Bildhauer Alfred Mevissen macht sich für europäische Idee stark

Verein „Art moves Europe“ aktiv : Alsdorfer Bildhauer befreit Kaiser Karl aus Basaltblock

Wo ist Kaiser Karl geblieben? Der Alsdorfer Bildhauer Alfred Mevissen hat ihn entdeckt – in einem rund 2,40 Meter hohen türkischen Basalt. Der Künstler hat mit Kreide die Konturen von Gesicht, Bart, Krone, Schulter, Falten der Bekleidung und mehr auf der Oberfläche des Rohlings hervorgehoben. „Der Stein lebt schon“, sagt er.

Mevissen wird Karl jetzt von überflüssigem Gestein befreien und sein Kleid „modellieren“, auf dass der Herrscher sich wieder um Europa kümmern kann. Die Prozedur wird wohl bis Herbst dauern. Mevissen, der unter anderem bereits mit der internationalen Kampagne „Säulen der Freiheit“ publikumswirksam für demokratische Grundrechte eintrat, will seine Kunstaktion, die er jetzt auf dem Gelände der Initiative „Go better“ in Alsdorf mit dem Meißel angegangen ist, aber auch als Aufruf zur Beteiligung an der am Sonntag anstehenden Europawahl aufgefasst wissen.

Eine spezielle Partei empfiehlt er nicht, aber die Botschaft des Vereins „Art moves Europe“, dessen bekanntester Protagonist hier Mevissen ist, ist klar verständlich und wohl ganz im Sinne Karls: „Bürger Europas, geht diese Woche wählen und gebt Eure Stimme denjenigen, die an Europa glauben und es weiterentwickeln wollen!“

Die Initiative hat sich auf die Fahnen geschrieben: „Wir schaffen Kunstwerke, um an die Errungenschaften für die Europäische Idee zu erinnern und aktiv die Zukunft Europas mit zu gestalten.“ Und da Europa momentan von Zerfall bedroht ist, fährt Mevissen „schweres Geschütz auf“, wiegt der Stein, aus dem er nun Karl freischlägt, rund 1,2 Tonnen. „Kaiser Karl stand vor ca.1200 Jahren, als er zum König gekrönt wurde, vor einer ähnlichen Situation“, sagt Mevissen.

Anders als zu seiner Zeit üblich habe er eine Herrschaftsidee, ja eine Vision von einem Europa gehabt, die er konsequent entwickelt habe. „Auch wenn seine Methoden nicht immer zimperlich waren“, räumt Mevissen ein, während er den elektrischen Steinschneider zurechtlegt. Aber Karl wollte verbinden, führte Normen ein, entwickelte eine einfache Sprache und hatte schon zu seiner Zeit erkannt, dass Bildung den Schlüssel für Wohlstand und Erfolg bedeutet, sagt der Künstler.

Eine europäische Armee habe er ohnehin gehabt. Sein Führungsprinzip habe Züge des digitalen Zeitalters getragen, weil er von dort aus herrschte, wo er gerade war, also sehr flexibel und nah an der Realität. Auch führte er eine Währung ein. Mevissen: „Speziell an den letzten 70 Jahren hätte Kaiser Karl sicher seine Freude gehabt. Aber seit 2015 beobachtet er wieder einen schleichenden Zerfall der ‚Europäischen Idee’ zurück zu nationalstaatlichem Gedankengut.

Der Verein „Art moves Europe“ hat nun wieder Kontakt zu „Kaiser Karl“ aufgenommen und ihn gebeten, den Staatslenkern in Europa als Berater zu helfen, wieder eine gemeinsame Vision für Europa zu entwickeln und basierend auf den Errungenschaften der letzten 70 Jahre Europa konsequent weiter zu entwickele. Nach rund 1200 Jahren ist er natürlich noch ein wenig „versteinert“ und muss nun erst wieder in Form gebracht werden, bevor er dann aktiv helfen kann.

Und allen, die mitverfolgen wollen, wie Karl der Große sich Schritt für Schritt aus seiner steinernen Hülle befreit, sagt der Bildhauer: „Schaut in den nächsten Wochen immer mal wieder auf der Website www.art-moves-europe.eu vorbei.“

Aus diesem türkischen Basalt wird Kaiser Karl jetzt „befreit“ und bald auf Reisen gehen. Foto: Karl Stüber

Und wohin mit Karl, wenn die Skulptur fertig ist? „Wenn er dann wieder richtig gut aussieht und in voller Montur einsatzbereit ist, würde er sich am liebsten in Aachen, seinem Lieblingsort, niederlassen“, ist Mevissen überzeugt. Aber zuvor soll er bei seiner Beratertätigkeit auf Reisen gehen – gerne in jede andere Stadt Europas, die ihn willkommen heißt.

Und für dieses gekrönte Haupt gilt die alte Regel: „Wie schon zu seinen Lebzeiten ist natürlich immer der Ort, der den Kaiser beherbergt, dafür verantwortlich für die Zeit seines Aufenthaltes für seinen Unterhalt zu sorgen und die Transportkosten zu übernehmen.“ Es soll jedoch kein Heuschreckenschwarm sein, der über den Gastgeber („Das können Kommunen, aber auch Firmen oder Privatleute sein“) hereinbricht. „Gegen eine Spende von zwölf Euro pro Tag, zuzüglich der anfallenden Transportkosten, verweilt er gerne in eurer Stadt oder auf eurem Grundstück. Er bleibt in aller Regel mindestens 100 Tage“, sagt Mevissen und hofft auf Resonanz.

Mehr von Aachener Nachrichten