugendliche hinterlassen hätten. Blau-Weiß leiste nur die notwendigsten Unterhaltungsarbeiten, kümmere sich aber nicht um den Zustand des Platzes, wenn der SV ihn brauche. Deshalb, so die Meinung des Vereins, müsse die Förderung für die Unterhaltunsarbeiten (2500 Euro), die bislang nur Blau-Weiß bekommt, zwischen den Vereinen aufgeteilt werden.

Für Hans-Peter Hermanns, Leiter des Alsdorfer Rechtsamts, steht diese Argumentation auf tönernen Füßen. Jeder Vereine kümmere sich darum, vor Spielen und Trainings Unrat vom Platz aufzuheben, aber kein Verein bekomme dafür Geld.

Die Rechnung, die der SV der Stadt gegenüber aufmacht, ist damit auch noch nicht am Ende. Dem Verein steht nach eigener Meinung außerdem eine finanzielle Kompensation für das Leerräumen und Renovieren eines Containers zu, den die Stadt dem Verein zur Verfügung gestellt hatte. 319,16 Euro schulde sie dem SV Hoengen dafür. Dabei handelt es sich wohlgemerkt nur um die Materialkosten. 773,50 Euro kommen obendrauf für die geleistete Arbeit, die bei der Entrümpelung des Materialcontainers angefallen sei – 91 Stunden laut Verein. Die Stadt schätzt, dass es eher 10,5 Stunden waren. Die Sanierungsarbeiten seien zudem ohne Rücksprache mit der Stadt erfolgt.

Vor wenigen Tagen nun wurde den Beteiligten das Urteil zugestellt. Die Stadt wird – Entsprechendes war damals ausgeblieben – dem Sportverein ihre Entscheidung über die Zuteilung von Sportfördermittel für Unterhaltungsarbeiten für das Jahr 2017 in einem schriftlichen Bescheid mitteilen. Die Ablehnung jener Förderung für 2016 war rechtmäßig. Die 773,50 Euro Arbeitskosten für die Entrümpelung des Containers bekommt der SV nicht. Die Klage sei unbegründet, befindet das Gericht. Den Materialkostenzuschuss für die Renovierung des Containers hatte die Stadt bereits in der Verhandlung zugesagt.

Verein will Rechtsmittel prüfen

Aus Sicht der Stadt ein Erfolg. „Uns ging es auch um die Klärung maßgeblicher Rechtsfragen“, sagt Hermanns. „Das war für die Stadt das Entscheidende: Wie die Sportförderrichtlinien in solchen Fällen anzuwenden sind und der Vergleich.“ In dieser Hinsicht bestehe nun Rechtssicherheit.

Karl-Heinz Dahmen zeigt sich weniger zufrieden: „Das Urteil müssen wir erst einmal akzeptieren. Wir werden aber prüfen, ob wir Rechtsmittel einlegen“, erklärt er. In diese Prüfung mit einfließen werde auch, dass solche gerichtlichen Auseinandersetzungen immer Geld und Nerven kosten. „Und wir reden hier schließlich immer noch über ein Ehrenamt, über Freizeitgestaltung.“ Als man noch die Anlage in Blumenrath bespielte, habe man Sportfördermittel in Höhe von rund 7400 Euro erhalten, man habe Schlüsselgewalt über ein Vereinsheim am Platz, über Kabinen, Lagerräume, konnte vor Ort Wäsche waschen, erklärt Dahmen. „‚Am Klött‘ geht das alles nicht.“ Vor dem Umzug seien von der Stadt andere Dinge versprochen worden.

319,16 Euro stehen für den SV nach der Gerichtsverhandlung also insgesamt auf der Haben-Seite, auch wenn der Verein das Geld nicht behalten möchte. Nach Rücksprache mit dem Vorstand teilte Dahmen mit, es der Kinderkrebsstation am Aachener Klinikum spenden zu wollen.

Die Gerichts- und Anwaltsgebühren – insgesamt wohl über 1000 Euro – stehen auf der Soll-Seite. Sie werden zwischen den Parteien aufgeteilt, beide müssen dafür in die Tasche greifen. Der Sportverein noch etwas tiefer, als die Stadt Alsdorf.