Infoabend des Luisenhospitals zum Thema Divertikel

Im Enegeticon : Interesse am Infoabend des Luisenhospitals zum Thema Divertikel

Chefärzte des Aachener Luisenhospitals referieren im Energeticon zum Thema Divertikel. Dabei beantworten sie viele Fragen zum Darmleiden.

Eigentlich ist es ungerecht: Dienen die für die am Verdauungsvorgang beteiligten Organe und Körperteile noch den blumigsten Metaphern – „Das zergeht auf der Zunge“ oder „Liebe geht durch den Magen“ – so führt der Darm doch eher ein tristes unbeachtetes Schattendasein. Selbst das Darmendprodukt findet im einen oder anderen Zusammenhang noch Beachtung, wenngleich auch weniger blumig.

Mit einer deutlichen Aufwertung und gebührender Aufmerksamkeit wurde der Darm, genauer der Dickdarm, bei einer Informationsveranstaltung des Luisenhospitals Aachen im Panoramaraum des Energeticons bedacht. „Hilfe, mein Darm hat Divertikel! Bin ich jetzt krank?“ lautetet die Veranstaltung, bei der die beiden Chefärzte des Luisenhospitals, Prof. Dr. Hermann Wasmuth (Medizinische Klinik) und Prof. Dr. Reinhard Kasperk (Chirurgische Klinik), referierten und den Besuchern im Anschluss noch lange für Fragen zur Verfügung standen.

Beide Mediziner konnten mit einem „Aber“ im Zusatz beruhigen, dass Divertikel im Dickdarm noch keine Krankheit ausmachten. Dieses „Aber“ bestimmte dann jedoch nachhaltig den Inhalt des Abends. Zunächst wurde die Frage geklärt, was Divertikel überhaupt sind. Denn wenn auch 80 Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens von Divertikeln im Darm betroffen sind, weiß nicht jeder gleich mit ihnen etwas anzufangen: „Divertikel sind kleine, sackartige Ausstülpungen in der Dickdarmschleimhaut. Sie sind oft harmlos und bereiten keine Beschwerden“, erklärte Prof. Wasmuth.

Solange sie keine Symptome verursachen, bedürfen sie auch keiner Behandlung. Nun zum „Aber“: „Entzünden sich Divertikel, so spricht man von einer Divertikulitis. Symptomatisch sind dann etwa heftige Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen und auch Fieber.“ Dann ist Handeln angesagt. Denn: Die Entzündung kann auf benachbarte Organe wie Blase, den Vaginalbereich bei Frauen oder den Dünndarm übergehen und fatale Folgen haben.

Zudem kann es zur Verengung des Darmes kommen, dem so genannten Darmverschluss, zu Blutungen im Darm und sogar zur schweren Perforation, dem Wanddurchbruch. Solche Folgen sind selten – können allerdings auch tödlich enden. Das wundert nicht: „In einem Milliliter Stuhl sind 10 Milliarden Bakterien, die den Körper dann vergiften“, klärte Prof. Wasmuth auf.

Eine unkomplizierte Divertikulitis kann bereits vom Hausarzt diagnostiziert und behandelt werden, etwa durch Medikamente, aber auch Schonkost kann dann bereits hilfreich sein. „Viele Beschwerden regelt unser Immunsystem von selbst, man muss nicht gleich Antibiotika nehmen“, beruhigte Prof. Wasmuth.

Helfen konventionelle Behandlungsmethoden nicht mehr, dann ist ein chirurgischer Eingriff nötig. Wann das der Fall ist und wie in einem solchen Fall vorgegangen wird, erklärte Prof. Kasperk: „Bei einem Wanddurchbruch, einem Abszess, das ist eine Mikro-Perforation, oder heftigen Blutungen im Darm muss operiert werden.“

Aber auch bei häufig wiederkehrenden Entzündungsschüben sei eine Operation ratsam. Im Luisenhospital wird das im Verfahren der laparoskopischen Operation – und zwar mit 3-D-Technik – gemacht. Dabei wird minimalinvasiv mit Hilfe eines optischen Instruments der Eingriffe innerhalb der Bauchhöhle vorgenommen und etwa 15 bis 20 Zentimeter des etwa 1,40 Meter langen Dickdarms entnommen. „Bei rechtzeitiger Operation und sonst gesundheitlich gutem Zustand ist das Risiko bei solch einem chirurgischen Eingriff gleich Null“, ermunterte Prof. Kasperk zu einem rechtzeitigen operativen Handeln.

Dass bei einem solchen, vielmals tabuisierten Themas „Darm“ das Auditorium aus Betroffenen, beziehungsweise Erkrankten bestand, lag auf der Hand. Und so entspannte sich nach den Vorträgen ein reger Austausch zwischen Erkrankten und fachkundigen Medizinern, wie er im „normalen Klinikalltag“ mit Chefärzten doch wohl seltener möglich ist. Die Professoren Kasperk und Wasmuth jedenfalls nahmen sich ausgiebig Zeit für Patienten, die nicht ihre waren.

Und Nicht-Betroffene von dem Darmphänomen nahmen die Erkenntnis mit, wie wichtig dieser rund 1,40 Meter lange Teil des Körpers ist, und dass man ihm mehr Aufmerksamkeit schuldig ist. Ihn vielleicht sogar mit einer netten Metapher ehrt, wie: „Das lief so glatt wie eine Darmwand.“

(hob)
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