Gedenkveranstaltung für Halle-Opfer in Alsdorf geplant

Gedenken in Alsdorf : Gemeinsames Trauern um die Opfer von Halle

Mit einer Gedenkfeier gedachten Menschen in Alsdorf am Freitagabend den Opfern des rechtsextremistischen Anschlags vor der Synagoge in Halle.

Das Klagelied des Jeremia ertönt am Straßenrand. Eine kleine Menschenmenge lauscht dem Gesang, den Ulrich Holste-Helmer anstimmt. Die Gedenkfeier für die Opfer des antisemitischen Anschlags in Halle findet rund um den Erinnerungsstein für die ehemaligen jüdischen Mitbürger in Alsdorf statt, initiiert und zelebriert von der evangelischen Pfarrerin Annegret Helmer. Sie betet, lädt zu zwei Schweigeminuten ein und ermuntert die Menschen anschließend, gemeinsam „We shall overcome“ zu singen, das Protestlied aus der US-Bürgerrechtsbewegung.

Gekommen sind Mitglieder der evangelischen Gemeinde genauso wie Katholiken. Die Betroffenheit über das, was ein Einzeltäter in Halle rund um die dortige Synagoge angerichtet hat, vereint die Menschen. „Ich habe in der Müttermesse von der Gedenkfeier erfahren. Mir war es ein Bedürfnis zu zeigen, dass man anteilnimmt“, erklärt Heike Simunec.

Heinz Wolke hat in seiner Arbeit bei der Jugendeinrichtung KOT und in der Realschule viel mit Jugendlichen zu tun. Er stellt fest: „Die Thematik Antisemitismus ist eigentlich in den Köpfen vieler Jugendlichen nicht präsent. Die haben zwar mal was vom Holocaust gehört, aber im gleichen Atemzug gebrauchen sie das Wort ‚Jude‘ als Schimpfwort. Ich finde es wichtig, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass Leute sich Gedanken machen.“

Karin Masser ist über die katholische Pastoralreferentin Bärbel Schumacher auf die Gedenkfeier aufmerksam geworden. „Ich möchte mich solidarisch erklären. Wenn man das im Fernsehen sieht, ist man schon betroffen und berührt. Da kann ich nicht einfach zu Hause sitzen bleiben.“

Dr. Stefan Saffer, Initiator der Initiative Wider das Vergessen, in deren Rahmen auch der Gedenkstein an der oberen Bahnhofstraße errichtet wurde, verweist am Rande der Feier auf die Schäden, die der Stein bereits aufweist – mutwillig beigebracht? Für ihn und Pfarrerin Helmer steht fest, dass sie sich vor der Etablierung einer Kultur des Hasses sorgen. „Ich möchte zeigen, dass wir dem etwas entgegensetzen, dass wir reagieren!“, betont Helmer. Demnächst wird der Gedenkstein wieder Ort einer Feier sein – am 9. November, wenn sich die Reichspogromnacht jährt.

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