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Flüchtlingskinder Ihsan und Esad: Bücher lesen hilft ihnen beim Deutschlernen

Flüchtlingskinder Ihsan und Esad : Bücher lesen hilft ihnen beim Deutschlernen

Ihsan und Esad haben das Rennen gemacht. Ein Rennen, in dem sie sich zwar als Sieger bei der Ferienschmöker-Bande der Stadtbücherei feiern lassen durften, bei dem es aber gar nicht so sehr aufs Siegen ankommt.

24 beziehungsweise 23 Bücher haben die elf und acht Jahre alten Brüder während der Sommerferien in der Stadtbücherei gelesen. Die Inhalte dieser Bücher konnten sie danach verständlich wiedergeben. Dabei haben Ihsan und Esad besondere Voraussetzungen: Sie sind 2018 nach Deutschland geflohen und lernen erst seitdem Deutsch. Die Familie besucht oft und gerne die Stadtbücherei. Büchereileiterin Heike Krämer und ihr Team haben immer wieder gute Vorschläge für die beiden Jungs in petto. Diesmal hatten es ihnen Piraten- und Detektivgeschichten besonders angetan. Ihsan und Esad lesen für ihr Leben gern, spielen aber auch genauso begeistert Fußball. Ihsan, der gerade von der Grundschule aufs Gymnasium gewechselt ist, spielt zudem gerne Schach.

„Die Teilnahme von Ihsan und Esad in diesem Jahr war für uns etwas Besonderes und hat uns sehr berührt. Der Wille und die Begeisterung, mit der die beiden die deutsche Sprache lernen, und mit welcher Freude sie lesen, hat uns wieder einmal gezeigt, wie wichtig Lesen ist und dass Sprache die Menschen zusammenbringt und viele Möglichkeiten eröffnet“, erklärt Büchereileiterin Heike Krämer.

Die Ferienschmöker-Bande hat aber noch mehr positive Entwicklungen ausgelöst. So berichtet Krämer von dem Mädchen, das zu Beginn der Ferien eng neben seiner Mutter saß und seine Zuhörer nicht ansehen konnte. Die Erzählung kam leise und stockend über ihre Lippen. Am Ende der Ferien kam dieses Mädchen allein nach vorne und erzählte fröhlich und ausführlich den Inhalt des zuletzt gelesenen Buches. „Was Kinder bei der Ferienschmöker-Bande lernen, geht manches Mal weit über die Leseförderung hinaus“, unterstreicht Krämer. Ihre Leseinitiative fand in diesem Jahr nicht trotz Corona, sondern erst recht deswegen statt. Viele Familien sind nicht in Urlaub gefahren, da war diese Abwechslung hoch willkommen. „Wir hatten diesmal auch wieder viele Jungen dabei“, erklärt Krämer erfreut. Werde das Lesen doch oft fälschlicherweise als weibliches Faible angesehen.

Besonders ausgezeichnet hat sich auch Eric Hinüber, der den Inhalt von 15, meist sehr dicken Büchern genau und spannend wiedergeben konnte. Erics jüngerer Bruder Timo, der die zweite Klasse besucht, schaffte ganze acht Bücher.

Geschenktüte mit Preisen

Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen musste die Ferienschmöker-Bande in veränderter Weise stattfinden. So konnte das große Abschlussfest mit Verlosung der Preise nicht stattfinden. Stattdessen erhielt jedes Kind, das mindestens drei Bücher gelesen und den Inhalt erzählt hat, eine Geschenktüte. In dieser fanden sich eine Vielzahl von Preisen wie ein Gutschein einer Buchhandlung, den der Förderverein der Stadtbücherei mit Unterstützung einer Spende gesponsert hatte. Ebenso ein Eintrittsgutschein ins Energeticon und ein Getränkegutschein fürs Kino, die ebenfalls gespendet wurden. Natürlich bekam jedes Kind eine Teilnahmeurkunde, auf der die Anzahl der gelesenen Bücher vermerkt wurde.