Trauergruppen für Kinder und Jugendliche im Nordkreis

Neu im Nordkreis : Trauergruppen für Kinder und Jugendliche

In größeren Städten gibt es sie schon länger, die Trauergruppen für Kinder und Jugendliche. Nächstgelegene Möglichkeit in unserer Region: in Aachen. Doch der Sprung nach Aachen ist für junge Menschen groß.

Ein Grund, dass demnächst „Libelle“ und „Phönix“ im Nordkreis starten, Trauerprojekte getragen vom Trauernetzwerk Alsdorf.

„Drei Institutionen haben sich zusammengefunden, diese Sache auf den Weg zu bringen“, erklärt Projektleiterin Beatrix Hillermann. Das sind die Evangelische Christusgemeinde, die GdG der katholischen Pfarren Alsdorfs und der Ambulante Hospizdienst der Aachener Caritasdienste Region Aachen. Die Institutionen haben ihre Kräfte und ihr Wissen über das Thema Trauer gebündelt. Letztlich Ausführende sind aber zwölf engagierte Ehrenamtlerinnen, die sich nach den Richtlinien des Bundesverbandes Trauerbegleitung für „Trauerbegleitung im Ehrenamt“ zu Kindertrauerbegleiterinnen ausbilden ließen und nun ihr Zertifikat erhielten.

Nach den Sommerferien soll es nun losgehen, die Gruppe „Libelle“ für Kinder von fünf bis elf Jahren trifft sich 14-tägig Montag um 17 Uhr im Gemeindehaus Kirche Vorweiden, die Jugendgruppe „Phönix“ ab zwölf Jahren ebenfalls montags einmal monatlich in der KOT St. Castor, Alsdorf, um 17.30 Uhr. Jetzt heißt es Werbung machen, damit möglichst viele von den Trauergruppen erfahren. Beiträge in Medien, sozialen Netzwerken und Flyer sind in Vorbereitung.

Dabei wird die Kindergruppe ein offenes Angebot sein, das nach einem Vorgespräch bei Bedarf genutzt werden kann, die Jugendgruppe wird ein geschlossenes Angebot, das auf acht Termine angelegt ist. „Die Erfahrung zeigt, dass Jugendliche eine dauernde Fluktuation schwieriger empfinden als Kinder“, erklärt die Projektleiterin. Ihre Ehrenamtler bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen mit ein. Zum Beispiel die Lehrerin Frauke Gagelmann: „Als ich mich dazu entschlossen habe, war mir gar nicht klar, dass das mal so was Großes werden würde“, staunt die Pädagogin über die Entwicklung, die bis zu den konkreten Projekten im Nordkreis geführt hat.

Was sie am meisten aus ihrer Fortbildung mitgenommen hat: „Zu verstehen, dass es gar nicht schlimm ist, wenn man denkt, dass man die Situation nicht ändern kann.“ Auf jeden Fall sei sie sensibler bei dem geworden, was sie trauernden Kindern sage. Im Mittelpunkt des Projektes steht das Miteinander, dass Kinder und Jugendliche die Solidarität anderer Betroffener erfahren.

Und dass nicht nur aktives Verarbeiten zum Beispiel durch Gespräche auf der Tagesordnung stehen wird: „Wir geben den jungen Menschen die Möglichkeit, zu spielen, zu basteln und zu toben“, schildert Hillermann. Die Ehrenamtlerinnen tragen der Tatsache Rechnung, dass es verschiedene Vorstellungen von Tod und Endlichkeit gibt und dass gerade Kinder noch oftmals über ein „magisches Denken“ verfügen, um sich Unvorstellbares irgendwie erklären zu können.

Was den Trauerbegleiterinnen auch wichtig ist: Wenn ein Familienmitglied stirbt, kommt es nicht selten vor, dass sich die Familienstrukturen komplett verändern und Kinder oder Jugendliche in Rollen geraten, in die sie eigentlich nicht sollten oder möchten. „Deshalb bieten wir bei der Kindergruppe eine begleitende Gesprächsrunde für Erwachsene.“

Auf jeden Fall ist der erste Schritt sicher nicht der einfachste. „Uns ist klar, dass die Menschen Mut fassen müssen, zu uns zu kommen“, erklärt Hillermann. Oftmals ist es sogar so, dass Kinder und Jugendliche auffällig werden, anstatt ihren Verlust klar zu kommunizieren. Verena Comanns berichtet, wie die Fortbildung zum Beispiel geholfen habe, Trauer im ganzen Körper wiederzufinden, etwa in Form von hängenden Schultern, von fehlender Luft zum Atmen oder von Schmerzen im Bauch. Klar, dass Trauer eng verbunden ist mit Wut und Ohnmacht.

Eine Möglichkeit, damit umzugehen, ist der Rettungsring, auf dem jeder für sich vermerken kann, was ihm guttut. Einen solchen kann man sich an guten Tagen basteln und individuell beschriften, denn an schlechten Tagen fehlt womöglich die Energie, darauf zu kommen, was der Trauerschleife heraushilft. In „Libelle“ und „Phönix“ werden ausreichend Rettungsringe für die jungen Menschen ausgeworfen.

Demnächst wird die Internetseite trauernetzwerk-alsdorf.de online gehen und aktuelle Informationen zu dem Projekt vermitteln. Die Ehrenamtlerinnen freuen sich übrigens über Spenden in Form von Spielzeug für unterschiedliche Altersstufen, Bastelmaterial und auch mal einen Boxsack, um die Wut rauszulassen.

(ust)
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