Mit dem Fahrrad am Energeticon Alsdorf Halt machen

Kritik am „Inszenierungskonzept“ : Riesenrad und „Fegefeuer für Kinder“ in Alsdorf

Für das touristische „Inszenierungskonzept“ für die „Zeitschleife Schwarzes Gold“ in Alsdorf hagelt es Kritik. Es geht um das Begleit- und Gestaltungsprogramm im Zuge der Ertüchtigung und des Ausbaus des Radwegenetzes.

Wer Theater macht, weiß, dass nicht jede Inszenierung beim Publikum ankommt – Beispiel Wagner-Festspiele in Bayreuth. Das gilt ebenso für kleinere Bühnen und im vorliegenden Fall für die österreichische Agentur „pronatour“. Die hat ein „Inszenierungskonzept“ für das Projekt „Erlebnisraum Aachener Revier“ im Auftrag der Städteregion Aachen ausgearbeitet.

Nachdem bereits im Baesweiler Bau- und Planungsausschuss deutliche Kritik an einzelnen Komponenten geübt worden war, die auf Streckenführung und einzelne Gestaltungskomponenten abzielte, wurden nun im Alsdorfer Haupt- und später im Stadtplanungsausschuss Teile bemäkelt.

„Erlebnisräume“

Es geht um das Begleit- und Gestaltungsprogramm im Zuge der Ertüchtigung und des Ausbaus des Radwegenetzes. Von der Städteregion und den beteiligten Kommunen des „Nordraums“, also Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Würselen, wurden zwei solcher Erlebnisrouten abgestimmt. Diese Radwege sollen zu „Erlebnisschleifen“ zwecks touristischer Vermarktung aufgewertet werden.

Die Radfahrer sollen nicht einfach nur durchfahren, sondern möglichst Päuschen einlegen – in der Hoffnung, dass sie nicht nur Akkus am Pedelec aufladen und Reifen aufpumpen, sondern den einen oder anderen Euro da lassen, bevor sie weiter rollen. Dabei geht es nicht nur um Essen und Trinken, um den eigenen Energiespeicher aufzuladen, sondern obendrein um den Besuch von Sehenswürdigkeiten. Da die Zuladung bei Fahrrädern bekanntermaßen recht überschaubar ist, dürften normale Geschäfte nicht so viel von Radtouristen haben. Es sei denn, ein T-Shirt oder ähnlich Kleinteiliges geht mit. Aber vielleicht kehrt der Pedaleur mit dem Wagen zurück, um in einem ihm zuvor neuen, aber bei Erstbegutachtung ansprechenden Umfeld die Einkaufstour nachzuholen.

Klettergerüst ein „Fegefeuer für Kinder“? Foto: grafik

Grundsätzlich macht es also (wirtschaftlich) Sinn, entlang des Radweges „Ankerpunkte“, „Erlebnisräume“ und Rastplätze „über ein entsprechendes Erlebnisraumdesign infrastrukturell zu inszenieren“, wie es im Planer-Sprech heißt. Und es geht noch eine Nummer verquarzter: „Gleichzeitig sollen die im Rahmen des Konzepts identifizierten Inszenierungsschwerpunkte und Stories auch in der Entwicklung entsprechender Marketingmaßnahmen sowie der touristischen Produktentwicklung aufgegriffen werden und Anwendung finden, um das Profil der Erlebnisschleifen zu schärfen und für den Gast einzigartige Reiseerlebnisse zu generieren.“ Oh, wenn doch nur der Radfahrer wüsste, wie viel Gehirnschmalz und Wortgewalt aufgebracht worden ist, damit er einen schicken Fahrrad-
ständer vorfindet, der den Drahtesel nicht rauskippen lässt!

Es kam in den Alsdorfer Ausschusssitzungen wie es kommen musste, wenn sich Kommunalpolitiker, die versiert darin sind, um den Standort jeder Laterne zu ringen, auf ein abgehoben formuliertes Konzept stoßen: Sie wollen mitgestalten. Das wiederum gerät zum Alptraum der Kollegen der Stadtverwaltung, die die Gestaltungswilligen auf den harten Asphalt des Radwegs zurückbringen müssen: Denn in Gemeinschaft mit anderen Kommunen entwickelte und zum Großteil aus anderen Töpfen (aber immer vom Steuerzahler finanzierte) Großprojekte sind nicht beliebig umzumodeln, wie Erster Beigerodneter Ralf Kahlen und Technische Beigeordnete Susanne Lo Cicero-Marenberg zu vermitteln suchten. Das fiel aber schwer, weil sich vor allem die Vertreter der CDU massiv darüber beschwerten, erst sehr spät mit den Entwürfen konfrontiert worden zu sein.

„Eyecatcher“

Unter dem Titel „Zeitschleife Schwarzes Gold“ geht es bei der Radwegmöblierung in Alsdorf um Komponenten, in denen sich Bezüge zur Zeit des Steinkohlebergbaus wiederfinden. Wilfried Maul (CDU) bemäkelte die Größe des Rades (ein „Riesenrad“mit 12 Metern Länge und 5,80 Meter an Höhe), das am Haltepunkt für Radtouristen vor dem Haupteingang des Energeticons aufgestellt werden soll. Selbst die Fahrradstadt Münster habe so etwas nicht. Dem wurde seitens der Stadt entgegengehalten, dass es sich bei den beiden Rädern des stilisierten Fahrradrades um Seilscheiben aus dem Bergbau handelt, also Metallräder, über die das Förderseil lief.

Diese hätten nun einmal eine entsprechende Größe, an der sich die Größe des Rahmens und des Lenkers orientieren müssten. Zudem solle das Teil ein „Eyecatcher“ sein, also ins Auge fallen. Maul ergänzte, dass das Material einzelner Komponenten (Drehscheibe aus Glas, Steinbänke ohne Schutz gegen Schmierereien und anderes mehr) leider schnell mutwillige beschädigt werden dürften. Dem schloss sich Hartmut Malecha (Grüne) an und meldete Diskussionsbedarf für die Gestaltung des Kinderklettergerüsts an, das in Form einer Fackel gestaltet werden soll – als Hinweis auf die Abgasfackel zu Zeiten der Kokerei. Dies wirke auf ihn wie ein „Fegefeuer für Kinder“.

Technische Beigeordnete Lo Cicero-Marenberg verwies auf einen Alternativvorschlag der Verwaltung in Form eines Turms. Es sei sicherlich grundsätzlich noch möglich, in dem einen oder anderen Punkt mit der Städteregion bei der Gestaltung von individuelle für Alsdorf geplanten Komponenten nachzuverhandeln, wenn dadurch die Kosten nicht gesteigert würden. Allerdings sei dies bei Elementen, die identisch entlang des Radweges auch in anderen Kommunen aufgestellt werden würden (zum Beispiel Bänke und Hinweistafeln), nicht mehr machbar. Da müsste man mit allen Partner das Fass wieder neu aufmachen.

Detlev Loosz (SPD) regte an, einige Standorte für Gestaltungselemente zu überdenken (so am Broicher Weiher), um für bessere soziale Kontrolle zu sorgen. Er machte sich für eine andere vertragliche Regelung stark. Bislang sei vorgesehen, dass nach bezuschusster Erstausstattung die Stadt das, was kaputt geht, aus eigener Tasche ersetzen müsse.

Thomas König, Geschäftsführer der Energeticon gGmbH, warb für das Projekt, das mit viel Sachverstand und großem Abstimmungsaufwand entwickelt worden sei. Am Grundkonzept könne man wohl einen Haken machen. Es handle sich nun einmal um das Thema Fahrrad. Angesichts des groß geplanten „Augenfängers“ am Energeticon „werden die Radfahrer wohl anhalten und absteigen, um sich das anzuschauen“. Genau dies sei das Ziel. Die zu verbauenden Materialien wolle man sich noch einmal genauer unter dem Aspekt Schutz vor Vandalismus anschauen.

Der Vorschlag von CDU-Sprecher Maul, vor grundsätzlicher Zustimmung in interfraktioneller Runde das Konzept noch einmal kritisch zu betrachten, wies Erster Beigeordneter Kahlen zurück. Dann würde der Förderantrag nicht mehr rechtzeitig gestellt werden können. Letztlich einigte man sich auf einen Kompromiss: Grundsätzlich folgt man dem Konzept, will aber mit der Verwaltung der Städteregion Alternativvorschläge unterbreiten.

Weitere Details sind im Ratsinformationsystem der Stadt Alsdorf unter www.alsdorf.de zu finden.

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