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Reminiszenz an einen vergangenen Teil Alsdorfs

Filme über Bergbaugeschichte : Güterwaggon-Kino im Energeticon

In Alsdorf werden Erinnerungen an die vergangene Geschichte der Stadt geweckt. Im Energeticon werden Filme über die Bergbaugeschichte gezeigt – vor einer ganz besonderen Kulisse.

Die offizielle Einweihung war noch nicht ganz ausgeklungen, da gönnten sich die ersten interessierten Besucher bereits einen der vier frei wählbaren Filme.

Schleichfahrt Richtung Friedhof

Ob alteingesessener Alsdorfer oder nicht – die Bildaufnahmen von 1930 lassen niemanden unberührt. Sie zeigen Menschenmassen an den Straßen der Stadt, zeigen, wie ein Lastwagen nach dem anderen, beladen mit bekränzten Särgen, auf Schleichfahrt Richtung Friedhof an der schweigenden Menge vorüberfährt. Eine gespenstische Ruhe scheint hörbar. Im Waggon ertönt die Stimme des Sprechers. Er berichtet, dass 100.000 Menschen – in manchen Quellen sei von bis zu 150.000 die Rede – am Wegesrand standen, um den mehr als 270 getöteten Bergleuten die letzte Ehre zu erweisen. Die Kurzdoku „Das Grubenunglück auf Grube Anna 2 in Alsdorf 1930“ von Dr. Georg Kehren vom Verein Grube Anna Bergbauinformationszentrum (Sprecher Arnold Herff) ist einer der vier Filme, die Besucher sich ohne zusätzlichen Eintritt im Güterwaggon-Kino ansehen können. Elf Minuten Bild und Ton, die niemanden kalt lassen (weitere Filme siehe Box).

Für Instandsetzung und Ausstattung des Waggons sind rund 33.000 Euro investiert worden, von denen 25.000 Euro aus einer Förderung des LVR stammen. Am Waggon selbst mussten einige Dachsparren ersetzt und neue Dachpappe aufgebracht werden, um ihn für den Einsatz als kleines Kino fit zu machen, eine Treppe wurde installiert, ein Stromanschluss gelegt, ein Vordach und technisches Equipment eingebaut. Vor ziemlich genau einem Jahr sei der Antrag beim Landschaftsverband gestellt worden, erklärte Karin Schmitt-Promny, die als Vertreterin des LVR gekommen war. Im Mai 2019 sei der bewilligt worden und die Arbeiten in Alsdorf hätten begonnen.

Der Weg zum Energeticon und dem Güterwaggon-Kino ist mithilfe einer Asphaltierung barrierefrei gestaltet worden – die Kosten betrugen ebenfalls 33.000 Euro, erklärte Energeticon-Geschäftsführer Thomas König. An dieser Stelle hat die Städteregion dem Energeticon mit 25.000 Euro aus dem Inklusionsfördertopf unter die Arme gegriffen. Das Kino selbst ist barrierearm gestaltet. Es führt keine Rampe hoch in den Waggon selbst, Rollstuhlfahrer etwa können die Filme aber von außen anwählen und anschauen.

Platz für rund 15 Besucher: Der ehemalige Güterwaggon ist zwar nicht beheizt, aber es liegen Decken aus, um es sich auch bei Kälte gemütlich zu machen. Foto: ZVA/Thomas Vogel

In dem kleinen Waggon ist Platz für rund 15 Besucher. Die neue Attraktion soll auch das Profil des Energeticons als außerschulischem Lernort schärfen. Junge Besucher sind ebenso angesprochen wie alte. Noch bis März kommenden Jahres wird Bewohnern von Seniorenheimen 50 Prozent Rabatt auf den Eintritt ins Energeticon gewährt.

Das Herz herausgerissen

„Mit der Schließung der Grube hat man uns hier in Alsdorf das Herz herausgerissen“, sagte Bürgermeister Alfred Sonders. „Im wahrsten Sinne des Wortes.“ Er habe die Loks noch fahren sehen, wie sie dampfend und schnaubend vorbeigerollt seien und das Bild der Innenstadt mitgeprägt hätten. Damals habe man nicht nur fünf Minuten – wie heute – am Bahnübergang gestanden, sondern gerne mal 15 Minuten und mehr. Mit den alten Gebäuden auf dem Annagelände und dem, was darauf und daraus gemacht wird, werde jedoch nicht nur die Erinnerung daran lebendig gehalten, wie Alsdorf 150 Jahre lang war. Es zeige auch, wie motiviert die Alsdorfer seien, und es zeuge vom Selbstverständnis, alles selbst in die Hand nehmen zu können.

Vergnügen und Erinnerung

Das Güterwaggon-Kino soll nicht nur Ort des Vergnügens, nicht nur Attraktion sein, in dem Filme für Kurzweil sorgen. Es soll auch Ort des Lernens und der Erinnerung sein. Ein Ort der Reminiszenz an einen Teil von Alsdorf, der so nicht mehr existiert.