Gesundheitsforum in Alsdorf : Sucht hat immer eine Geschichte

Sucht hat immer eine Geschichte. Das ist aber nur die eine Seite der Suchtkrankheiten. Denn nicht nur labile Menschen verfallen dem Alkohol oder der Zigarette. Zunehmend sind auch Drogen der verschiedensten Art im Visier der Ursachen-Forscher und -behandler.

Zwei kompetente Fachärzte referierten in der Alsdorfer Stadthalle zum Thema „Sucht: Unbezwingbares Verlangen gegen die Vernunft“. Für das 47. Alsdorfer Gesundheitsforum – es war auch zeitgleich das 27. Gesundheitsforum unter der Federführung des Fördervereins Katholische Stiftung Marienhospital Aachen – hatten die Veranstalter mit Prof Dr. med. Markus Gatzen (Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am MHA) und Dr. med. Andrea Hauschild (leitende Oberärztin und Psychologin am Alexianerkrankenhaus Aachen) hochqualifizierte Mediziner gewonnen.

Die Einleitung zum Thema nahm Brigitte Hinkelmann, Mitbegründerin der Foren, mit der Begrüßung einiger Ehrengäste vor. Eins stellte Professor Gatzen eingangs heraus. Ob es sich nun um Alkohol, Nikotin, Tabletten, Drogen oder Glücksspiel handelt, jede Sucht ist eine Krankheit, die behandelt werden muß. Bei der es vor allem die Menge macht. Das unterlegte Professor Gatzen mit einem ausführlichen Zahlenwerk. 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung raucht. Davon sind 60 % männlich und 40 % weiblich.

Auch erschreckend: 20 % der Frauen rauchen in der Schwangerschaft, was dem ungeborenen Leben bereits schwere Schäden zufügen kann. Raucher sind besonders gefährdet, eine Krebserkrankung der Lunge, Mundhöhle, des Kehlkopfes, der Lippen oder der Harnblase zu bekommen. Zudem ist das Rauchen auch ein erheblicher Faktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und weitere ernsthafte Erkrankungen. 100.000 Menschen sterben allein in Deutschland jedes Jahr an den Folgen. Eingehend erklärte Professor Gatzen, wodurch das starke Verlangen nach Tabakkonsum entsteht.

Zur psychischen Komponente nahm auch Oberärztin Dr. Andrea Hauschild Stellung. Was kann man gegen diese Sucht tun? Dazu gehört die motivierende Gesprächsführung, der Rückgriff auf Rauchentwöhnungskurse oder auch auf Nikotinersatzstoffe sowie Medikamente oder (bedingt) die E-Zigarette als kleineres Übel. Die offizielle Zahl der Alkoholabhängigkeit liegt bei 5% in der Bevölkerung. „Die Dunkelziffer wird aber wesentlich höher sein“, befürchtet Prof. Gatzen. Etwa 10 Prozent der Menschen sind vom Alkoholmissbrauch betroffen. Prof. Gatzen schilderte das Trinkverhalten zwischen Gelegenheits-, Spiegel- oder Quartalstrinkern. Zeigte Kontrollverluste auf und auch zum psychiatrischen Verfall nahm Dr. Hauschild Stellung.

Einige aufgezeigte Folgen des Alkoholismus: Fettleber, Fettleberhepatitis, Leberzirrhose oder in letzter Instanz der Leberkrebs. Wie auch bei der Nikotinsucht muß die Lebenserwartung beim Alkoholismus um durchschnittlich 15 Jahre verkürzt werden. Eineinhalb Stunden referierten die Fachleute, gingen aber zwischendurch auch immer wieder auf die Fragen der Zuhörer ein. Dazu gehörte dann auch eine ganz intime Sprechstunde, in der Angehörige von Suchtkranken spezielle Fragen stellten.

(mali)
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